SPD-Parteitag
„Der Kurt war zumindest authentisch“

Frank Steinmeier-Walter und Ulla Schmidt tauschen auf dem Podium Zettelchen aus. Brigitte Zypries liest Akten. Die ersten Delegierten klappen die mitgebrachte Tageszeitung auf. Es redet: Der Parteivorsitzende. Vom SPD-Parteitag berichtet Karl Doemens .

HAMBURG. Seit einer halben Stunde steht Kurt Beck an dem modischen Plexiglas-Rednerpult vor fast 7 000 Zuhörern im Hamburger Congress Center. Doch weder eine rote Linie noch eine klare Botschaft will sich im Vortrag des Pfälzers einstellen.

Langatmig hat er die Ehrengäste und die Verdi-Demonstranten begrüßt, die draußen für den Mindestlohn protestieren Er spricht vom Klimaschutz, vom sozialen Europa und schlägt auf die Junge Union ein, die wolle, "dass die Alten schneller die Löffel abgeben". Da wird zum ersten Mal kräftig geklatscht. Man weiß nicht, ob sich die Zuhörer Mut machen wollen.

Denn sie haben noch weitere 80 Minuten vor sich. Fast jedes Thema kommt vor, doch viele Sätze der frei gehaltenen Rede enden im Nirwana. Die Kernbotschaft lautet: Die SPD soll wieder "nah bei den Menschen sein".

Beck will die Agenda 2010 nicht niederreissen, aber er will der Klientel das Gefühl geben, dass seine Partei etwas tut gegen die Sorgen vor Jobverlust und sozialem Abstieg. Deshalb will er das Arbeitslosengeld verlängern und nicht zulassen, "dass die Finanzmärkte zur fünften Gewalt werden". Was er da genau tun will, sagt Beck nicht. Erst einmal wird eine Arbeitsgruppe eingesetzt.

Nach einem Seitenhieb gegen die CSU, die "Latex und Lederhosen" zum bayerischen Erkennungszeichen mache, bessert sich die Stimmung im Saal. Vier Minuten applaudieren die Delegierten nach der Rede. "Der Kurt war zumindest authentisch", findet einer. Am Nachmittag wird Beck wahrscheinlich mit mehr als 95 Prozent im Amt bestätigt. Einen Ersatzmann für den Vorsitz hat die SPD nicht.

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