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Sparzwang bei Weihnachtsfeiern zu merken

Die schlechte Konjunktur schlägt auch auf die Weihnachtsfeiern in Betrieben, Behörden und Verbänden zurück. Wo früher opulente Menüs für die Beschäftigten aufgetischt wurden, geht es in diesem Jahr meist sparsamer zu, wie eine dpa-Umfrage in Hessen ergab.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die schlechte Konjunktur schlägt auch auf die Weihnachtsfeiern in Betrieben, Behörden und Verbänden zurück. Wo früher opulente Menüs für die Beschäftigten aufgetischt wurden, geht es in diesem Jahr meist sparsamer zu, wie eine dpa-Umfrage in Hessen ergab.

Manche Firmen haben gar das mehr oder weniger traute Beisammensein der Belegschaft vor dem Fest ganz gestrichen, andere lassen die Mitarbeiter selber zahlen.

Die Unternehmen in Frankfurt und Umgebung sind nach Einschätzung der Gastronomie in diesem Jahr bei den Weihnachtsfeiern weniger spendabel. "Die meisten Betriebe haben ihre Ausgaben gekürzt. Wenn überhaupt, dann wird mit niedrigerem Budget gefeiert", sagt Gastronom Dirk Körner. In seinem Landgasthof "Rosisten 1" seien weniger Buchungen eingegangen. "Und es stockt bei allem, was über 30 Euro pro Person liegt." Rinderfilet und Riesengarnelen seien auf dem Buffett nur noch selten zu finden.

Ein Essen in stilvollem Ambiente wie in dem ebenfalls von Körner geführten Lokal "21. Jahrhundert" - für 80 bis 100 Euro pro Gast - gönnten sich nur wenige Unternehmen. "Die meisten sind aus der Automobilbranche, außerdem Wirtschaftsprüfer und Banken", sagte der Gastronom.

Bei der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung wird der Haushaltsposten für die Weihnachtsfeier seit Jahren gekürzt. "Das wird immer weiter heruntergefahren, unsere Feier ist sehr bescheiden", heißt es bei dem Verband. Gefeiert und gegessen werde in den Räumen der Lebenshilfe in Marburg, und das Programm - etwa Musik oder Theater - werde von den eigenen Mitarbeitern gestaltet.

Beim Darmstädter Chemie-Unternehmen Merck bleibt die Weihnachtsfeier traditionell den einzelnen Abteilungen überlassen, wie ein Sprecher berichtete. Wie, wann oder ob sie überhaupt feiern, ist der Konzernleitung egal und einen Zuschuss gibt es auch nicht.

In der Kasseler Zentrale des Öl- und Gas-Unternehmens Wintershall feiert auch jede Abteilung für sich Weihnachten, so wie sie will und ohne finanzielle Unterstützung der Firma. Kurz vor Weihnachten organisiert Wintershall in diesem Jahr aber noch ein Mitarbeiterfest für alle: auswärts an einem noch geheimen Ort mit noch geheimen Programm. Das Fest gab es zuletzt 2002 im Sommer.

Das Veranstaltungshaus "Centralstation" in Darmstadt verspürt seit zwei Jahren einen deutlichen Rückgang bei Weihnachtsfeiern. Die Zahl habe sich um mehr als die Hälfte reduziert, sagte Otmar Kraft. "Wir haben zwar etliche Anfragen, aber meist werden die Angebote nicht wahrgenommen, weil die Feier ganz flach fällt oder eine günstigere Alternative gefunden wurde."

Immer mehr Firmen lösten sich auch von der Weihnachtstradition und organisierten ihre Feste im Januar oder im Sommer. Zwar gebe es noch immer die klassische Anfrage mit Bankett, Live-Musik und Tanz, doch oft werde auch "mal etwas anderes" verlangt, sagte Kraft. "So haben wir für eine Firma Kennenlern-Spiele organisiert. Sie mussten als Formel-1-Team gemeinsam Reifen wechseln, Auftanken und all so was."

Die 150 Mitarbeiter des hessischen Landtages in Wiesbaden feiern trotz knapper Kassen und des Sparpakets in Hessen Weihnachten wie in den vergangenen Jahren. Es gibt ein gemeinsames Weihnachtsessen im Landtagsrestaurant und eine besinnliche Rede des Landtagspräsidenten Norbert Kartmann. Die Feier wird aus Beiträgen der Mitarbeiter finanziert: Jeder zahlt 10 Euro pro Jahr, außerdem gibt es Mitarbeiterspenden zu besonderen Anlässen wie Beförderung, Hochzeit oder runder Geburtstag. Der Arbeitgeber darf nichts dazu geben - schließlich geht es um Steuergelder.

Der Hotel- und Gaststättenverband in Kassel berichtete von einem guten Weihnachtsgeschäft, für Weihnachtsfeiern gebe es viele Buchungen von Firmen. Das laufe ganz gut, sagte ein Sprecher. Auch beim Kali- und Düngemittelherstellers K+S AG in Kassel bleibt alles wie gewohnt: Nach der Betriebsversammlung kurz vor Weihnachten wird im Betriebsrestaurant im eigenen Haus mit kleinem Programm gefeiert.

Das Maritim Hotel Fulda zählt zwar nicht weniger Weihnachtsfeiern als früher, die Unternehmen achteten aber stärker auf das Geld. "Seit etwa drei Jahren geht der Trend zu größerem Preisbewusstsein", sagte Geschäftsführer Sandro Schmidt. "Außerdem wird viel kurzfristiger gebucht." Immer beliebter werden lockere Runden mit kleinen Tischen, an denen sich jeder selbst seinen Platz sucht. Gerne buchen die Unternehmen auch eine Bierlaunch mit Stehtischen. "Da kann man viel ungezwungener ins Gespräch kommen", meinte Schmidt.

Auf den Tisch kommt bei den Weihnachtsfeiern noch immer häufig die klassische Gans oder Ente. "Allerdings mögen die Leute heute lieber leichteres Essen mit weniger fett", sagte Renate Tünsmeyer, Chefin

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