Spekulationen über Bundesbank-Euro-Verkäufe
Dollar-Erholung drückt Euro unter Parität

Der Dollar hat am Dienstag im europäischen Geschäft seinen Erholungskurs fortgesetzt und den Euro erstmals seit rund einer Woche deutlich unter die Parität gedrückt. Am Vormittag notiert die Euroland-Währung nur noch bei 99 US-Cent und damit rund zwei US-Cent weniger als gestern.

Reuters FRANKFURT. Händler sahen in der überraschenden Erholung der US-Währung trotz des erneuten Kurssturzes an der Wall Street eine natürliche Kurskorrektur nach dem Abrutschen des Dollars. Angesichts der schwächeren Aktienmärkte auch in Europa würden Anleger zudem beim Euro Gewinne mitnehmen, sagten Händler. Auch hätten einige US-Banken Kapital in die USA zurückgeführt, was den Dollar neben technisch begründeten Käufen zusätzlich unterstützen würde, sagten Händler.

Der Euro fiel am Vormittag zeitweise bis auf 0,9880 Dollar, nachdem er im US-Handel am Vorabend noch knapp 1,01 Dollar gekostet hatte. Die Gemeinschaftswährung war bereits im fernöstlichen Handel unter die Parität zum Dollar gerutscht. In der Vorwoche hatte der Euro erstmals seit rund zweieinhalb Jahren das Eins-zu-Eins-Verhältnis zum Dollar erreicht und war zwischenzeitlich sogar über 1,02 Dollar gestiegen.

Zu Marktspekulationen über mögliche Euro-Verkäufe der Bundesbank, die den Kurs der Gemeinschaftswährung Händlern zufolge zusätzlich belastet hätten, wollte die Bundesbank auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Der Dollar zog auch zur japanischen Währung auf Kurse deutlich über 117 Yen an. Zum Schweizer Franken kletterte die US-Währung auf den höchsten Stand seit einer Woche.

Händler äußerten sich uneinheitlich zur vergleichsweise robusten Entwicklung des Dollar. Während einige in der Erholung des Dollarkurses erste Anzeichen für eine Trendwende sahen, blieben viele skeptisch. "Der Dollar ist in den vergangenen Tagen trotz der Verluste an den Aktienmärkten nicht gefallen. Ich persönlich habe den Eindruck, dass der Kursverfall des Dollar zu Ende sein könnte", sagte ein Händler in Tokio.

Ein anderer Händler verwies auf die Devisenentwicklung nach dem Kurssturz an den Aktienmärkten im Jahr 1987. Der Dollar habe sich damals auch kurz erholt und verlor dann wieder. "Die jüngste Erholung des Dollar ist ein bisschen unnatürlich angesichts der starken Verluste an den Aktienmärkten", sagte er. Ohne die Rückführung von Kapital in die USA durch einige US-Banken wäre der Dollar nicht derart auf breiter Front gestiegen. Angesichts der derzeitigen Marktstimmung werde der Dollar aber bald wieder fallen, fügte er hinzu.

Am Montag hatten die Aktienmärkte weltweit drastische Kursverluste verzeichnet, nachdem der US-Telekomkonzern Worldcom Gläubigerschutz beantragt hatte und damit für die größte nahende Firmenpleite der US-Wirtschaftsgeschichte gesorgt hatte.

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