SPD spricht von "Stimmenkauf"
ZDF-Intendantenwahl: Parteienstreit gewinnt an Schärfe

Die scharfe parteipolitische Auseinandersetzung im Vorfeld der ZDF-Intendantenwahl hält unvermindert an. Der Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats, Konrad Kraske (CDU), nannte es am Mittwoch in einer der dpa vorliegenden Mitteilung eine "groteske Ehrabschneidung", ihm persönlich oder Mitgliedern des Unions- Freundeskreises "Stimmenkauf" zu unterstellen.

dpa HAMBURG. Am Vortag hatte die SPD erklärt, in der aus acht Mitgliedern bestehenden Findungskommission, die sechs Kandidaten für die Nachfolge von Dieter Stolte nominierte, sei es zum "offensichtlichen Versuch" gekommen, "eine oder mehrere Stimmen zu kaufen".

Der Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, Klaus Rüter (SPD), verwies darauf, dem SPD-nahen Kommissionsmitglied Andrea Urban sei nach der letzten Sitzung des Gremiums am vergangenen Freitag in Berlin von einem Mitglied des unionsnahen Freundeskreises in einem vertraulichen Gespräch der Posten des Direktors der Europäischen Satellitenprogramme beim ZDF, Gottfried Langenstein, in Aussicht gestellt worden. Der 47-jährige Langenstein wird von den Konservativen als Nachfolger Stoltes favorisiert.

Kraske bestätigte, er habe am Freitag mit Urban gesprochen. "Abwegig und unwahr" sei es jedoch, dass er ihr dabei die Stelle Langensteins im Falle dessen Wahl angeboten habe. In dem auf Wunsch Urbans geführten Gespräch sei es vielmehr um Pressespekulationen gegangen, nach denen Urban angeblich selbst Interesse an der Stelle Langensteins bekundet habe. Entsprechend dem Wunsch Urbans, die Leiterin der Jugendschutzstelle Niedersachsen in Hannover ist, sei er dann diesem Eindruck öffentlich entgegengetreten.

Der 75-jährige Kraske ist seit 1992 Vorsitzender des Fernsehrats. Das 77-köpfige Gremium soll am 6. Dezember den Intendanten wählen. Stolte (67) scheidet nach über 20 Jahren aus dem Amt. Fünf der Bewerber kommen aus dem ZDF. Die einzige externe Kandidatin und Frau, Dagmar Reim, ist Chefin des Landesfunkhauses des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in Hamburg. Sie gilt als Favoritin der SPD. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) hatte im Oktober die Findungskommission wegen "Mauscheleien im Hinterzimmer" kritisiert und mehr Offenheit verlangt.

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