Sparwelle und Börsenflaute
Firmen vergeht die Weihnachts-Stimmung

Massenentlassungen, Sparwellen, Börsenflaute, ungewisse Konjunkturaussichten - den Unternehmen ist die Lust auf Weihnachten in diesem Jahr vergangen. Kein fröhliches Gänsebraten-Essen mit Mitarbeitern in Restaurants, statt Wein und Lederkalender nur schlichte Karten für die Geschäftskunden.

HB/dpa FRANKFURT. Das wiederum setzt der ohnehin bereits schwer gebeutelten Gastronomie und den ebenfalls angeschlagenen Werbeartikelanbietern schwer zu. Es wiegt umso schwerer, da in der Adventszeit in beiden Branchen das meiste Geld in den Kassen klingelt.

Über zehn Prozent weniger Umsatz klagen die Restaurantbetreiber am Finanzplatz Frankfurt. Das ganze Jahr über hat die Branche deutschlandweit schon ein Umsatzminus verkraften müssen. In den ersten neun Monaten hat sich der reale Rückgang nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bereits auf 6,3 Prozent hochgeschaukelt. Die Konjunkturflaute und die Teuro-Debatte sorgen für leere Tische. Und jetzt bricht auch noch das Weihnachtsgeschäft zum zweiten Mal in Folge weg. Denn auch schon Ende 2001 gab es bei den Gastwirten Ausfälle von bis zu 20 Prozent.

"Die Adventszeit macht bei uns üblicherweise 40 bis 50 Prozent des Bewirtungsgeschäfts aus", sagt der stellvertretende Geschäftsführer vom Frankfurter Hotel Holiday Inn, Oliver Stahmer. Früher als sonst sei bei den Unternehmen geworben worden. Doch selbst neue Spezialangebote änderten nichts an der ablehnenden Haltung: "Kein Geld, wir müssen sparen, wir haben nichts zu feiern, die Zukunft ist ungewiss."

So verzichtet der Autobauer Opel wie im vergangenen Jahr auf jede Besinnlichkeit. Die Firmen, die überhaupt noch feiern, kürzen das Pro-Kopf-Budget oder kommen mit weniger Leuten. Statt Champagner perlt Sekt in den Gläsern, statt einem opulentem Mehr-Gänge-Menü tut es auch ein schlichtes Büffet.

Auch die Direktorin vom Frankfurter Queens Hotel, Sabine Kühn, hat die Hoffnung auf ein lukratives Vorweihnachtsgeschäft endgültig begraben. "Ich hatte gedacht, dass nach dem Motto "jetzt erst recht' und nach einem Jahr eisernem Sparen jetzt die Feiern stattfinden." Doch selbst die eigens angebotenen "Christmas-Office-Partys", bei denen mehrere kleine Firmen zusammen kostengünstig anstoßen können, rufen nur mäßiges Interesse hervor.

Schleppend läuft auch bei den Anbietern von Werbeartikeln das diesjährige Weihnachtsgeschäft. Wenn Unternehmen wie Altana, das sich von einem Rekordjahr zum nächsten schwingt, oder aber die geschwächte Commerzbank nur Karten an Geschäftskunden versenden, passt das in die allgemeine Flaute der Anbieter von Präsenten. Einen Umsatzrückgang von bis zu acht Prozent auf 2,9 Milliarden Euro befürchtet der Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft (GWW).

"Wir machen in der Adventszeit normalerweise fast ein Drittel des Geschäfts", erläutert GWW-Vorsitzender Hans-Joachim Evers. 5000 Firmen mit 60 000 Mitarbeitern hängen von der Neigung der Unternehmen zu netten Gesten ab. Die Pleite von Hach aus dem hessischen Groß- Bieberau sei allerdings nur ein Einzelfall, weitere Insolvenzen seien nicht zu erwarten.

Der Blues der meisten Präsente-Versender über das zögerliche Anlaufen des Weihnachtsgeschäft hält sich aber in Grenzen. Die meisten seien "noch zufrieden", weiß Evers. Denn im nächsten Jahr lauert eine viel größere Gefahr: Die Bundesregierung plant, die steuerliche Absetzbarkeit der Werbegeschenke einzuschränken. Künftig sollen Unternehmen die Gaben nur noch dann als Betriebsausgaben abziehen können, wenn der Empfänger sie nicht privat nutzt. Derzeit gilt eine Obergrenze von 40 Euro, auch wenn die Weinflasche im Freundeskreis geköpft wird.

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