Speaker's Corner
Weckrufe für Dornröschen

Schade eigentlich. Da verfügen wir in Deutschland über zahlreiche Ansätze, den Markt wieder anzukurbeln, Unternehmen zu gründen, Arbeitsplätze zu schaffen, den Standort zu stärken. Doch leider fehlt es immer noch flächendeckend an Mut und Energie, die Chancen auch zu nutzen. Oder?

Am Beispiel der sogenannten "schlafenden Schönheiten" zeigt sich, wie Unternehmertum hierzulande befördert werden könnte.

Es gibt eine schier endlose Anzahl an potentiellen Unternehmen, die als schlafende Schönheiten nur darauf warten, wach geküsst zu werden. Nahezu in jedem größeren Konzern existieren zahlreiche Geschäftseinheiten und Aktivitäten, die bislang wie Dornröschen in den Schubladen vor sich hinschlummern - durch die übermächtige Mutter von der Außenwelt gut abgeschirmt. Und auch im Mittelstand schläft das Wachstumspotenzial tief vor sich hin. Volkswirtschaftlich werden hier Potenziale nicht ausreichend ausgeschöpft, aus denen sich über Jahre ein nachhaltiges Wachstum in Deutschland speisen ließe - würde der Ruf nach Veränderung nur ernst genommen. Alleine die Umstellung auf ein radikal Kunden zentriertes Geschäftsmodell, so eine Faustformel, bringt 20 bis 30 Prozent an Wachstum.

Realität ist: Die Fertigungstiefe in den Unternehmen nimmt immer mehr ab. Zahlreiche Ideen, Konzepte, Technologien und Anwendungen können von den Unternehmen innerhalb ihres Kerngeschäftes nicht verwertet werden. Unter diesen finden sich bei näherem Hinsehen ständig innovative Projekte, die als sogenannte Spin-off´s verselbständigt werden können. Dem Unternehmen bringt das Risiko-Entlastung, das Spin-off gewinnt mehr Marktnähe, neue Kunden und schafft dadurch Arbeitsplätze. Solch innovative Gründungen können entscheidend zu Aufbau und Erhaltung regionaler Wettbewerbsfähigkeit und zu Wandlungs-prozessen der Wirtschaftsstruktur beitragen, so das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) an der Universität Tübingen.

Dass auch Aktionäre an solchen Ausgliederungen ihre helle Freude haben können, zeigt ein phänomenales Beispiel aus den USA. Dort hatte sich der Kurs des AT&T Spin-off´s Lucent innerhalb von drei Jahren versiebenfacht. Aber auch bei uns finden sich bekannte Beispiele, bei denen schlafende Schönheiten geweckt und zur Blüte gebracht wurden. Unternehmen wie Cognis (hervorgegangen aus Henkel), TAKKT (Gehe) oder Infineon (Siemens) haben konsequent auf den raschen Ausbau dynamischer Marken gesetzt, auf ihren Zielmärkten schnell Fahrt aufgenommen, Arbeitsplätze geschaffen und Milliardenwerte gehoben. Ähnliche Effekte erhofft sich auch die Hypovereinsbank durch den Börsengang ihrer gewerblichen Immobilienbank am 6. Oktober.

Immer noch überwiegen bei diesem Vorgehen die Konzerne, die laut einer Untersuchung der VDI-Nachrichten und der Global-Finance-Group in den vergangenen drei Jahren immerhin durchschnittlich drei Töchter verselbständigt haben. Beispiele aus dem Mittelstand sind wesentlich weniger bekannt, wie der Fall der Firma Covertex. Diese ging jetzt aus einer Abspaltung von fünf Mitarbeitern aus der Firma Skyspan hervor und entwickelt mit inzwischen rund 60 Angestellten innovative Lichtsysteme für die farbliche Hülle am Münchner Olympiastadion. An dieser Stelle sei also die These gewagt, dass Deutschland über zahlreiche vergleichbar innovative Mittelständler verfügt, die aber leider den Weckruf - noch - nicht vernommen haben.

Der Vollständigkeit halber sei noch die wachsende Zahl akademischer Spin-off´s erwähnt, hervorgegangen aus Universitäten oder Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer Institut. Legendäres Beispiel ist hier die IDS Scheer AG. 1985 von Professor August-Wilhelm Scheer aus dem Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität des Saarlandes gegründet, beschäftigt der Innovationsführer heute rund 1500 Mitarbeiter und expandiert kräftig weiter.

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