Spekulationen über Aufenthaltsort
Fischer reist wegen Sahara-Touristen nach Algerien

Bundesaußenminister Joschka Fischer reist am diesem Montag nach Algerien, um dort mit Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika über das Schicksal der verschleppten 31 Sahara-Touristen zu sprechen. Es seien reine Informationsgespräche, sagte ein Sprecher Fischers am Sonntag.

HB/dpa BERLIN/ALGIER/WIEN. Unterdessen gab es neue Spekulationen über den Verbleib der verschleppten Touristen. Zeitungsberichten in Algier zufolge suchen algerische Sicherheitsoffiziere im süd-westlichen Nachbarland Mali nach Spuren der Verschwundenen.

Sie seien in der vergangenen Woche nach Mali gereist, berichtete die Tageszeitung "El Watan" unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Angaben aus Mali. Algerische Sicherheitskräfte hätten sich vor zwei Wochen an der Straße nach Mali ein längeres Gefecht mit Unbekannten in sechs Toyota-Geländewagen geliefert, die mit Sturmgewehren vom Typ Kalaschnikow bewaffnet gewesen seien. Die Männer seien entkommen. In der Sahara waren nach früheren Angaben aus Algier sechs Fahrzeuge der Touristen ohne Batterien und mit leeren Benzintanks gefunden worden.

Sollten tatsächlich algerische Sicherheitsfachleute in Mali sein, dann könnte das nach Einschätzung der Zeitung "L'Expression" für ein Scheitern der Suche in Algerien sprechen "oder zumindest dafür, dass diese Aktionen zu keinem konkreten Ergebnis geführt haben". Algiers Sicherheitskräfte suchten aber noch den bekannten Waffen-Schmuggler Belmokhtar, der Verbindungen nach Mali, Niger und Libyen habe. Er beliefere auch die islamistische Terroristengruppe GSPC. Es sei aber zu früh, diese Schmugglerbande als Urheber der Entführung zu sehen.

Außenminister Fischer trifft sich auch mit seinem algerischen Amtskollegen Abdelaziz Balkhadem. Es soll auch über bilaterale und aktuelle internationale Themen diskutiert werden, hieß es. Danach reist Fischer zu politischen Gesprächen nach Marokko und Tunesien. Bereits Anfang April war Bundesinnenminister Otto Schily zu Gesprächen nach Algerien gereist.

Unterdessen berichteten die österreichischen Sonntagszeitungen, unter den sechs in der Wüste gefundenen Geländewagen sei auch der grüne Toyota Land-Cruiser des vermissten Salzburgers Ingo Bleckmann (60). Sein Auto sei in der Nähe von Amguid außerhalb der von Sicherheitsbeamten eingegrenzten Zone entdeckt worden, habe seine Frau unter Hinweis auf Informationen aus dem österreichischen Außenministerium mitgeteilt. An der nach Mali führenden Straße von Amguid soll sich die Schießerei ereignet haben.

Nach den Berichten soll auch das Auto-Kennzeichen des Salzburgers Gerhard Wintersteller (63) etwas weiter südlich gefunden worden sein. Er hatte die acht vermissten Salzburger durch die Wüste geführt.

Von Lösegeldforderungen in Höhe von einer Million Schweizer Franken (664 000 Euro) je Geisel berichtete das Westschweizer Magazin "L'Hebdo" in seiner jüngsten Ausgabe. Der Aufenthaltsort der 31 Sahara-Touristen, darunter 15 Deutsche und 10 Österreicher, sei den algerischen Behörden genau bekannt, schrieb "L'Hebdo". Sie seien in drei Gruppen aufgeteilt worden. Das Auswärtige Amt in Berlin und das Schweizer Außenministerium wollten keinerlei Kommentar dazu abgeben.

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