Sparkasse führt 6,7 Millionen Sparbücher für unbekannte Nutzer – Kritik der EU wegen Verdacht auf Geldwäsche
Anonyme Sparkonten bei Prager CS

Die tschechische Sparkasse Ceska Sporitelna (CS) führt 6,7 Millionen anonyme Sparkonten, deren Nutznießer unbekannt sind. Die Sparkasse hat zwar den Neuabschluss solcher Sparbücher "Anfang des Jahres" eingestellt. Doch gerade alte Anonym-Sparbücher werden von Offshore-Firmen gehandelt - auch über das Internet.

jow PRAG. Ermittler hegen den Verdacht, die Sparkonten könnten zur Geldwäsche dienen, etwa russischen Vereinigungen oder auch arabischen Terroristen. Die CS bestreitet das und hält andere Kanäle für geeigneter: etwa die Massen freier Wechselstuben in Tschechien.

Dem Handelsblatt liegen zwei Angebote für anonyme tschechische Sparbücher vor. Das eine stammt von einem Offshore-Vermittler für 500 $ je Stück, das andere von einem tschechischen Finanzbroker, der das erste Sparbuch für 200 $, das zweite für 150 $ anbietet.

Klara Gajduskova, Pressesprecherin der CS, war bisher davon ausgegangen, es handle sich "zumeist um Rentner, die für ihre Enkel gespart haben". Der Profi-Handel sei ihr nicht bewusst gewesen. Die Zahl der Konten - die eine Besonderheit des Instituts sind - habe 1995 noch 9,5 Mill. betragen und nehme ab. Denn die CS biete Kunden inzwischen einen Umtausch in Namenskonten an. Die bisherige Praxis sei "nicht mit EU-Kriterien" vereinbar. Der Umtausch werde sich aber Jahre lang hinziehen.

Die Ceska Sporitelna kündigte an, alle Gesetzesinitiativen zu unterstützen, die dem Kontenhandel ein Ende setzen. Bisher fehle die Gesetzesgrundlage. Im vergangenen Jahr war eine Handelsgesetznovelle "am Traditionsbewusstsein der Abgeordneten" gescheitert, so ein Ermittler bissig. Nun soll über eine Bankrechtsnovelle ein zweiter Anlauf gemacht werden. "Ich hoffe, dass dieser durchgeht - angesichts der jüngsten Ereignisse", so die CS-Sprecherin.

Bei den tschechischen Sparkonten geht es um "Überbringersparbücher". Sie wurden ohne Kundenidentität, nur mit Passwort ausgegeben und sind zeitlich unbegrenzt gültig. Das Angebot: "Es geht um ein Bankkonto, bei dem nicht einmal die Bank Ihre Identität kennt."

Die CS gehört zum Konzern der österreichischen Ersten Bank, die vormals ebenfalls mit anonymen Bankprodukten operierte. Wien hat aber dem Druck seitens der EU und des Anti-Geldwäsche-Programms (FATF) der großen Industriestaaten (G7-Staaten) nachgegeben, die diese Praxis ausmerzen wollen. Auch Prag ist Mitglied der FATF und will der EU beitreten.

Der Druck auf Prag wird wachsen, seit Ermittler dem Verdacht nachgehen, dass auch das Netz des Terroristen Osama bin Laden anonyme Konten in Europa genutzt hat. Bin-Laden-Komplize Wadih El Hage bestätigte im Prozess "USA gegen Osama bin Laden" im Februar, er habe ein Konto bei der "Girocredit Bank" unterhalten, die 1997 mit der Ersten Bank fusionierte. Ein Erste- Sprecher beteuerte dagegen, man habe den Namen nicht in der Kundschaft gefunden. Die Lösung könnte sein: El Hage hatte seine Identität in Österreich durch ein anonymes Konto vertuscht.

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