SPD-Chef Kurt Beck
Der Steuermann auf dem Beifahrersitz

Kurt Beck auf Sommerreise: Für vier Tage besucht der SPD-Chef Hamburg, Niedersachsen und Hessen, wo im Frühjahr neue Landtage gewählt werden. Die Reise soll eine Art Neuanfang markieren. Wie Beck gegen "Illusionisten" von links und Zweifler in den eigenen Reihen ankämpft.

HAMBURG. Viel tiefer geht es eigentlich nicht. Kurt Beck hat die Lehrwerkstatt, die Laserhalle und die Lastkrähne der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss besichtigt. Nun steht er auf dem Boden des gewaltigen Trockendocks, und über ihm wölbt sich der rote Monsterbauch der "Cap Roca". Verschwindend klein wirkt der Mann im grauen Nadelstreifenanzug volle 25 Meter unter dem Containerdeck des Ozeanriesen.

Doch selbst hier unten dauert es nicht lange, bis den SPD-Chef die ersten Mikrofone bedrängen. "Warum machen Sie diesen Firmenbesuch?" möchte eine Reporterin wissen. "Wie kommt die SPD aus ihrer Misere?" hakt eine andere nach. Und: "Was ist mit der Kanzlerkandidatur?" Der Pfälzer demonstriert Gelassenheit: Er komme, weil er den "Kontakt zu den Leuten" und "neue Erfahrungen" suche. Die Lage seiner Partei sei keineswegs ausweglos. Und in der Kandidatenfrage bleibe er bei seiner Linie, "zur rechten Zeit eine Entscheidung bekanntzugeben".

Drei Wochen lang war Kurt Beck in Urlaub. Er ist an der Mosel Rad gefahren und hat Abstand gehalten zum aufgeregten Berliner Politikbetrieb. Die viertägige Sommerreise nach Hamburg, Niedersachsen und Hessen, wo im Frühjahr neue Landtage gewählt werden, soll eine Art Neuanfang markieren. "Ich tue das, was ich für richtig halte: klaren Kurs halten", verkündet Beck trotzig. Und der Hamburger Spitzenkandidat Michael Naumann verweist als leidenschaftlicher Segler auf die Gesetze der Gezeiten. Soll heißen: Nach der medialen Ebbe kommt die Flut.

Doch davon ist bislang wenig zu spüren. Bei Umfragen dümpelt die SPD weiter unter der 30-Prozent-Marke, und der "Spiegel" stichelt pünktlich zu Becks Ferienende gegen die "Drift ohne Führung" bei den Genossen. Beck will sich nicht anmerken lassen, wie ihn die öffentliche Dauerkritik trifft. "Das berührt mich nicht mehr", behauptet er. Doch hinter der professionellen Fassade des sonst so geselligen Ministerpräsidenten spürt man die Anspannung. "Entschuldigung, das habe ich nun x-mal gesagt", bricht es bei der Frage zu möglichen Koalitionen mit der Linkspartei aus ihm heraus. Er wolle sich nicht immer wiederholen: "Bitte um Verständnis!" Als er das Werkstück eines Lehrlings begutachtet, behält der gelernte Elektromechaniker die lauernden Kameras stets im Blick. Eilig säubert er seine verschmutzten Finger mit seinem Taschentuch.

Auch bei politischen Äußerungen scheint Beck inzwischen simultan zu kontrollieren, ob die Formulierung hinlänglich unangreifbar ausfällt. Er lobt die "Geschlossenheit" der Partei und dass man "vorangekommen" sei im Verhältnis zu den Gewerkschaften. "Lasst euch nicht einschüchtern", ruft er beim Straßenfest den Genossen in Hannover zu. Die SPD kämpfe "für eine gerechte Politik, die den Menschen Arbeit gibt und ökologisch verantwortlich handelt".

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