Spektakuläre Pleiten sorgen in der Branche für Unruhe
Das Ende des 16-Stundentags: Internet-Arbeiter in USA auf der Straße

Viele brachen das College ab, andere wurden frisch von der Uni weg mit riesigen Gehältern geködert, und fast alle arbeiteten bis zu 80 Stunden die Woche in einer der Tausenden neuen Internetfirmen in den USA. Dann kam die große Ernüchterung in der Internetbranche, und nun stehen im legendären Silicon Valley Tausende junger Leute, die vor kurzem noch dicke Autos fuhren und in teuren Restaurants aßen, erstmals auf der Straße.

dpa WASHINGTON. Die 29-jährige Melissa Sheridan kann es immer noch nicht fassen: "Ich habe nie einen Arbeitslosen gekannt. Nun ist jeder, den ich kenne, arbeitslos", klagt sie. Der 28-jährige Scott Heiferman war bis vor kurzem noch Chef einer jener legendären Start-Up-Firmen, die mit einer guten Internet-Idee und einem großen Kredit schnell viel Geld machen wollen. Im vergangenen Jahr brach sein Traum zusammen. Er fiel in ein tiefes Loch und, um überhaupt noch etwas zu machen, brutzelte er für ein paar Wochen bei McDonald's Hamburger, erzählte er der Zeitung "USA Today".

Zu den Pleiten zahlreicher Internetfirmen kamen spektakuläre Entlassungen bei den Onlinesparten großer Konzerne wie Disney, AOL Time Warner oder der "New York Times" hinzu. Die Fachzeitschrift "Industry Standard" richtete auf ihrer Internetseite einen ständig aktualisierten Arbeitslosenzähler für die Branche ein: Er verzeichnete bisher über 73 000 Entlassungen.

Der Psychologe Robert Chope wies im Fernsehsender NBC darauf hin, dass die Entlassungen die lange vom Erfolg verwöhnten jungen Menschen am härtesten trifft. Die einstigen Helden der Internetgeneration seien eine ständig wachsende Wirtschaft gewohnt gewesen. Nun seien viele von ihnen geradezu in Panik.

Andere, die ihre Aktienanteile noch rechtzeitig vergolden konnten, genießen nach ihrem harten Rund-um-die-Uhr-Jobs das süße Nichtstun. "Das Beste, was mir passieren konnte, war es, meinen Job zu verlieren", strahlt die 28-jährige Alli Ehrenberg. Die ehemalige Webdesignerin genießt ihr Leben jetzt in vollen Zügen, macht Yoga und bereitet sich statt auf das nächste Meeting nun auf ihre Hochzeit vor. Die "New York Times" stellte denn auch fest, dass es manchmal schwer sei, für die ehemaligen "goldenen Jungs und Mädchen" Mitleid zu empfinden.

Für die weniger glücklichen Opfer der Internet-Pleiten bietet das Internet aber auch Hilfe. Der Jobvermittler Monster.com wird seit Monaten mit Bewerbungsunterlagen förmlich überflutet. Viele finden auch schnell eine neue Stelle, doch viel sicherer muss der Job auch nicht sein. Die 32-jährige Stacy Drake war glücklich, dass sie nach der Entlassung bei HomeGrocer.com schnell wieder eine Stelle bei dem Auktionshaus Bidpath.com fand. Doch nach ein paar Wochen ging auch dieser Firma das Geld aus, und sie musste ihren Schreibtisch wieder räumen.

Sie sei geschockt gewesen, erklärt Drake, und ihr erster Gedanke nach der zweiten Entlassung sei es gewesen, sich erst einmal mit Shoppen zu trösten. Doch dann habe sie entschieden, ihr Geld lieber doch ein wenig zu sparen. Die 32-jährige bleibt aber auch nach dem doppelten Internet-Flopp optimistisch und rechnet damit, spätestens in drei Monaten wieder einen Job zu haben.

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