Spekulationen über den Einstieg eines Bankenkonsortiums
Schmid will bei Mobilcom aussteigen

Der Mobilcom-Chef Gerhard Schmid will sich zurückziehen. Der Firmengründer ist bereit, 33 Prozent seiner Anteile an France Telecom zu verkaufen. Er hat bereits vergangenen Freitag von seiner Verkaufsoption Gebrauch gemacht. Doch der französische Minderheitsaktionär hat sich auf das Geschäft noch nicht eingelassen.

lip/abo HAMBURG/PARIS. Vorstandschef Gerhard Schmid will bei der Mobilcom AG, Büdelsdorf, aussteigen. Er hat dem französischen Minderheitsaktionär, France Telecom, bereits am Freitag angeboten, rund 33 % seiner Anteile an dem Mobilfunkanbieter zu übernehmen. Doch der Pariser Telekomkonzern hat die Ausübung seiner Verkaufsoption nicht akzeptiert. Dies bestätigte ein Sprecher von Mobilcom am Mittwoch auf Anfrage. France Télécom wollte keine Stellung dazu nehmen.

An der Börse ist das 33 %ige Aktienpaket derzeit mit 315 Mill. Euro bewertet. Der Aktienkurs von Mobilcom stieg am Mittwoch im Tagesverlauf um bis zu 11,75 % auf über 17 Euro. Die France-Telecom-Notierung kletterte an der Pariser Börse um 5,6 % auf 32,80 Euro.

Dass France Telecom das Angebot von Schmid nicht angenommen hat, liegt Unternehmenskreisen zufolge daran, dass der Minderheitsaktionär die Finanzierung nicht stemmen kann. Denn mit einer Übernahme des Anteils sichert sich France Télécom an Mobilcom die Mehrheit und müsste die Verbindlichkeiten des Unternehmens in seiner Bilanz berücksichtigen. Der französische Konzern bemüht sich offenbar, mit Hilfe eines Bankenkonsortiums die Anteile zu übernehmen. Es handelt sich hierbei mit die größten Kreditgeber von Mobilcom: die französische Société Générale, die Deutsche Bank sowie die niederländischen ABN Amro. Die Finanzhäuser sollen das Aktienpaket kurzfristig halten, um die Anteile zu einem späteren Zeitpunkt an France Télécom weiterzugeben. Ein Sprecher der Deutschen Bank lehnte hierzu einen Kommentar ab.

Dies würde dem französischen Staatsriesen Luft verschaffen, um seine Verschuldung über 50 Mrd. Euro zu senken. Andererseits hat France Télécom Anfang des Jahres eine neue Kreditlinie von 15 Mrd. Euro bei einem Bankenkonsortium ausgehandelt, die nach Angaben von Finanzchef Jean-Louis Vinciguerra noch nicht einmal zu Hälfte ausgeschöpft ist.

France-Télécom-Chef Michel Bon, der heute in Paris die Bilanzzahlen vorstellt, hat bereits angekündigt, dass er das Mobilcom-Engagement sowie die Beteiligung an dem Kabelnetzbetreiber NTL abschreiben will. Dem Unternehmen droht hierdurch nach Analystenschätzungen ein Fehlbetrag von bis zu 12 Mrd. Euro. Damit würde das Unternehmen in die roten Zahlen rutschen. Um nicht zu hohe Schulden zu haben, will sich der französische Konzern von Beteiligungen trennen.

Am Mittwoch schien zunächst keine Lösung in dem seit Wochen andauernden Konflikt zwischen France Télécom und Mobilcom um die Finanzierung des UMTS-Netzes in Sicht. "Es gibt keine Tatsachen, die der Aufsichtsrat melden muss", erklärte ein Sprecher von Mobilcom. Nähere Einzelheiten wollte er nicht nennen. Die Bilanzzahlen des norddeutschen Unternehmens sollen heute verkündet werden.

Knackpunkt in der Aufsichtsratssitzung waren offenbar die Aktiengeschäfte der Ehefrau des Firmengründers Gerhard Schmid. Danach gibt es weiterhin Unstimmigkeiten darüber, ob Sybille Schmid-Sindram eine 5 %ige Beteiligung an dem Büdelsdorfer Unternehmen im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung von Mobilcom gekauft hatte. Der Aktienkauf hätte dann vom Aufsichtsrat gebilligt werden müssen. Bereits im Vorfeld der Sitzung gab es Spannungen. Wie es in Aufsichtsratskreisen hieß, hatte Gerhard Schmid die Ablösung des France-Télécom-Managers Erich Bouvier im Aufsichtsrat von Mobilcom gefordert. Der Grund: Bouvier habe das Kontrollgremium falsch über die Beziehungen von France Télécom zu der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen informiert.

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