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Spaß am Debakel

Mit Put-Optionsscheinen können Anleger von fallenden Kursen profitieren. Die Papiere eignen sich auch zur Absicherung des Depots. Das ist allerdings aufwendig.

Vorab eine Warnung: Die Käufer von Verkaufs-Optionsscheinen (Puts) leben gefährlich. Jedenfalls dann, wenn sie ihre Freude über fallende Kurse im Beisein von frustrierten Aktienbesitzern zum Ausdruck bringen. Ein blaues Auge könnte die Folge sein.

Dies dürfte allerdings nicht der Grund sein, warum diese Wertpapiere in Deutschland eher ein Nischendasein fristen: Der Marktanteil von Puts liegt ungefähr nur bei 15 %. "Anleger setzen viel lieber mit Calls auf steigende Notierungen", sagt Dieter Lendle, Chef der Stuttgarter Optionsscheinbörse Euwax. Doch in den letzten Monaten zog die Nachfrage, bedingt durch die anhaltende Aktien-Baisse, an. Ein Trend, der sich fortsetzen könnte. Denn eine baldige Erholung der Aktienkurse ist vor allem wegen der Rezessionsangst in den USA kaum wahrscheinlich. So rechnet etwa Credit Suisse First Boston damit, dass am Neuen Markt erst bei 1 600 Punkten (aktuell: 2 100) ein Boden zu finden ist.

Wer diesen Pessimismus teilt, kann mit Putoptionsscheinen auf fallende Kurse spekulieren oder das eigene Depot absichern. Im Prinzip funktionieren diese Papiere genauso wie Calls, nur in die umgekehrte Richtung: Sinkt der Wert des zu Grunde liegenden Basiswertes, steigt der Wert des Puts - in der Regel überproportional. Die Grafik zeigt dies anhand eines Scheins auf die amerikanische Technologiebörse Nasdaq. Wer das Goldman-Sachs-Papier Mitte Dezember erwarb, konnte im vergangenen Jahr wegen der schwächelnden Aktienkurse seinen Einsatz zeitweise verdoppeln. Als sich die High-Tech-Titel bedingt durch die Leitzinssenkung wieder erholten, schmolz der Gewinn zusammen. Erst Ende Januar ging es mit der Nasdaq zur Freude der Put-Besitzer wieder abwärts.

Wer jetzt noch auf Put-Scheine setzen will, muss sich allerdings sehr intensiv mit einem anderen Faktor auseinandersetzen, der den Wert des Preises bestimmt: der Volatilität (die Schwankungen). Je höher sie ist, umso teurer ist ein Schein. Zwar zeigt der VDax derzeit noch keine alten Rekordstände, jedoch zog das Barometer für die Schwankungsbreite von Daxwerten jüngst wieder an. Bei Technologiewerten ist die Volatilität bedingt durch die jüngsten Verwerfungen bereits sehr hoch. Put-Käufer müssen daher hier schon auf einen weiteren deutlichen Kursrückgang hoffen, um mit Puts Geld zu verdienen. "Wer aber im Nemax beispielsweise nur einen Rückgang von drei bis vier Prozent erwartet, sollte sich lieber nach einem anderen Anlageinstrument umsehen", sagt Thorsten Michalik, Optionsscheinspezialist der Deutschen Bank. Er empfiehlt in diesem Zusammenhang Discount-Zertifikate, mit denen der Anleger Aktien mit einem Rabatt erwerben kann und so gegen begrenzte Kursrückgänge geschützt ist. Um das Volatilitätsrisiko zu vermeiden, können Anleger auch auf Put-Scheine setzen, die bereits "im Geld" notieren, was bedeutet, dass der Aktienkurs den Basispreis des Optionsscheins bereits unterschritten hat. Diese Papiere lässt ein Rückgang der Volatilität ziemlich kalt, sie entwickeln allerdings nicht die gleiche Dynamik wie Puts, die noch ein gutes Stück aus dem Geld liegen.

Doch oft haben Anleger ohnehin nicht die Wahl zwischen verschiedenen Put-Varianten. Bislang ist das Angebot klein, was auch an der eher verhaltenen Nachfrage liegt. "Außerdem scheuen sich die Banken, Put-Scheine auf eine Gesellschaft auszugeben, mit der das eigene Haus Geschäfte macht", erläutert Euwax-Chef Lendle.

Wer auf fallende Kurse setzen oder sein Depot mit Puts gegen Kursverluste versichern will, kann daher vor allem bei kleineren Werten auf Schwierigkeiten treffen, einen entsprechenden Schein zu finden. Größer ist die Auswahl der Puts auf Indizes, die sich zudem für den Privatanleger besser eignen, um eine ganze Reihe von Werten abzusichern. "Bei mehreren Werten aus einem Index macht es mehr Sinn, einen Index-Put zu kaufen", sagt Optionsscheinexperte Michalik. "Wer jeden Wert einzeln hedgen will, verliert schnell den Überblick."

Anleger sollten ohnehin von der Vorstellung Abschied nehmen, das Depot mit Optionsscheinen rundum abzusichern, denn dies ist zu aufwendig und zu teuer. Grund dafür sind die sich ständig ändernden Parameter. Beispiel Delta: Diese Kennzahl gibt an, wie stark der Schein auf Kursveränderungen der Aktie reagiert. Je höher das Delta, desto weniger Scheine sind nötig. Bei Scheinen auf einen Index muss auch das Beta berücksichtigt werden; diese Zahl gibt an, wie stark sich das Depot gegenüber dem Index bewegt. Delta und Beta schwanken aber im Zeitablauf. Folglich müsste die Anzahl der Scheine ständig angeglichen werden. Die Kauf- und Verkaufsgebühren dürften dabei allein die Banken glücklich machen. Eine teilweise Absicherung ist jedoch mit Put-Optionsscheinen durchaus zu realisieren. Bei der genauen Auswahl der Scheine sollte ein Anlageberater helfen. Als alternative Absicherungsform für einen Einzelwert können Anleger auch zur "Cash Extraction" greifen. Die Idee dabei: Die Aktien werden verkauft und das Geld dann zum größten Teil in sicheren Anlageformen angelegt. Der Rest wandert in Call-Optionsscheine auf eben diese Aktie. Sie sind sozusagen die Versicherung, wenn die Aktie doch steigt. Durch ihre Hebelwirkung kompensieren die Papiere bei richtiger Absicherung dann den entgangenen Kursgewinn. Fallen die Aktien aber, hat der Verkauf der Aktien den Anleger vor Verlusten bewahrt. Den Wertverlust der erworbenen Optionsscheine muss er dabei hinnehmen, die Position ist dafür in beide Richtungen gut abgesichert.

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