Spekulationen über eine mögliche Zerschlagung
Vivendi-Chef Fourtou unter Zugzwang

Die drastischen Kursverluste der Aktie von Vivendi Universal S.A. an den Börsen Paris und New York in der vergangenen Woche haben in der neuen Führung des Konzerns unter dem früheren Aventis-Manager Jean-René Fourtou die Befürchtung genährt, die Kontrolle über die Gesellschaft zu verlieren.

PARIS. Mehr noch als der Verlust von einem Drittel der Börsenbewertung auf nunmehr knapp 11 Mrd. Euro machen dem Management die außergewöhnlichen hohen Aktien-Umsätze zu schaffen, wie aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete. Seit Mittwoch wechselte knapp ein Zehntel des Kapitals den Besitzer. Am Freitag wurde die Aktie mit dem historischen Tiefstkurs von 8,62 Euro gehandelt, stieg zum Handelsschluss aber noch leicht auf 9,30 Euro.

Bei Vivendi wächst die Sorge, dass die angelsächsischen Großaktionäre eine Aufspaltung des französischen Medienkonzerns versuchen könnten. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die kanadische Familie Bronfman, die früheren Eigentümer des Seagram-Konzerns, die 6 % von Vivendi hält. Seagram war vor zwei Jahren auf Vivendi verschmolzen worden. Bemerkungen des Bronfman-Vertreters im Vivendi-Aufsichtsrat, Samuel Minzberg, lassen laut Unternehmenskreisen erkennen, dass ein Teil der Bronfman-Familie die Zerschlagung des Konzerns in seine US- und europäischen Bestandteile anstrebt.

Merrill-Lynch-Analyst Neil Blackley sieht in der Verpflichtung von Jean-Bernard Lévy an Stelle eines Amerikaners als Fourtou-Stellvertreter ein Signal für eine Abspaltung der US-Aktivitäten. Außerdem weisen viele Analysten seit längerem darauf hin, dass der Wert der einzelnen Konzernsparten höher sei als die Gesamtbewertung des Unternehmens. Nach Angaben von Dexia Securities sind die Vivendi-Sparten separat derzeit 20 Mrd. Euro wert - fast doppelt so viel wie der Börsenwert des Konzerns.

Bei US-Investoren hat Fourtous Weigerung, schon jetzt eine Liste der geplanten Spartenverkäufe vorzulegen, für Verärgerung gesorgt. Der Vivendi-Chef will Ende September seinen Sanierungsplan für das angeschlagenene Unternehmen präsentieren. Zentraler Bestandteil soll dann die Verkaufsliste für einzelne Vivendi-Töchter sein. Französische Analysten sind sich sicher, dass Fourtou sein Ziel, durch Verkäufe in den kommenden neun Monaten 5 Mrd. Euro zu erlösen, nicht verfehlen darf. "Das ist für Vivendi eine Überlebensfrage", sagte Julien Batteau von Richelieu Finance.

Außer dem Verlag Houghton Mifflin, dessen Preis in Paris auf 1,5 Mrd. Euro taxiert wird, könnte ein Verkauf der übrigen Teile von Vivendi Universal Publishing mit Ausnahme der Videospielproduktion 500 Mill. Euro bringen, wie die Zeitung "Le Figaro" unter Berufung auf Konzernkreise berichtete. Davon wären außer den Zeitschriften "L'Express" und "L'Expansion" Traditionsverlage wie Larousse und Nathan betroffen. Als Kaufinteressent gilt unter anderem Bertelsmann. "Zu Marktgerüchten nehmen wir keine Stellung" hieß es gestern dazu in der Gütersloher Konzernzentrale.

Rund 2 Mrd. Euro dürfte die Neugliederung der TV-Sparte Canal Plus bringen. Vivendi will sich von rund 50 % der Senderkette trennen. Außerdem sollen die meisten Auslandstöchter verkauft werden - Rupert Murdochs News Corp. gilt als interessiert. Am 23. September, zwei Tage vor der nächsten Aufsichtsratssitzung, enden zudem die Verkaufsbeschränkungen für die Telefontochter Cegetel. Für Vivendis 44 % liegt eine Offerte von Vodafone vor, die britische Bankenkreise auf 4,5 Mrd. Euro beziffert haben. Cegetel-Chef Philippe Germond versicherte indes am Wochenende, Vivendi werde bei der Sparte "Herr im Haus bleiben". Auch bei französischen Banken schließt man nicht aus, dass Fourtou die gewinnträchtige Cegetel mehrheitlich erwerben will.

Quelle: Handelsblatt

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