Speerwurf
Steffi Nerius stapelt hoch

Die Speerwerferin aus Leverkusen hat nicht den kraftvollen Abwurf einer Osleidys Menendez, aber dafür hat die Deutsche Steffi Nerius im Gegensatz zu der Kubanerin einen guten Psychologen. Der Trainer stellt die Werferin von Minute zu Minute auf eine neue Taktik ein - und Nerius pariert. Ob sich die Erfolgsserie für das Trio fortsetzen lässt wird das Finale zeigen.

HB ATHEN. Die Weltmeisterschafts-Dritte Steffi Nerius tippte sich an die Stirn, war aber dennoch erleichtert. "Ich war etwas doof", begründete die 32-jährige Speerwerferin aus Leverkusen die Geste der Selbstkritik. "Aber ich bin auch stolz, dass ich mich im dritten Versuch für das Finale qualifiziert habe", sagte sie. Etwas bange war ihr schon zumute, als sie im ersten Versuch der Ausscheidung für das Olympische Finale nur 57,67 m weit warf. Auch die 60,30 m hätten nicht gereicht. Erst mit den 62,14 m war die erste Etappe für sie geschafft. "Ich habe mich mit meinem Psychologen auf so eine Situation vorbereitet - und es hat geklappt", so Nerius.

Illusionen macht sich die Vize-Europameisterin nach einer durchwachsenen Saison aber nicht, im Finale am Freitag den ganz großen Wurf in Athen machen zu können. "Gold bleibt mein Traum, Bronze ist möglich", meinte Steffi Nerius, auf deren Stirnband nach eigenem Bekunden auf griechisch "Und jetzt flieg" steht, mit Blick auf die starke Kubanerin Osleidys Menendez. "Sie wirft konstant 67 Meter. Wenn ich meine Bestleistung von 65,76 erreiche, kann es zur Medaille reichen." Steffi Nerius ging zwar mit der viertbesten Weite des Jahres (64,07) in den Olympischen Medaillenkampf, hatte aber in dieser Saison auch viel mit sich zu hadern. So kam die Diplom-Sportlehrerin beim Europacup im polnischen Bydgoscsz nicht mal über 60 m hinaus. Auch bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig reichte es nur zu 62,82 m, was ihre Freude über den vierten Titel erheblich trübte. Dabei hatte sie sich so viel vorgenommen im Olympia-Jahr - nämlich nichts weniger als den Triumph in Athen. "Ich will Gold . Wenn man Träume hat, muss man hohe Ziele haben", sagte Steffi Nerius, die in Sydney 2000 Vierte und 1996 in Atlanta Neunte war, immer wieder. "Das ist aber schon länger her", relativierte sie nun in Athen. Während sie diese starken Worte einst als Demonstration eines "neuen Selbstbewusstseins" bezeichnete, schienen diese Aussprüche wie ein Bumerang zurückzukommen und wie ein Hemmschuh zu wirken. Deshalb suchte sie beim Essener Sportpsychologen Ulrich Kuhl mentale Hilfe, um diesen verbissenen Ehrgeiz in positive Bahnen zu lenken und mehr Lockerheit zu schaffen. "Es hat geholfen", sagte sie nun mit einem strahlenden Lächeln.

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