Sparpotenziale in Milliardenhöhe
Autoindustrie setzt weiter auf E-Business

Die Schlagworte E-Commerce, B2B und B2C mögen noch so manchem Anleger unangenehm in den Ohren klingen. Doch ungeachtet der Internet-Depression der vergangenen Monate kurvt die Automobilbranche mit einem alten Zukunftsthema zurück an das Licht der Öffentlichkeit: E-Business.

bue DÜSSELDORF. Die Autoplattform Covisint, eines der größten Internetprojekte der Welt, das Joint Venture von Daimler-Chrysler, General Motors und Ford, will noch in diesem Jahr an die Börse gehen. VW und BMW bauen ihre eigenen Internetmarktplätze konsequent weiter aus. Die Automobilzulieferer Bosch, Continental INA Wälzlager Schäffler haben im Februar die Handelsplattform "Supply on" erfolgreich ins Netz gebracht und die Reifenhersteller Goodyear, Michelin, Pirelli und Sumitomo wollen noch im April ihr Einkaufsnetzwerk "Rubber-Network" starten.

Im vergangenen Jahr setzte die Automobilindustrie in Deutschland 431 Mrd. DM um und war damit erneut die umsatzstärkste Industriebranche. Elektronische Handelsplattformen entwickeln sich dabei für die Fahrzeugproduzenten zunehmend zu einem wichtigen Instrument zur Kosteneinsparung. Unter dem Titel "E-Business Strategien in der Automobilindustrie - Eine Branche auf dem Weg in die New Economy" veranstaltet das Handelsblatt am heutigen Dienstag und am kommenden Mittwoch in Mainz eine Fachtagung. Experten von Daimler-Chrysler, BMW, General Motors, Fiat, Bosch und Pixelpark geben Auskunft über die Entwicklung und Bedeutung von B2B-Marktplätzen in der Automobilzulieferindustrie und erläutern B2C-Strategien im Bereich Internet-Vertrieb, Kundenbindung und Customer Relationship Management (CRM).

Durch die Autoplattform Covisint können Daimler-Chrysler, General Motors und Ford bei Fahrzeugkomponenten wie Batterien, Starter, Computerchips, Zündkerzen, Reifen und Kabel durchschnittlich 14 % einsparen. Durch weitere Preisabschläge der Zulieferer erwarten die Automobilhersteller in Zukunft Sparpotenziale von bis zu 1 000 Dollar pro Fahrzeug. Bei 10 Millionen Fahrzeugen ergeben sich so Sparpotenziale von 10 Mrd. Dollar.

Spätestens seit der vergangenen Woche scheinen auch die organisatorischen Probleme bei Covisint gelöst zu sein. Der Manager Kevin W. English wurde nach monatelanger Suche am Freitag zum Chef der Automobil-Handelsplattform ernannt. Branchenexperten hatten in den Verzögerungen die schwer einzuschätzenden Anforderungen der Aufgabe in Verbindung mit der anhaltenden Flaute der Internet-Branche in den vergangenen Monaten gesehen."Dies ist erst der Anfang eines Unternehmens, das sehr groß und hoch profitabel sein wird", sagte English vor Journalisten in Detroit. Über die B2B-Plattform soll mittelfristig ein Transaktionsvolumen von 300 Mill. Dollar pro Jahr laufen, teilte Covisint mit.

Der Automobilbauer BMW hat im B2C-Bereich ehrgeizige Ziele. Ab Juli sollen alle Händler innerhalb von 24 Stunden für den vom Kunden am heimischen PC zusammen gestellten Wagen Angebote via Internet verschicken können. Opel will bis spätestens Ende Juli die gesamte Modellpalette von Agila bis Omega zum Verkauf ins Internet stellen. Die Fahrzeuge der General Motors-Tochter sollen zu einem Sonderpreis angeboten werden und ohne die sonst üblichen Lieferzeiten binnen weniger Tage über die örtlichen Händler ausgeliefert werden. General Motors rüstet derzeit seine Fabriken in den USA mit Web-Cams aus. Die per E-Mail benachrichtigten Neuwagenkäufer sollen in Zukunft alle Etappen der Fertigung ihres Autos im Internet beobachten können. Auch Fiat und die Daimler-Tochter Smart bieten ihre Fahrzeuge im Internet an.

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