Speicherausfall des Berliner Domainanbieters noch nicht behoben
Stratos Kunden droht der Datenverlust

Klaus Minhardt verdient eigentlich sein Geld damit, dass Menschen auf seiner Homepage nach Rabatten suchen. Seit einer Woche sind Rabatte bei Minhardt aber passè. Besucher seiner Seite www.presserabatt.de sehen nur noch einen höflichen Willkommensgruß. Angefügt ist die Bitte um Verständnis dafür, dass die Internseite bis auf weiteres in den Tiefen des Cyberspace verschollen ist.

BERLIN. Minhardt geht es wie Tausenden anderen Kunden der Berliner Strato AG, denen Strato Präsenz im weltweiten Daten-Netz verkauft hat. Das ist für viele seit Dienstag vergangener Woche um 14 Uhr 30 nicht mehr der Fall. Seitdem sind zahlreiche Seiten des Providers verschwunden, der mit 1,7 Mill. Domains zu den Größten Anbietern in Deutschland gehört. Nach bisherigem Kenntnisstand hat der Ausfall des zentralen Speichers von Strato dazu geführt, dass alle in dem Unternehmen untergebrachten Webadressen nicht mehr am Netz waren.

Nach Angaben von Strato sind seither "zwischen 10 % und 100 %" dieser so genannten Domains - also Adressen im Internet - verschwunden. Rabattsucher Minhardt hat noch Hoffnung, dass die verlorenen Daten wieder auftauchen, wenn der Schaden behoben ist. Andere nicht, wie Strato selbst bestätigt. Sigram Schindler, Vorstandsvorsitzender des Strato-Mutterkonzerns Teles AG, rechnet damit, dass etwa 7 000 Domains von einem totalen Datenverlust betroffen seien. Zum größten Teil handele es sich dabei aber um so genannte Visitenkarten, die preisgünstigen Hosting-Angebote von Strato.

Pech für Dionys Klein, Gesellschafter des Internet-Dienstleisters Loxxo.de aus Fuerteventura, der Kunden die Möglichkeit bietet, an einer spanischen Lotterie teilzunehmen. Er klagt, dass die virtuellen Konten einiger Kunden nicht mehr zu finden seien und Loxxo nun versuchen müsste, die Informationen mit firmeninternen Daten wieder herzustellen. Zusammen mit andern Kunden erwägt Klein nun eine Klage gegen Strato.

Der Grund für den Zusammenbruch der Strato-Domains ist auch nach Tagen noch unklar. Teles-Chef Schindler gab gestern im Gespräch mit dem Handelsblatt "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand" EMC die wesentliche Schuld. EMC ist der weltgrößte Hersteller von Massenspeichern. Die Speichersysteme hätten versagt. Ein Sprecher von EMC weist das aber weit von sich. Der Vorfall sei vermutlich auf eine Störung der Stromversorgung zurückzuführen. Schindler zufolge hat es auch eine "haarsträubende Panne" bei der Datensicherung gegeben. Dafür sei das Unternehmen KPNQwest verantwortlich.

Fest steht bisher: Entgegen Schindlers Ankündigung, die Domains seien alle wieder im Netz zu finden, warteten auch eine Woche nach dem Totalabsturz Kunden noch auf ihre Adresse im Internet. Und Kündigungen der Strato-Verträge sind offenbar auch kein einfacher Ausweg aus der Misere. Klein etwa hat nach eigenen Angaben bereits vor einem Monat versucht, sowohl per Fax als per e-mail zum nächstmöglichen Termin seinen Vertrag zu kündigen. Bisher habe er keine Antwort bekommen.

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