SPD-Chef Kurt Beck zwischen K- und P-Frage
Einmal Eintracht im Café Einstein

Seit Tagen hatte das politische Berlin auf die Veröffentlichung gewartet: ein Harmonie-Foto von SPD-Chef Kurt Beck und seinem Stellvertreter Frank-Walter Steinmeier im Garten eines Cafés. Die Botschaft ist klar: Kein Blatt Papier passt zwischen die beiden Genossen. Ob Becks Inszenierung wirklich eine kluge Idee war, bezweifeln manche Strippenzieher.

BERLIN. Ein Latte Macchiato. Ein Espresso. Eine rote Aktenmappe auf dem Tisch. Efeu im Hintergrund. Wie ein euphorischer Aufbruch wirkt die Szene nicht. Aber darum geht es auch gar nicht. Wichtig ist, dass es das Bild nach zwei Wochen endlich an die Öffentlichkeit geschafft hat - ein gemeinsames Foto von SPD-Chef Kurt Beck und seinem Stellvertreter Frank Steinmeier-Walter im Garten eines Berliner Cafés. Die Botschaft ist klar: Kein Blatt Papier passt zwischen die beiden Genossen. Und auch die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur wird das Dream-Team nicht entzweien.

Dass eine Absicht hinter der Aufnahme im aktuellen "Spiegel" steckt, bezweifelt im Regierungsviertel niemand. Schließlich hatten sich Beck und Steinmeier am Nachmittag des 28. April, zwischen den Gremiensitzungen ihrer Partei und dem abendlichen Koalitionstreffen, ausgerechnet im Café Einstein verabredet. Zwar wählten sie nicht die populäre Filiale am Boulevard Unter den Linden, deren Besuch einem Auftritt beim benachbarten ZDF-Morgenmagazin gleichgekommen wäre. Doch das bei Bohemiens und Journalisten beliebte Stammhaus der Kaffeedynastie in der Kurfürstenstraße garantierte ihnen eine subtile Form der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Seit Tagen war daher in Berlin auf die Veröffentlichung des Harmonie-Bildes gewartet worden. Ob seine Inszenierung wirklich eine kluge Idee war, bezweifeln trotzdem manche Strippenzieher. Nicht nur erinnert die Szene fatal an den Auftritt von Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine an der Saarschleife im August 1997 - der bekanntlich der Auftakt einer wundersamen Freundschaft war. Vor allem hat Beck durch seinen Schlingerkurs in der Steuerpolitik gerade selbst den Eindruck einer besseren Abstimmung mit den übrigen SPD-Spitzenleuten konterkariert.

Der jüngste Fehltritt des Parteichefs hat die Unruhe in der Bundestagsfraktion gesteigert. Dazu passen die jüngsten Ergebnisse des ZDF-Politbarometers: Steinmeier mit plus 1,7 Punkten auf Platz zwei der wichtigsten Politiker und Beck mit minus 0,4 auf dem vorvorletzten Rang. Nicht zufällig wurde in der vergangenen Woche von einem prominenten SPD-Abgeordneten aus Niedersachsen lanciert, Beck habe intern bereits zugunsten von Steinmeier auf die Kanzlerkandidatur verzichtet. Die Meldung ist falsch. Doch sie demonstriert die gewaltige Unzufriedenheit in der Partei.

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