Spediteure drücken auf die Kostenbremse
Telematik-Systeme für LKW im Investitionsstau

Noch vor zwei Jahren träumten die IT-Anbieter für die Nutzfahrzeugbranche vom stürmischen Wachstum: Lenker, Laster, Ladung - alles sollte per Mobilfunk, Internet und Software von den Speditionszentralen ferngesteuert und überwacht werden, um effektiv zu operieren und Kosten zu sparen.

dpa/HB HANNOVER. Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2002 in Hannover hat jedoch Ernüchterung frühere Euphorie ersetzt: "Ich schätze die Marktabdeckung auf höchstens 10 bis 15 Prozent ein", sagt Carsten Rinka von der VW-Tochter gedas telematics GmbH. "Wir haben eindeutig mehr erwartet", räumt auch Gisbert Meistermann ein, bei Mercedes Benz für das Lkw-System Fleetboard zuständig.

Branchenkenner machen dafür eine gehörige Portion Skepsis insbesondere bei kleinen und mittelständischen Speditionen verantwortlich. "Das sind oft sehr konservativ arbeitende Firmen, die schwer von den Vorteilen zu überzeugen sind", sagt ein IT-Manager hinter vorgehaltener Hand. Zudem stünden die Unternehmer angesichts der Konjunkturflaute stark auf der Kostenbremse. "Viele scheuen Investitionen, die sich erst mittelfristig rechnen", heißt es. Dagegen setzen sich die großen Frachtunternehmen seit Jahren mit diesem Thema auseinander.

"Eine optimale Steuerung von mehreren hundert Fahrzeugen ist ohne diese Unterstützung nicht möglich", erklärt Herbert Thieße, Leiter der Systementwicklung bei der Schenker Deutschland AG, führender Anbieter für integrierte Logistik im deutschen Markt. "Das ist für kompetente Anbieter ein Muss." Dies gelte zunehmend insbesondere für die Warenverfolgung, zum Beispiel mit Hilfe des Einscannens von Barcodes und elektronischen Unterschriften des Empfängers. Dies werde von immer mehr Speditions-Kunden verlangt.

Beachtliches Potenzial

Deshalb könnte sich ein beachtlicher Markt öffnen. 2001 wurden in Deutschland rund 300 000 Transporter, schwere Lastwagen und Busse neu zugelassen. Würde künftig die Hälfte mit Telematic-Systemen ausgestattet, kämen bei einem durchschnittlichen Aufpreis von 1500 Euro 225 Millionen Euro jährlich zusammen. Große Speditionen rechnen mit Kosten zwischen 60 und 100 Euro pro Monat und Fahrzeug für Leasing, Datenübermittlung, Software und Service. Würde künftig die Hälfte des Nutzfahrzeugbestands in Deutschland von 2,8 Millionen Transportern und Lastwagen betreut, summierten sich die Kosten auf mehr als eine Milliarde Euro jährlich.

Die Nutzfahrzeug-Hersteller setzen aber auch auf Kunden-Bindung und-Service. Mit dem 1998 eingeführten und seitdem ständig ergänzten Fleetboard-System von Mercedes Benz können Disponenten von Speditionen zum Beispiel dem "gläsernen Fahrer" bei der Arbeit zusehen: Wie Sprit sparend und Material schonend kutschiert er seinen 40-Tonner, braucht er ein Fahrtraining? Wann ist der nächste Service fällig? Wie Fleetboard lassen sich auch beim gedas-Produkt logiweb (im Einsatz bei VW, Scania und MAN) oder der ab 2003 in Deutschland verfügbaren Ford-Flotten-Telematik Fahrzeug-Standort und Routen ermitteln, Ladungen und Fahrzeiten verfolgen.

Die BNS Software AG, ein unabhängiger IT-Anbieter mit knapp 100 Mitarbeitern aus Meerbusch bei Düsseldorf, sieht in der Einführung der Lkw-Maut auf Autobahnen eine enorme Herausforderung für die Speditionen. "In den letzten Monaten sind viele Spediteure mit der Frage an uns herangetreten, wie Mautgebühren für eine Fahrt weiter berechnet werden können, wenn der Lkw verschiedene Entladestellen auf seiner Tour beliefert", sagt BNS-Vorstand Thomas Brabender. Dieses Problem sei nur mit einer integrierten Software zu lösen, dass neben Routenvorschlägen auch Fahrzeugeinsatz und Ladung optimiere. BNS sieht auch deshalb eine deutliche steigende Marktabdeckung innerhalb der nächsten fünf Jahre.

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