Special: 60 Jahre BRD
Unternehmen Deutschland

Mit der Gründung der Bundesrepublik begann eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Das Grundgesetz schuf dabei den Rahmen für die Soziale Marktwirtschaft, die sich auch in Krisenzeiten bewährt. Ein Rückblick auf 60 Jahre deutsche Wirtschaftsgeschichte.

DÜSSELDORF. Das deutsche Wirtschaftswunder begann, bevor es die Bundesrepublik Deutschland überhaupt gab. Die Währungsreform vom Juni 1948 und die gleichzeitig von Ludwig Erhard eingeleitete Liberalisierungspolitik sind die entscheidenden Marksteine. Mangelwirtschaft und Schwarzmärkte waren schlagartig zu Ende, die D-Mark begann ihren Siegeszug.

Hinzu kam, dass die drei westlichen Alliierten ab 1949 schrittweise ihre Außenhandelsauflagen lockerten. Damit begann der langanhaltende westdeutsche Exportboom, bald zusätzlich angefacht durch den Korea-Krieg. 1955 legte das Bruttoinlandsprodukt um sagenhafte 12,5 Prozent zu – ein Wert, der bis heute nicht wieder erreicht wurde. Die europäische Einigung, die über die Montanunion 1957 zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft führte, brachte Deutschland neue, stabile Absatzmärkte. Noch heute geht der größte Teil des deutschen Exports in die Europäische Union.

Die Schattenseite des rasanten Wachstums: In Deutschland wurden Arbeitskräfte knapp. Deshalb kamen im Dezember 1955 die ersten „Gastarbeiter“ aus Italien, danach folgten viele Türken, vor allem für den Bergbau und die Autoindustrie. Heute ist die deutsche Wirtschaft – angesichts der schrumpfenden Bevölkerung – vor allem auf die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte angewiesen.

Doch wenn die Westdeutschen gedacht hatten, das Wirtschaftswunder würde ewig dauern, sahen sie sich Mitte der 60er-Jahre getäuscht. Genau deshalb schlug die Mini-Rezession von 1966/67 wie eine Bombe ein. Die Große Koalition rief die konzertierte Aktion von Regierung, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden ins Leben. Wirtschaftsminister Karl Schiller setzte auf die Globalsteuerung der Wirtschaft – zunächst mit Erfolg. Es gab wieder starkes Wachstum – bis ein Doppelschlag kam: 1973 brach das in Bretton Woods geschaffene System fester Wechselkurse zusammen. Die D-Mark wertete enorm auf, der Export litt. Es folgte die erste Ölkrise. Die Produktionskosten stiegen an. Das Resultat: 1975 sank die deutsche Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent – die bis dahin schärfste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik, die allerdings von der heutigen Finanz- und Wirtschaftskrise weit in den Schatten gestellt wird.

Kanzler Helmut Schmidt wollte die Krise mit massiven staatlichen Ausgabenprogrammen bekämpfen. Doch das gelang nur teilweise. Die Wirtschaft wuchs zwar wieder, aber die Arbeitslosigkeit – sie überschritt 1975 zum ersten Mal die Grenze von einer Million – ging nicht entscheidend zurück. Stattdessen stieg die Staatsverschuldung rasant an, zumal der öffentliche Dienst ausgebaut wurde. In den 80er-Jahren setzte sich das „beschäftigungslose Wachstum“ fort. Auch in den 90er-Jahren blieben wirtschaftliche Glanzlichter Fehlanzeige, abgesehen von der vereinigungsbedingten Sonderkonjunktur 1990 bis 1992. Erst 2006 und 2007 legte die Wirtschaft wieder deutlich um drei beziehungsweise 2,5 Prozent zu. Dann kam die Finanzkrise.

Ab Mitte der 90er-Jahre beendete der Staat langsam seine Rolle als Unternehmer und leitete die Privatisierung von Post und Telekom ein. Die Bahn ist heute das letzte große Unternehmen in Bundesbesitz. Allerdings führt die aktuelle Krise nun nach Privatisierung und Deregulierung zu einer Renaissance des Staates.

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