Sparkassen kämpfen mit Etragsproblemen
Sparkassenverband will zügige Neupositionierung

Der Sparkasssen- und Giroverband Hessen-Thüringen will das von ihm entwickelte Verbundkonzept zur künftigen Positionierung von Sparkassen und Landesbank spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2003 verabschieden.

Reuters FRANKFURT. "Ich würde es begrüßen, wenn dies bereits im Sommer der Fall sein könnte", sagte der geschäftsführende Präsident des Verbandes, Gregor Böhmer am Montag in Frankfurt. Die Sparkassen kämpfen wie die Privatbanken angesichts der schwachen Konjunktur mit Ertragsproblemen. Die Landesbanken müssen außerdem ab 2005 den Wegfall staatlicher Haftungsgarantien verkraften, was nach Einschätzung von Experten eine zum Teil deutliche Zurücknahme der Ratings durch die großen Agenturen zur Folge haben könnte.

Das Konzept des hessisch-thüringischen Verbandes sieht daher neben einer Steigerung der Erträge und der Begrenzung von Risiken vor allem einen einheitlichen Marktauftritt vor. Die Gruppe solle als wirtschaftliche Einheit wahrgenommen werden. Ziel sei ein Gruppenrating von "AA-", beziehungsweise "Aa3" im Jahr 2007, sagte Böhmer. Der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Günther Merl, hatte Ende Februar von einem "AA"-Rating als Ziel gesprochen. Trotz der angestrebten engeren Verbindung von Sparkassen und Landesbank sollen die Kassen wirtschaftlich und rechtlich selbstständig und in kommunaler Trägerschaft bleiben. Das Modell könnte nach Einschätzung von Experten Vorbildcharakter für die Zusammenarbeit von Sparkassen und Landesbanken auch in anderen Bundesländern haben.

Steigerung der Eigenkapitalrendite als Ziel

Bei den Kosten- und Ertragssynergien durch das neue Verbundkonzept geht Böhmer ab Ende 2007 von 250 Milli. Euro jährlich aus. Außerdem solle die Kosten-Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio) auf einen Wert unter 60 Prozent gesenkt und die Eigenkapitalrendite auf mehr als 15 Prozent gesteigert werden. 2002 lag die Eigenkapitalrentabilität der hessischen Sparkassen vor Steuern bei 5,9 (Vorjahr: 6,8) Prozent, in Thüringen bei 13,9 (13,8) Prozent.

Bei dem Verbundkonzept setze der Verband auf ein "System abgestufter Verbindlichkeiten", sagte Böhmer weiter. Unter die erste Kategorie fallen nach Böhmers Worten Vorhaben, die sich auf operativer Ebene bewegen. Hier würden Projekt zustande kommen, wenn eine ausreichende Anzahl von Sparkassen interessiert und bereit sei, die Kosten zu übernehmen. Die spätere Nutzung stehe im Ermessen der Institute.

Risikomanagement ist von grundlegender Bedeutung

Die beiden weiteren Stufen beträfen "strategische Basisvorhaben", sagte der Verbandspräsident weiter. Unter die Kategorie "grundlegende Vorhaben" falle dabei das Risikomanagement. Hierbei handele es sich um ein Projekt von so grundlegender Bedeutung, dass neben der Kostenumlage auf alle Verbundunternehmen auch die Teilnahme obligatorisch sein müsse. Der Verband strebt für alle Mitglieder der Finanzgruppe ein einheitliches Risikomanagement an.

Zur Geschäftsentwicklung der 35 hessischen Sparkassen 2002 sagte Böhmer, das Jahresergebnis vor Steuern sei um 10,6 Prozent auf 242,3 Mill.Euro zurückgegangen. Als Grund nannte Böhmer die hohe Risikovorsorge. Das Betriebsergebnis vor Bewertung sei in absoluten Zahlen um 8,3 Prozent auf 694 Mill. Euro gestiegen. Für 2003 sei erneut ein Wert auf diesem Niveau erreichbar. Allerdings sei auch für das laufende Jahr wieder mit einer hohen Risikovorsorge zu rechnen.

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