SPD-General in spe
Gewiefter Parteistratege

Bislang ist Olaf Scholz auf Bundesebene kaum aufgefallen. Das dürfte sich aber bald ändern - zumindest, wenn man die Blitzkarriere des Hamburger SPD-Chefs in seiner Heimat als Maßstab nimmt.

dpa HAMBURG. Mit Olaf Scholz, dem SPD-Generalsekretär in spe, holt sich Bundeskanzler und Parteichef Gerhard Schröder einen gewieften und kühl kalkulierenden Parteistrategen an die Seite. Der Hamburger Landeschef hat nach dem SPD-Machtverlust an der Elbe vor einem Jahr seine Führungsqualitäten bewiesen und konsequent die Modernisierung der betagten Tante SPD erfolgreich vorangetrieben. Trotz Grummelns alter Genossen über Scholz' "napoleonisches Gehabe" ist der 44-Jährige jetzt die unangefochtene Nummer eins bei den Hamburger Sozialdemokraten.

Scholz hat immer wieder Seelenverwandtschaft zum Kanzler gezeigt. Er verweist gern auf seine Herkunft aus kleinen Verhältnissen. Wie Schröder begann seine politische Karriere bei den Jusos. Im Laufe der Zeit wandelte sich der Linke zum Pragmatiker, der nach eigenem Bekunden aber immer eine "feste Grundposition" hat.

In seiner kurzen Bundestagszeit (1998-2000) fiel Scholz - immerhin Fraktionsvize - nach außen wenig auf, intern galt er als Experte für sein Arbeitsgebiet Rentenreform. Im Hintergrund strickte er systematisch an seinem Kontaktnetz in Berlin. Vor zwei Jahren nannte der Kanzler Scholz in kleinem Kreis als einen der Hoffnungsträger für seine Nachfolge. Von Hamburg aus nutzte der SPD-Landeschef seine Mitgliedschaft im Präsidium und Wahlkampfbesuche in der Kampa, um seine Beziehungen zu Schröder und Co. zu vertiefen.

Scholz gilt als Macher, der vor Ehrgeiz brennt. Schon in seiner Schulzeit war der gebürtige Osnabrücker, der seit seinem dritten Lebensjahr in Hamburg-Altona lebt, Klassenbester; sein Abitur baute er mit Note 1,6. Mit unermüdlichem Arbeitseifer, hoher Intelligenz und schneller Auffassungsgabe machte er sich als Anwalt für Arbeitsrecht selbstständig. 1998 wurde Scholz in den Bundestag gewählt, eineinhalb Jahre später zum SPD-Chef in Hamburg.

Seine Managerqualitäten konnte er bereits ein Jahr später beweisen. Als seiner Partei in Hamburg wegen der Vernachlässigung des Themas Innere Sicherheit der Absturz drohte, kehrte er drei Monate vor der Bürgerschaftswahl von der Spree an die Elbe zurück. Als Innensenator gab er den Law-and-Order- Mann im Versuch, dem aufstrebenden Amtsrichter Ronald Schill den Wind aus den Segeln zu nehmen. Scholz' Motto: "Ich bin liberal, aber nicht doof".

Er konnte zwar den Machtverlust der SPD nicht verhindern, doch bewahrte er sie vor einer Katastrophe. Anschließend schnitt er rigoros alte Zöpfe an. Sein Plan, eine junge Führungsmannschaft für die anvisierte Rückeroberung der Rathaus-Macht aufzubauen, ist schon weit gediehen. Nach Berlin folgt ihm so der Ruf eines durchsetzungsfähigen innerparteilichen Zuchtmeisters.

Scholz hat häufig ein ähnliches Gespür wie der Kanzler für Themen an den Tag gelegt, die Medien und Öffentlichkeit interessieren. Nicht zuletzt in Diskussionen mit Schill, den andere SPD-Politiker scheuten wie der Teufel das Weihwasser, zeigte sich sein Spaß am Streit ohne Scheuklappen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%