Spekulationen über einen russischen Partner für die Tochter Veba Oel
Eon sieht Nachholbedarf bei Gas und Wasser

5 000 Aktionäre wollen am Freitag von Eon-Chef Ulrich Hartmann wissen, ob die Fokussierung auf das Kerngeschäft Energie der tragfähige Weg in die Zukunft ist. Sie werden fragen, wann weitere Akquisitionen folgen. Die Antworten werden, wie bei deutschen Hauptversammlungen üblich, karg ausfallen.

DÜSSELDORF. Eon-Chef Ulrich Hartmann kommt mit froher Botschaft für die 5 000 Aktionäre, die am Freitag in Essen zur Hauptversammlung erwartet werden: Das operative Ergebnis im ersten Quartal 2001 wird bei 900 Millionen Euro liegen. Dies ist aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören. Auch die Schätzungen der Analysten liegen im Durchschnitt in dieser Größenordnung. Vergleichszahlen zum Vorjahr es für die Eon AG, Düsseldorf, nicht, weil die Fusion von Veba und Viag erst Mitte 2000 wirksam wurde.

Für das ganze Jahr 2000 hatte Eon ein Konzern-Betriebsergebnis von 2,8 Milliarden Euro ausgewiesen. Vor der Verschmelzung hatte Veba allein im ersten Quartal 604 Millionen Euro erzielt, Viag hatte die Zahl nicht genannt. Positiv zum Ergebnis haben in den ersten drei Monaten 2001 Öl und Gas sowie Logistik (Stinnes) beigetragen. Die Chemie fiel etwas schwächer aus, während der Strom sich verbesserte, aber wenig befriedigend bleibt. Der Konzernüberschuss dürfte deutlich gesteigert worden sein. Dafür sorgen schon die Buchgewinne aus dem Verkauf der Viag Interkom.

Diskussion über Konzern-Aufstellung

Die Aktionäre haben zum ersten Mal Gelegenheit, die neue internationale Aufstellung des Konzerns mit dem Vorstand zu diskutieren. Am 9.April hatte Hartmann verkündet, dass der drittgrößte britische Energieversorger Powergen übernommen werden soll. Damit müssen die Düsseldorfer innerhalb kurzer Zeit schon die zweite Verschmelzung verdauen. Wenn die Eingliederung der Briten gelingt, wird Eon zum größten privaten Energieversorger der Welt und rangiert nach der staatlichen Electricité de France (EdF) auf Rang zwei vor der staatlichen Enel aus Italien und dem Essener Konkurrenten RWE.

Von den Analysten hat Hartmann Lob für die Fokussierung auf die leitungsgebundene Energiesparte erhalten. Deutsche-Bank-Analyst Lüder Schumacher spricht beim deutsch-britischen Deal von einem dringend notwendigen Befreiungsschlag. Klaus Repges von der WestLB Panmure hat Eon als "outperformer" eingestuft. Er erwartet für das erste Quartal allerdings "eine durchwachsene, im Ganzen unspektakuläre Entwicklung".

Während die Analysten für die Eon-Aktie günstige Aussichten verheißen - Adam Dickens von SG Global Research sieht ein Kursziel von 61 Euro - bleibt die aktuelle Börsennotierung um die 54 Euro allerdings noch ohne den Vertrauensvorschuss auf die Positionierung als internationaler Energieversorger. Dass diese Position vor allem bei Gas und Wasser deutlich ausgebaut werden muss, weiß nicht nur Hartmann.

Vielzahl misslungener Fusionen

Der Energiewissenschaftler Prof. Dieter Schmitt von der Universität Essen ist skeptisch: "Mit Ausstiegen ist man in Düsseldorf schnell zur Hand; dagegen stellen die Einstiege in ihrer wirtschaftlichen Leistungskraft erst einmal nur fromme Wünsche dar." Er weist auch auf die Vielzahl misslungener Fusionen hin. Die Hauptversammlung wird interessieren, ob die einseitige Ausrichtung auf "Utilities" nicht mit erheblichen Risiken verbunden ist.

Schmitt zweifelt jedenfalls, dass im europäischen Stromgeschäft schon bald auskömmliche Renditen zu erzielen sind. Die Anbieterbereinigung benötige Zeit, und der Abbau von Überkapazitäten verzögere sich durch den politisch gestützten Zubau bei regenerativen Kraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplung.

Für Hartmann zählt die vor allem im Viag-Konzern breit angelegte Diversifizierung als Ausgleich von Ertragsrisiken wenig. Neben den schon verkündeten Desinvestitionen in der Aluminiumindustrie (VAW) und im Stahlhandel (Klöckner & Co) will er nun den Ausstieg aus der Chemie (Degussa) und aus dem Öl (Veba Oel, Aral) beschleunigen. Bis 2007 will Eon sich von Degussa trennen. Noch in diesem Jahr soll für Veba Oel/Aral ein Käufer oder Partner gefunden werden.

BP Amoco in London wird als möglicher Partner ins Spiel gebracht; hier könnten BP-Anteile an der Ruhrgas gegen das Eon-Ölpaket getauscht werden. Der Hamburger "Energie-Informationsdienst (EID)" spekuliert, dass der Ölpartner aus Russland kommen könnte. Veba Oel sei der wichtigste Verarbeiter russischen Öls in Deutschland.

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