SPD-Attacken gegen Merkel
Das gefrorene Lächeln

Seitdem sich die Sozialdemokraten auf dem Hamburger Parteitag wieder zusammengerauft haben, sticheln sie kräftig in Richtung Angela Merkel. Sie ist gerade in Indien unterwegs und muss die Attacken still ertragen. Denn Merkel muss vier Tage nur Kanzlerin sein, darf nicht CDU-Chefin spielen.

NEU-DELHI. Den ganzen Tag hat Angela Merkel nur Erfreuliches erlebt. Die Sonne scheint in Neu-Delhi, und die Gastgeber überschlagen sich in Gunstbeweisen gegenüber der Kanzlerin. Einen "Weltstaatsmann" oder besser eine "Weltstaatsfrau" nennt der indische Premier Manmohan Singh sie, eine "große Freundin Indiens". "Die mächtigste Frau der Welt" wird sie später vorgestellt - selten ist die Kanzlerin auf ihren Reisen derart umworben worden.

Die Harmonie in Neu-Delhi stört eigentlich nur von ferne - die SPD. Denn seitdem sich der Koalitionspartner auf dem Hamburger Parteitag wieder zusammengerauft hat, sticheln erleichterte Sozialdemokraten kräftig Richtung Kanzlerin. Sie müsse dafür sorgen, dass es keine "Provokationen" aus der Union Richtung SPD mehr gebe, warnte Parteichef Kurt Beck mit neuem Selbstbewusstsein. Reihenweise wiederholen Sozialdemokraten nun die alte Klage über mangelnde Führung durch die Kanzlerin. Der Vorwurf macht in Berlin doppelt Spaß, gerade weil Merkel Tausende Kilometer weiter östlich weilt.

Denn Merkel muss vier Tage nur Kanzlerin sein, darf nicht CDU-Chefin spielen. So gefriert ihr Lächeln, als sie auf der Terrasse des Taj-Mahal-Hotels in Neu-Delhi vor laufenden Kameras ihre Gespräche mit den indischen Charmeuren zusammenfasst. Denn plötzlich kommt die Frage nach den SPD-Attacken. Merkel stutzt kurz, dann bilden sich ärgerliche Falten auf ihrer Stirn. "Sie wissen doch, es gehört zur guten Kultur, im Ausland dazu nichts zu sagen", sagt sie als Kanzlerin in die Kameras. Und schweigt. Der mitgereiste CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer muss diese Rücksicht nicht nehmen. "Die SPD spielt mit dem Feuer", warnt er.

Hinter den Kulissen hat die Kanzlerin bereits am Montagabend gleich nach der Ankunft in Indien in Berlin angerufen, um sich über die Lage zu informieren. "Was ist da los?" wollte sie wissen. Denn eigentlich hatte Merkel der SPD signalisiert, dass auch sie schnell eine Einigung über die Verlängerung des Arbeitslosengeld-Bezugs für Ältere möchte. Die nächste Koalitionsrunde am 4. November ist längst anberaumt. Und nun das. Wieder feilen ihre politischen Gegner an dem Bild, sie stehle sich mit Auslandsreisen vor innenpolitischen Problemen davon.

Daher genießt sie die indischen Lobeshymnen dann doch, auch wenn sie sie generös auf "Deutschland insgesamt" bezieht. Nach der Pressekonferenz mit Singh aber fügt sie sibyllinisch hinzu: "Im Übrigen schöpfe ich daraus Kraft, weitere politische Probleme zu lösen - wo immer sie auch auftauchen ..." Und Berlin wirkt in der abendlichen Wärme Indiens plötzlich ganz nah.

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