SPD und Grüne machen Druck
Scharping kritisiert US-Informationen über Uranmunition

Der SPD-Politiker sagte am Wochenende bei einem Besuch bei deutschen Friedenstruppen auf dem Balkan, er werde sich nicht mit "seitenlangen Informationen aus dem Internet" begnügen, die ihm über mögliche Gefährdungen gegeben worden seien. Unterdessen geriet Scharping aus den eigenen Reihen unter Druck.

ap BERLIN. Der Minister kündigte an, unmittelbar nach Rückkehr in Berlin weitere Schritte zu unternehmen, um Informationen über angebliche Plutoniumspuren an solcher Munition zu erhalten. Ausdrucke aus dem Internet seien nicht der geeignete Weg der Kommunikation zwischen Regierungen. Erste Messungen an Geschossteilen ergaben nach Angaben des Direktors des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit, Herwig Paretzke, eine sehr geringe Strahlung, die für Soldaten keine Gefahr darstelle. Bei den Messungen war auch der bulgarische Verteidigungsminister Boyko Nojew anwesend.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Helmut Wieczorek, will den Minister am Mittwoch im Ausschuss mit neuen Fragen konfrontieren. Der SPD-Politiker bezog sich in der "Berliner Morgenpost" auf Aussagen von im Kosovo eingesetzten Bundeswehrsoldaten, sie seien verspätet oder gar nicht über die Gesundheitsgefahren informiert worden. Wenn dies stimme, "dann reichen freiwillige Untersuchungen und Stichproben nicht mehr aus", erklärte Wieczorek.



Grüne fordern Aufklärung

Der Chef des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, kritisierte in der "Berliner Morgenpost", es sei "definitiv und nachweislich falsch, wenn der Minister jetzt in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt, die 1999 im Kosovo eingesetzten Bundeswehrsoldaten seien frühzeitig und umfassend über die Gefährdungen durch uranhaltige Munition informiert worden". SPD-Verteidigungsexperte Reinhold Robbe erklärte daraufhin, die Äußerungen von Gertz seien "verantwortungslos" und legte ihm den Rücktritt nahe.

Die Grünen forderten "größtmögliche Aufklärung" über die Verwendung und Gefahren von Uranmunition. Scharping wäre gut beraten, wenn er bei Verdachtsmomenten wie "Uran, Krebs, Radar, Krebs nichts ignoriert und nichts bagatellisiert", erklärte der Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Rezzo Schlauch, in der Bremer Zeitung "Kurier am Sonntag". Die Fürsorgepflicht für die Soldaten, Nichtregierungsorganisationen, die Polizei und die Zivilbevölkerung sei ernst zu nehmen.

Nach Angaben von Scharping hat es von 1981 bis 1990 in Deutschland insgesamt neun mögliche Zwischen- oder Verdachtsfälle mit uranhaltiger Munition bei der US-Armee gegeben. Betroffen seien Standorte in Hessen (Fulda und Lampertheim), Bayern (Schweinfurt, Grafenwöhr, Gollhofen, Oberaltertheim und Wildflecken) und Niedersachsen (Garlstedt/Altenwalde). Gertz forderte einen Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Klärung möglicher Vorfälle in Deutschland.

Nach Informationen des Magazins "Focus" waren Berichte über die Umweltgefahren durch Munition mit abgereichertem Uran der Bundeswehr seit 1982 bekannt. Auch in Somalia haben US-Streitkräfte nach einem "Spiegel"-Bericht offenbar Uran-Munition verwendet.



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