Sparplan sieht weniger Arbeitsplätze und Pkw-Modelle vor
Mitsubishi streicht Arbeitsplätze

Im Zuge der Umstrukturierungspläne des Automobilkonzerns Daimler-Chrysler AG wird nach Medienberichten auch der japanische Partner Mitsubishi mehrere tausend Arbeitsplätze streichen.

Reuters STUTTGART. Die Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" berichtete am Freitag, mehr als 10 % der 65 000 Arbeitsplätze sollten wegfallen. Der Sparplan ist Teil eines umfassenden Reformkonzepts von Daimler-Chrysler, durch das auch eine Wende bei der Verluste schreibenden US-Tochter Chrysler eingeleitet werden soll.

Der Aufsichtsrat von Daimler-Chrysler traf am Freitag in Stuttgart zusammen, um über die Vorhaben zu beraten. Zu den Inhalten der Sitzung lehnte ein Konzernsprecher eine Stellungnahme ab. In Firmenkreisen und bei Analysten hieß es, es seien keine großen Überraschungen mehr zu erwarten. Die Daimler-Chrysler-Aktie verlor nochmals an Wert.

Die Zeitung meldete weiter, Mitsubishi wolle ein Pkw-Werk in Nagoya schließen und so seine inländische Produktionskapazität um etwa ein Fünftel kürzen. Die Zahl der Pkw-Modelle solle auf zwölf halbiert werden. Zudem sollten 30 % der Materialkosten eingespart werden.

Analysten begrüßen den Sparplan

Analysten sagten, ein solcher Plan sei auf längere Sicht ein guter Schritt. Für das im März endende Geschäftsjahr 2000/01 sei dadurch aber ein höherer als bislang angekündigter Verlust zu erwarten. Ein Analyst sagte, er rechne mit Kosten für die Mitsubishi-Umstrukturierung von umgerechnet etwa 1,9 Mrd. Euro. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Mitsubishi nach bisherigen Prognosen einen Nettoverlust von etwa 1,3 Mrd. Euro. Ein Mitsubishi-Sprecher lehnte einen Kommentar ab und verwies auf eine für Montag angesetzte Pressekonferenz, auf der der Reformplan bekannt gegeben werden solle.

An Mitsubishi ist seit vergangenem Jahr die Daimler-Chrysler AG mit 34 % beteiligt. Seit Anfang 2001 ist der DaimlerChrysler-Manager Rolf Eckrodt als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft von Mitsubishi zuständig.

Restrukturierung zum Wohl von US-Konzern Chrysler

Das Konzept zur Reform von Mitsubishi ist Teil eines Restrukturierungsprogramms von Daimler-Chrysler. Der Stuttgarter Konzern leidet derzeit erheblich unter den Verlusten seiner US-Tochter Chrysler, die ebenfalls grundlegend umstrukturiert werden soll. Bereits bekannt ist, dass bei Chrysler 26 000 der 125 000 Stellen gestrichen und 15 % der Materialkosten eingespart werden sollen.

Bei den Reformplänen für Chrysler und Mitsubishi handelt es sich nicht nur um reine Sparkonzepte. Nach früheren Angaben aus Firmenkreisen sollen die Konzernbereiche vielmehr auch stärker miteinander verzahnt werden, um die Effizienz zu steigern. Zwischen Mitsubishi und Chrysler werde es einen umfassenden Austausch von Fahrzeug-Plattformen geben, deren Zahl im Übrigen deutlich reduziert werden soll. Zudem sollten in großen Chrysler-Pkw vermutlich verstärkt Mercedes-Teile genutzt werden, um das Image zu verbessern.

Chrysler soll 2002 wieder Gewinne machen

Nach den Angaben aus den Kreisen dürfte Chrysler etwa Mitte 2002 wieder in die Gewinnzone kommen. Dem Aufsichtsrat dürfte auch eine über mehrere Jahre laufende Geschäftsplanung vorgelegt worden sein, die eine genaue Prüfung des Erfolgs des Sanierungsprogramms möglich mache. In Firmenkreisen hieß es, im Vorfeld der Sitzung des Aufsichtsrats seien in den Gremien im Wesentlichen Punkte des Plans diskutiert worden, die bereits durch die Medien bekannt geworden seien.

Der Aufsichtsrat von Daimler-Chrysler beriet bei seinem Treffen in Stuttgart neben den Umstrukturierungsplänen auch die Bilanz für das Jahr 2000. Einzelheiten der Konzepte will Konzernchef Jürgen Schrempp auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am Montag erläutern. Im Jahr 2000 war der operative Gewinn des Konzerns durch die Verluste im US-Geschäft um etwa die Hälfte auf 5,2 Mrd. Euro eingebrochen. Nach Steuern hatte Daimler-Chrysler begünstigt durch einmalige Erträge einen Überschuss von 7,9 Mrd. Euro ausgewiesen. Im laufenden Jahr wird das Konzernergebnis erheblich von den Einmalkosten für die Reformkonzepte belastet. In Firmenkreisen hatte es zuletzt geheißen, im schlimmsten Fall könnte sich nach Steuern ein geringer Verlust ergeben.

Daimler-Chrysler-Aktie gab nach

Im deutschen Aktienhandel gab der Kurs der Daimler-Chrysler - Aktie zunächst nochmals deutlich nach. Am Nachmittag wurde die Aktie für gut 52,50 Euro gehandelt, sie lag damit um 3,9 % im Minus. Das Börsenbarometer Dax lag zur gleichen Zeit um 2,5 % im Minus. Händler sagten, der Markt sei im Vorfeld der Bekanntgabe nervös. Analysten sagten, die große Unbekannte bei allen Plänen des Konzerns sei, wie sich die Automärkte entwickeln würden.

Die Investmentbank UBS Warburg, die ihre Gewinnschätzung für Daimler-Chrysler für 2001 deutlich senkte, äußerte die Einschätzung, dass ein Großteil der Umstrukturierungspläne schon bekannt sei. Daher seien keine überraschenden Beschlüsse mehr zu erwarten. Hans-Joachim König, Fondsmanager bei Union Investment, sagte, nun sei es wichtig, mehr Einzelheiten und die Ziele zu erfahren, die sich der Konzern vorgebe, um den fairen Wert der Aktie schätzen zu können.

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