SPD für Klärung
Umfrage: Rau soll nochmal antreten

Bundespräsident Johannes Rau soll nach dem Willen einer knappen Mehrheit der Deutschen nächstes Jahr für eine zweite Amtsperiode antreten. 53 % seien dafür und 43 % dagegen, ergab eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der Zeitung "Welt am Sonntag" (1050 Befragte/13. bis 15. Mai). Aus den Reihen von Rot- Grün wuchs unterdessen der Druck auf das Staatsoberhaupt, sich zu seinen Ambitionen zu äußern.

HB/dpa BERLIN. Nach der Verfassung kann ein Bundespräsident einmal wiedergewählt werden. Union und FDP hätten aber nach derzeitigem Stand eine knappe Mehrheit in der Bundesversammlung, die den Präsidenten im Mai 2004 wählt. Die Mehrheitsverhältnisse können sich nach der Wahl zur Bremer Bürgerschaft und zum bayerischen Landtag noch ändern. Der aus der SPD stammende Rau hat bisher nicht erklärt, ob er noch einmal antritt. Es wird damit gerechnet, dass er dies im Lauf der nächsten Monate tut.

Im Osten genießt der Bundespräsident laut Infratest-Umfrage höheres Ansehen als im Westen. Dort wollen 62 % der Befragten, dass Rau erneut kandidiert (34 % dagegen), in den westlichen Ländern 51 % (45 % dagegen). Besonderer Beliebtheit erfreut sich der 72-jährige Amtsinhaber bei jungen Menschen. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sprachen sich 66 % für seine Kandidatur aus, 30 % nicht. Bei den über 60-Jährigen waren nur 48 % für eine zweite Amtszeit, 49 % dagegen.

Fragt man nach Parteipräferenzen, erhält Rau sogar bei Unions- Anhängern eine knappe Mehrheit: 50 % sprachen sich für eine zweite Kandidatur aus, 48 % waren dagegen. Von den SPD - Anhängern waren 60 % für eine weitere Amtszeit, 35 % nicht. Anhänger der Grünen votierten mit 64 % für eine zweite Bewerbung Raus, 33 % dagegen. Nur bei Anhängern der FDP sagte eine Mehrheit (54 %), Rau solle nicht ein zweites Mal kandidieren, 43 % sprachen sich dafür aus.

Der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Michael Müller, forderte Rau auf, "Klarheit zu schaffen, ob er nochmals kandidieren will". Der Bundespräsident habe "sein Amt sehr gut ausgefüllt, vor allem in der Zeit, als wir rechtsradikale Anschläge hatten". Der stellvertretende NRW-Regierungschef Michael Vesper (Grüne) sagte: "Rau macht seine Arbeit gerade in den letzten Monaten hervorragend. Ein Unternehmen mit einem so erfolgreichen Mann an der Spitze würde dessen Vertrag unter allen Umständen verlängern."

"Tatkräftige Unterstützung" für Rau forderte die Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Cornelie Sonntag-Wolgast. Die SPD - Politikerin betonte: "Wenn Rau seine Bereitschaft erklärt, heißt das aber auch, dass er das Risiko unsicherer Mehrheiten in der Bundesversammlung eingehen sollte."

Zurückhaltend zur Präsidentenfrage äußerte sich die FDP. Ihr Bundes-Vize Rainer Brüderle betonte, die Liberalen wären "klug beraten", sich "zunächst anzusehen, wer der Kandidat der Union sein wird, und abzuwarten, bis Johannes Rau erklärt hat, ob er wieder kandidiert".

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