Spekulationen über einen Einstieg der Billigflieger Raynair und Easyjet
Hoffnung auf LTU-Rettung wächst

Die Piloten der angeschlagenen Fluggesellschaft LTU haben sich auf einen Gehaltsverzicht verständigt. Nach Angaben der Gesellschaft und des zweitgrößten Anteilseigner Rewe verbessern sich damit die Chancen für den Einstieg eines neuen Investors.

Reuters DÜSSELDORF. "Der Abschluss sollte die Suche nach einem Investor erleichtern", sagte LTU-Sprecher Marco Dadomo am Donnerstag. Rewe-Sprecher Wolfram Schmuck nannte die in der Nacht vereinbarten Gehaltskürzungen für die 360 Piloten einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Rettung der LTU. Nun müsse aber das Land rasch über den Bürgschaftsantrag entscheiden. Die Rewe, die 40 % der Anteile hält, sei bereit, "eine Finanzierungslücke zu überbrücken", kündigte Schmuck an. Berichte über einen möglichen Einstieg der Billigflieger Raynair und Easyjet bestätigte der LTU-Sprecher nicht.

Die Einigung mit den Piloten sei ein letzter wichtiger Baustein, um das geforderte Sanierungskonzept zu komplettieren, sagte der LTU-Sprecher. Vergangene Woche hatten bereits die rund 2000 LTU-Mitarbeiter des Bodenpersonals und der Kabine einem Gehaltsverzicht zugestimmt. In der Nacht hatten sich LTU und die Pilotenvereinigung Cockpit unter anderem auf eine Gehaltskürzung von zehn Prozent und den Verzicht auf das Weihnachtsgeld bis 2003 verständigt. Mit dem Sanierungstarifvertrag sei auch die Zahl von 75 garantierten Flugstunden für die Piloten gestrichen worden, sagte Dadomo. Der Vertrag hat nach Angaben der Vereinigung Cockpit ein Einsparvolumen von weit mehr als 60 Mill. DM.

Für den Nachmittag ist eine Belegschaftsversammlung geplant. Nach Gewerkschaftsangaben wird dort LTU-Chef Sten Daugaart über den Stand der Suche nach einem Investor informieren und den von der von der Geschäftsführung vorgelegten Sanierungplan erläutern. Das Konzept sieht nach jüngsten Berechnungen bis 2004 insgesamt Einsparungen durch Lohnkürzungen und Einschnitte bei Sachkosten von rund 400 Mill. DM vor, sagte der LTU-Sprecher weiter. Ab 2004 will die Gesellschaft die Gewinnzone erreichen. Der Abschluss von Sanierungstarifverträgen für alle LTU-Mitarbeiter gilt als wichtige Voraussetzung für die laufenden Gespräche zwischen Gesellschaftern, Banken und Landesregierung über die Rettung der LTU.

Rewe forderte Landesregierung zu schneller Entscheidung auf

Der Sprecher des nach dem Konkurs der Swissair größten Anteilseigners Rewe forderte die Düsseldorfer Landesregierung auf, nun schnell über den eingereichten Bürgschaftsantrag der Fluggesellschaft zu entscheiden. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums wollte diese Forderung nicht kommentieren. Die LTU hat nach früheren Angaben eine Bürgschaft zwischen 200 und 300 Mill. DM beantragt. Rewe habe die LTU bisher schon unterstützt und werde dies auch weiter tun, versicherte Schmuck. "Die Rewe ist bereit, eine Finanzierungslücke mit Millionenbeträgen zu überbrücken. Die vom Handelskonzern gewährten Hilfen würden aber nicht über 300 Mill. DM hinausgehen, stellte Schmuck klar. Bisher seien über die Swissair 170 Mill. DM geflossen.

Der LTU-Sprecher bestätigte Spekulationen über einen möglichen Einstieg der Billigflieger Raynair und Easyjet nicht. "Von solchen Gesprächen ist uns nichts bekannt", sagte Dadomo. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, die irische Ryanair und die britische Easyjet seien als mögliche Investoren ins Gespräch gebracht worden.

Die LTU ist durch den Gläubigerschutz ihres größten Anteilseigners Swissair in Bedrängnis geraten und sucht seitdem dringend nach einem neuen Investor. Die schweizer Fluggesellschaft hatte bei Übernahme ihres Anteils von knapp 50 % an der LTU den Ausgleich von Verlusten bei der Gesellschaft bis zum Jahr 2005 garantiert. Berichte, die Liquidität der LTU reiche nur noch bis Ende November bestätigte Dadomo nicht. "Kein Thema" sei im Moment auch der mögliche Entzug der Fluglizenz durch das Luftfahrt-Bundesamt. Am Vortag hatte die LTU bestätigt, ihr drohe der Entzug der Fluglizenz, wenn der Behörde nicht "zeitnah" ein Sanierungskonzept vorgelegt werde. Das Bundesamt selbst gab keine Stellungnahme ab.

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