SPD-Strippenzieher
Karl Wienand: "Der Mann für heikle Fälle"

Karl Wienand galt schon für die SPD zu Bonner Regierungszeiten Ende der 60er bis Mitte der 70er Jahre als wichtiger Strippenzieher. Der "Mann für heikle Fälle", wie ihn SPD-Fraktionschef Herbert Wehner bezeichnete, bewegte sich in politischen Grauzonen und geriet auch in Verdacht, für die Stasi tätig gewesen zu sein. Bei allen Zweifeln an den Spionage-Vorwürfen ist er gleichwohl in ein schiefes Licht geraten und als rechtskräftig Verurteilter zur Zeit auf Bewährung begnadigt.

dpa BONN. Der 75-jährige Wienand, der in Windeck/Sieg nahe Bonn lebt, war langjähriger Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion (1967 bis 1974) und galt als Vertrauter und rechte Hand von Wehner. Sein Name wurde auch im Zusammenhang mit dem gescheiterten Misstrauensvotum der CDU/CSU im April 1972 gegen SPD-Regierungschef Willy Brandt genannt. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Julius Steiner gab an, er habe für Brandt gestimmt und dafür von Wienand 50 000 DM (25 600 ?) erhalten. Erst 20 Jahre später stellte sich heraus, dass Steiner das Geld von der Stasi zugesteckt worden war.

Als ein "besonders wichtiger Informant" für die DDR wurde Wienand im Juni 1996 nach einem Indizienprozess zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof verwarf eine von Wienand angestrengte Revision. Vom Gang ins Gefängnis blieb Wienand danach aber verschont, da ihn der damalige Bundespräsident Roman Herzog im Frühjahr 1999 begnadigte. Gleichwohl war er weiter für Unternehmen im Rheinland tätig - unter anderem soll er die Viersener Müllfirma Trienekens beraten haben.

Vom Lebensglück war der am 15. Dezember 1926 in Lindenpütz bei Rosbach/Sieg geborene Wienand nicht begünstigt. Im Zweiten Weltkrieg wurde er in Russland schwer verwundet und verlor ein Bein. Aus sowjetischer Gefangenschaft gelang ihm die Flucht. Sein Vater war als Sozialdemokrat und Kommunist mehrfach inhaftierter Nazi-Gegner, der zu Kriegsbeginn starb. Schon 1947 wurde Wienand SPD-Mitglied, und er zog 1953 als 26-Jähriger erstmals in den Bundestag ein, aus dem er sich nach der Steiner-Affäre 1974 zurückzog.

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