Spekulation über höhere Zinsen in Euroland
Euro-Renten drehen mittags ins Plus

Die richtungweisenden europäischen Zinsfutures haben am Donnerstag unter dem Eindruck zunehmender Spekulationen über höhere Zinsen in der Euro-Zone ins Plus gedreht.

Reuters FRANKFURT. Händlern zufolge geriet die Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen im bisherigen Tagesverlauf etwas in den Hintergrund. Stattdessen konzentrierten sich die Akteure mehr auf die von den hohen Ölpreisen ausgehenden Inflationsgefahren. Diese könnten die Europäische Zentralbank dazu veranlassen, ihre Leitzinsen bereits am 31. August, beim ersten Ratstreffen nach der Sommerpause, anzuheben. Da in den USA keine wesentlichen Konjunkturdaten zur Veröffentlichung anstünden, seien von dort keine Impulse zu erwarten.

Der Euro-Bund-Future notierte gegen 13.40 Uhr MESZ mit plus zehn Ticks bei 105,48 Punkten. Der Bobl-Future legte elf Zähler auf 102,86 Punkte zu. Am kurzen Ende gewann der Schatz-Future fünf Ticks auf 101,26 Punkte. Zur Kasse notierte die zehnjährige Bundesanleihe Juli 2010 mit 100,35 (Mittwoch 100,280) Prozent. Sie rentierte auf diesem Niveau mit 5,191 %.

Die börsennotierten Bundeswertpapiere waren am Donnerstag im Kassavergleich überwiegend fester veranlagt. Die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen gab auf 5,30 von 5,31 % am Mittwoch nach. Der Rex-Rentendindex gewann 0,06 % auf 109,7786 Zähler. 63 gehandelte Papiere verbesserten sich um 0,690 %punkte, während 18 Papiere bis zu 0,040 %punkte verloren. Die Bundesbank verkaufte in Frankfurt zum Marktausgleich Anleihen im Volumen von 171,8 (Vortageskäufe 33,8) Mill. Euro.

UMTS-Prognosen übertroffen

Die UMTS-Auktionen sind nach Darstellung von Händlern mittlerweile in den Preisen enthalten. Überraschungen seien von daher kaum noch zu erwarten. Bei der Versteigerung der deutschen UMTS-Mobilfunklizenzen wurden nach Angaben der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) am Donnerstag in der 168. Bieterrunde 98,157 (Vorrunde 97,7539) Mrd. DM geboten. Damit wurden die zuletzt bereits erhöhten Prognosen der meisten Analysten für den Versteigerungerlös erneut übertroffen.

Wachsende Sorge bereiten Händlern zufolge die steigenden Ölpreise. Mehr und mehr setzte sich deshalb am Markt die Überzeugung durch, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte schon am 31. August ihre Leitzinsen erhöhen. EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte in einem Interview der "Börsen-Zeitung" gesagt, die EZB handele immer auf Grundlage sorgfältiger Erwägungen. Die Notenbank sei besorgt über die Risiken für die Preisstabilität, die aus der anhaltenden Schwäche des Euro und dem deutlichen Anstieg der Ölpreise resultieren. Der Monatsbericht August sei "in gewisser Weise eine verbale Intervention zu Gunsten eines stärkeren Euro" gewesen.

An den internationalen Märkten zogen die Notierungen im bisherigen Verlauf des Donnerstag weiter an. Berichte über eine unnachgiebige Haltung führender Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hätten die Ölpreise wieder steigen lassen. Der Preis für einen Barrel (159 Liter) der marktführenden Nordseemarke Brent, deren Leitkontrakt am Donnerstag von September auf Oktober wechselte, lag gegen Mittag an der Londoner Warenterminbörse IPE gegenüber dem Vortagesschluss um 55 US-Cent höher bei 30,29 $.

Technisch sei am Donnerstag wenig Markt bewegendes zu erwarten, sagten Händler. Die Analysten der HypoVereinsbank teilten mit, eventuell könne die Erwartung gleich bleibender Zinsen in den USA den Euro noch etwas stärken und damit auch den Bund-Future stabilisieren.

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