Sparprodukte überteuert und ineffizient
Britische Versicherer müssen einfachere Produkte anbieten

So weit wollte Ron Sandler dann doch nicht gehen. Auf die Frage eines Journalisten, ob die von ihm beschriebene Praxis der britischen Lebensversicherer die Konsumenten "ausbeute", antwortete der frühere Lloyds-Chairman mit "Nein". Was Sandler aber darüber hinaus sagte, war mehr als ein Seitenhieb auf die britischen Versicherer.

HB/fs LONDON. Sandler präsentierte gestern die Ergebnisse seiner Untersuchung über "mittel- und langfristige Sparprodukte für Privatkunden". Im Juni 2001 hatte ihn die Labour-Regierung dazu beauftragt, nachdem ein früherer Report angedeutet hatte, der Sektor sei intransparent.

Sandlers Urteil fiel eindeutig aus: Die mehr als 800 Milliarden. Pfund schwere Industrie werde stets kostenineffizienter, es herrsche nicht genug Konkurrenz um Kunden, die Unternehmen nähmen teilweise für identische Produkte unterschiedliche Preise und der gesamte Markt sei für Verbraucher kaum einsehbar. Das sei auch ein Grund dafür, warum diese für ihren Lebensabend zu wenig sparen. Nach Ermittlung der Vereinigung der Britischen Versicherer beträgt die Sparlücke im Jahr 28 Milliarden. Pfund; gerade Geringverdiener legen zu wenig an.

Sandler empfahl deshalb mehrere Schritte. Erstens soll die Industrie künftig vereinfachte Kapitalbeteiligungs-("Stakeholder")-Produkte mit geringen Gebühren, weniger Risiko und vereinfachten Ausstiegsbedingungen anbieten. Zweitens sollen die so genannten "With-Profit"-Produkte transparenter werden. Bei dieser Anlage handelt es sich um eine Art Lebensversicherung mit garantierter Mindest-Gewinnbeteiligung. Sie zählt zu den Produkte mit dem größten Wachstum. Drittens soll die Anreizstruktur für Finanzberater künftig garantieren, dass diese wirklich im Sinne der Kunden handeln. Und viertens will Sandler die Versicherten durch geringere Steueranreize stärker auf Preise und Erträge schauen lassen. Auch der Finanzaufsicht FSA schrieb er eine Rüge ins Stammbuch. Sie müsse die Versicherten besser informieren und dafür einen eigenen Bereich bilden.

Der "Sandler Review" kommt zu einer für die Versicherungs- und Pensionsindustrie schwierigen Zeit. Fallende Aktienmärkte, einzelne Versicherungs-Skandale wegen ausbleibender Pensionszahlungen und umstrittene Bilanzierungsregeln setzen der Branche zu. Dazu kommt bei den Unternehmen die Angst vor Überregulierung. Erst kürzlich stellte die FSA neue Regeln für "With-Profit"-Produkte auf. Schon morgen befasst sich der nächste Report mit der Industrie: Die Pickering-Untersuchung des ehemaligen Chairmans der Vereinigung der Pensionsfonds ermittelt dann, wie Konsumenten künftig leichter für ihre Pension sparen können. "Die Reviews kommen zu einer denkbar schlechten Zeit", sagt Ian E. Dilks, der für Versicherungen zuständige Partner von PriceWaterhouseCoopers.

Der Markt wird härter: Auch im Vertrieb erwarten Beobachter durch Sandler mehr Konkurrenz. Banken und Supermärkte können stärker standardisierte Produkte leichter anbieten als früher. Der FTSE-Sektor der Versicherungen sank um mehr als 2 % - auch wenn Gescholtene wie Prudential und Legal&General Unterstützung zusagten. Auch die Regierung hat bereits die Reformvorschläge mit Wohlwollen bedacht. Dilks: "Es wäre sehr überraschend, wenn Sandlers Kernpunkte nicht umgesetzt würden."

Quelle: Handelsblatt

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