SPD will Konzept ändern
Streit über das zweite TV-Duell

Nach dem Fernseh-Duell von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) sind in der SPD Forderungen laut geworden, das Format für die nächste Streit-Sendung zu ändern.

Reuters BERLIN. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye sagte am Montag in Berlin: "Ich denke, dass die kritische Reflexion des Formats durchaus seine Berechtigung hat." Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte, er fordere keine neuen Regeln, wünsche sich aber dennoch mehr Raum für spontane Antworten. Auch die Regierungschefs von Berlin und Rheinland-Pfalz, Klaus Wowereit und Kurt Beck (beide SPD), forderten einen flexibleren Rahmen für das nächste Fernsehduell. Für Schröder gebe es dann eine bessere Möglichkeit zu punkten. Die Union, die einer Veränderung der Regeln zustimmen müsste, lehnte dies ab. Der Wahlkampfberater Stoibers, Michael Spreng, kritisierte, Schröder habe die Regeln bereits beim ersten Duell nicht eingehalten.

Flexiblere Auslegung der Regeln

Schröder sagte: "Ich wünschte mir etwas mehr Möglichkeit, direkt zu intervenieren." Dazu müssten die in wochenlangen Verhandlungen vereinbarten Regeln nicht verändert, sondern nur flexibler ausgelegt werden. Dies sei Aufgabe der Moderatoren des nächsten TV-Duells, das am 8. September von ARD und ZDF gesendet wird. Die Atmosphäre des Duells am Sonntagabend in RTL und SAT1 bezeichnete er als kühl. Auf die Frage von Journalisten, warum er in der Sendung nicht ebenso locker aufgetreten sei wie auf der Pressekonferenz, sagte er: "Mit ihnen kann man ja auch reden. Das war gestern Abend nur begrenzt möglich." Die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) hatte Schröder für das zweite Duell mehr Angriffslust geraten.

"Starres Korsett"

Heye sagte, für das zweite Duell sollte über Veränderungen des Sendekonzepts nachgedacht werden. Entscheiden müssten dies die beiden veranstaltenden Sender. Zum Redestreit vom Sonntagabend bei RTL und Sat.1 sagte Heye: "Das war ein sehr starres Korsett." Vertiefende Nachfragen, die die Positionen der beiden Diskutanten verdeutlicht hätten, seien kaum möglich gewesen. Die journalistische Neugierde werde dazu führen, von diesem Konzept abzugehen.

Von einer Veränderung verspricht sich die SPD offenbar einen Vorteil für Schröder: Schröder sei in freier Diskussion "ungleich stärker", sagte Beck. Durch das Reglement sei aber die Sendung "steril wie in einem Operationsraum" gewesen. "So kann man nicht miteinander diskutieren." Rede und Gegenrede müsse möglich sein.

Merkel: Grund für Änderungen nicht erkennbar

Unions-Kanzlerkandidat Stoiber wich der Frage nach einer Veränderung der Regeln aus: "Das ist nicht mein Thema." Vielmehr gehe es hier um eine administrative Frage, die von den Zuständigen entschieden werden müsse. CDU-Chefin Angela Merkel sagte: "Es ist überhaupt nicht erkennbar, dass Änderungen vorgenommen werden sollten."

Stoibers Berater Spreng lehnte in einem Brief an ZDF und ARD eine Regeländerung nach Wünschen der SPD ab: "Wir werden einem Bruch der Vereinbarungen keinesfalls zustimmen." Sie müssten vielmehr strikter eingehalten werden als beim ersten Duell. Schröder habe die Regeln am Sonntagabend mehrfach verletzt, indem er das Wort an sich gerissen habe, ohne von einem Moderator gefragt worden zu sein.

Der Mainzer Wahlforscher Jürgen Falter sagte im Fernsehsender N24 zu den Forderungen der SPD: "Stoiber wäre sehr schlecht beraten, wenn er sich darauf einließe, denn das ist das Format, wo Stoiber besser abgeschnitten hat."

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