Spekulationen über Bildung einer Großbank im Norden
Hamburger LB will in Kiel einsteigen

Die Hamburger LB ist offen für eine Fusion mit der LB Kiel oder Haspa. Dagegen hält die NordLB Gespräche über Landesbanken- Beteiligungen für verfrüht. Die Bank greift tief in die Reserven, um ihre Verluste bei der Bankgesellschaft Berlin auszugleichen. Trotzdem stürzt das Betriebsergebnis nach Vorsorge ab.

HB HAMBURG/HANNOVER. Bei der Neuordnung der Landesbankenlandschaft richten sich die Blicke derzeit in den Norden, wo über eine Fusion der Kieler und Hamburger Landesbank diskutiert wird. Für die Hamburgische Landesbank (HLB) ist dabei weder eine Fusion mit der LB Kiel ein Schreckgespenst, noch eine größere Lösung zusammen mit der privaten Hamburger Sparkasse (Haspa).

"Wir stehen allen Überlegungen aufgeschlossen gegenüber", sagte HLB-Vorstandsvorsitzender, Alexander Stuhlmann, vor Journalisten in Hamburg. Für eine Lösung müssten allerdings viele Knoten durchschlagen werden, denn die Interessen deckten sich nicht. Für eine Fusion der Institute hatte zuletzt die Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins, Heide Simonis, plädiert. Bereits heute ist die LB Kiel mit 49,9 % bei der HLB beteiligt.

Anteil von 5 bis 10 %

Nun wollen die Hamburger ihrerseits mit einem kleinen Anteil von 5 bis 10 % in Kiel einsteigen. Für die HLB wäre dies, wie es aus Bankenkreisen heißt, eine strategische Entscheidung, da viele Beschlüsse bei der LB Kiel nur einstimmig gefasst werden könnten. Die Kaufbereitschaft sei der Kieler Landesregierung signalisiert worden. Diese hatte zuletzt aber entschieden - zur Deckung der Haushaltslücke 5 % ihres 25,05 %-igen Anteils an der LB Kiel an die Sparkassen des Landes zu verkaufen, um die Bankmehrheit im Land zu behalten.

Es bietet sich aber eine andere Kaufmöglichkeit für die HLB, denn die Stuttgarter LBBW will nach Angaben aus Bankenkreisen ihren 10 %-igen Anteil an der LB Kiel verkaufen. Unklar ist dagegen, ob sich die WestLB von ihrem 39,95 %- igen Anteil trennt. Noch überprüfen die Düsseldorfer einen Verkauf ihrer Landesbanken-Beteiligungen. Stuhlmann kann indes für das WestLB-Paket keinen Käufer erkennen. Ebenso kritisch steht er einem Engagement der Norddeutschen Landesbank (NordLB) in Kiel oder Hamburg gegenüber. Dies würde unweigerlich zu Konflikten in der Standfrage führen.

Der NordLB-Vorstandsvorsitzende, Manfred Bodin, hält eine Diskussion über ein solches Engagement für verfrüht. An gegenseitige Beteiligungen sei frühestens zu denken, wenn die Landesbanken umstrukuriert seien und ein Aktientausch möglich sei. Notwendig ist der Umbau der Institute wegen des Wegfalls der Staatsgarantien im Jahr 2005, auf den sich Brüssel und Berlin im Juli geeingnet hatten.

Erste Gespräche laufen

Gut vorstellen kann sich Bodin dagegen Kooperationen mit der Kieler Landesbank, wie es sie bereits mit der Bankgesellschaft Berlin gebe. Es liefen erste Gespräche, sagte Bodin, aber das sei ein "sehr zartes Pflänzchen". NordLB und Bankgesellschafte betreiben unter anderem gemeinsam Datenverarbeitung, Bausparkassen und Research.

Ganz oben auf der Agenda steht in Hannover weiter der Ausbau des Engagements bei der Bankgesellschaft. Zunächst muss die NordLB aber tief in die Reserven greifen, um ihre Verluste für das bestehende Berlin-Engagement auszugleichen. Das Betriebsergebnis nach Risikovorsorge in diesem Jahr werde von über 400 Mill. auf 173 Mill. abstürzen, sagte Bodin. Vor Risikovorsorge werde sich das Ergebnis aber um 3 % auf 558 Mill. verbessern.

In diesem Jahr schreibt die NordLB rund 540 Mill. auf ihre Berliner Beteiligung ab, nach 100 Mill. im Vorjahr. Damit stehe die Bankgesellschaft nur noch mit 340 Mill. in den Büchern, sagte Bodin, wesentlich schlimmer könne es nicht mehr kommen. Um ihren Schaden zu begrenzen hat die NordLB unter anderem eine nicht näher genannte Beteiligung für 228 Mill. an die Konzerntochter Niedersachsen Bank - einen alten Unternehmensmantel - verkauft. Operativ sei die Landesbank gesund, betonte Bodin. Die Konzern-Bilanzsumme sei um 7,6 % auf 200,5 Mrd. gestiegen und solle 2002 in ähnlichem Tempo wachsen.

Allianz mit Berlin

Die NordLB stehe weiter zu der bis 2004 vereinbarten Allianz mit Berlin, erklärte Bodin: "Wir werden diese Ehe nicht auflösen". In welcher Form sie weiter bestehe sei noch völlig offen. Für ein definitives Angebot zum Kauf weiterer Anteile fehlten weiter wichtige Informationen, beispielsweise zu Strukturen von Aktien- und Derivatportfolios. Mehr als die Hälfe der Fragen sei unbeantwortet, kritisierte Bodin. Ähnlich hatten sich zuvor auch die Sparkassen geäußert, welche gemeinsam mit der NordLB ein Angebot in Berlin unterbreitet haben.

Die NordLB könne nicht "Flowers spielen", sagte Bodin in Anspielung auf den US-Investor, der ebenfalls in Berlin einsteigen will. Flowers wolle den Preis hinterlegen und erst nach dem Kauf anhand der dann sichtbaren Risiken kürzen. Den dann unvermeidlich hochkochenden politischen Streit könne sich Flowers leisten, aber keine Landesbank. Der NordLB-Chef legt sich auf keinen Zeitplan für die weiteren Entscheidungen in Berlin fest. Am heutigen Montag wird er, als Aufsichtsratsmitglied der Bankgesellschaft, erneut über die Zukunft des Instituts mitberaten.

Die Hamburgische Landesbank schließt das Jahr 2001 wieder glänzend ab. Die Erwartungen für das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge und Bewertung schraubte Stuhlmann gegenüber der Prognose von 468 Mill. "auf etwas über 500 Mill. " herauf.

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