SPD-Steuerkonzept
Becks Bart ist das kleinste Problem

Langweilig ist es selten, wenn Kurt Beck auftritt. Kaum hatte der SPD-Chef am 1. Mai in Mainz vor tausend Zuhörern seinen Bart "für eine Million Euro, für einen guten Zweck" zum Kauf angeboten, da ließ er in einer Fernsehtalkshow eine Bombe platzen - und bringt seine Partei wieder einmal in die Defensive.

BERLIN. Ende des Monats werde die SPD ein eigenes Steuerkonzept "auf den Tisch" legen, kündigte Beck zur Überraschung der SPD-Spitze an. Gestern dann holte der Pfälzer in der "Zeit" zur Medienschelte aus. So blöd seien einige Reporter, dass sie ihn mit dem Grünen Volker Beck verwechselten.

Das ist ziemlich lustig. Zum Lachen ist derzeit trotzdem niemandem in der SPD zumute. "Der Kurt läuft völlig aus dem Ruder", stöhnt ein Mitglied der Fraktionsführung. "Die Lage ist verheerend. So geht das einfach nicht", heißt es im roten Regierungslager. Kaum zufällig meldete gestern der NDR, Beck und Parteivize Frank Steinmeier-Walter hätten sich auf eine Kanzlerkandidatur des Außenministers geeinigt. Das stimmt zwar nicht. Doch gilt es als wahrscheinlich, dass die Nachricht bewusst von niedersächsischen Genossen lanciert wurde, um den Parteichef unter Druck zu setzen.

Pleiten, Pech und Peinlichkeiten. Nach einer kurzen Konsolidierungsphase im April, als Beck immerhin eine ordentliche Bundestagsrede zur Europapolitik hielt und den von Fraktionschef Peter Struck mit Finanzminister Peer Steinbrück entworfenen Bahn-Kompromiss als seinen Erfolg verkaufen durfte, tapst der Mainzer Ministerpräsident nun wieder über das Berliner Parkett wie der sprichwörtliche Elefant durch den Porzellanladen. Vor allem seine jüngsten Steuereskapaden sorgen in Fraktion und Regierung für Entsetzen.

"Beck hat uns ohne Not in die Defensive gebracht", heißt es dort. Unseriös, unbezahlbar und abwegig seien die Steuersenkungsversprechen der CSU, hatte bislang die offizielle SPD-Position geheißen. Auch im Präsidium am Montag wurde sie bekräftigt. Von einem bevorstehenden eigenen Vorstoß zur Entlastung der Leistungsträger habe Beck "kein Wort" gesagt, berichteten dem Handelsblatt mehrere Teilnehmer.

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