Spekulationen über Flucht
Tricks und Täuschung - Wo steckt bin Laden?

Der Gesuchte arbeitet mit Täuschungsmanövern, Irreführung und vielleicht auch Doppelgängern. Versteckt in einem Krankenwagen soll sich Osama bin Laden in Afghanistan bewegen. US-Geheimdienstvertreter gehen davon aus, dass der Islamistenführer nach den Anschlägen vom 11. September in den von den Taliban kontrollierten Gebieten Afghanistans geblieben ist.

ap WASHINGTON. Doch nun geben Gerüchte Anlass zur Sorge, wonach Bin Laden plant, nach Tschetschenien, Somalia oder Jemen zu fliehen.

Bin Ladens Bewegungen sind Stärke und Schwäche zugleich, sagt US-Senator Richard Shelby, Vizepräsident des Geheimdienstkomitees des Senats. «Wenn er sich von Posten zu Posten bewegt, von Ort zu Ort, Höhle zu Höhle, Stadt zu Stadt, werden wir ihn früher oder später erwischen», prophezeit Shelby, Republikaner aus Alabama. Senator Bob Graham, Vorsitzender des Geheimdienstkomitees, erklärte dieser Tage, er habe verlässliche Informationen, dass Bin Laden vor Mitte November gefangen oder getötet werde. Wie Shelby erhält Graham, Demokrat aus Florida, geheime Unterrichtungen durch die US-Geheimdienste.

«Ich bin sicher, dass wir in der Lage sein werden, sein Versteck zu finden und ihn zu kriegen - als Gefangenen oder tot», sagt Graham. Grundsätzlich geht man davon aus, dass der saudiarabische Islamistenführer regelmäßig zwischen den Terrorcamps von El Kaida und diversen Höhlen in den afghanischen Bergen verkehrt. Meist soll er in Begleitung einer oder mehrerer seiner Frauen unterwegs seien, manchmal mit einigen ranghohen Schergen, aber immer mit Sicherheitsleuten. Von Städten halte er sich fern und meide auch die Frontlinien, an der sich Taliban und Nordallianz bekriegen, heißt es.

Hat Bin Laden diese Gewohnheiten beibehalten, dann hält er sich jetzt wahrscheinlich im Süden oder Osten Afghanistans auf, wo die Stellung der Taliban am stärksten ist. Die meisten seiner Ausbildungslager - und Ziele amerikanischer Luftangriffe - befinden sich in dieser Region, auch wenn sie nach dem 11. September weitgehend geräumt wurden. Während die Suche nach dem «US-Staatsfeind Nummer Eins» weitergeht, wollen sich US-Vertreter nicht öffentlich darüber äußern, ob Bin Laden sich im Land bewegt, oder ob er sich seit fünf Wochen in den Bergen versteckt hält. Eine britische Zeitung zitierte Bin Ladens 18-jährigen Sohn, wonach der Islamistenführer mit 300 Kämpfern und Satellitenausrüstung in den Bergen sei und sich in einer Höhle verstecke. Von dort aus leite er sowohl den Widerstand gegen die alliierten Angriffe als auch die Kämpfe gegen die oppositionelle Nordallianz.

Im Visier der US-Geheimdienste

Mindestens zwei Mal hatten US-Geheimdienste Bin Laden in den vergangenen Jahren schon im Visier. Nach den Anschlägen auf US-Botschaften in Nairobi und Daressalam ordnete der damalige US-Präsident Bill Clinton Vergeltungsschläge auf Trainingscamps in Afghanistan an, weil er Geheimdienstinformationen über Bin Ladens Aufenthaltsort hatte. Doch die Marschflugkörper vom Typ Tomahawk verfehlten den Gesuchten und töteten stattdessen 20 Gefolgsleute.

In den letzten Amtstagen Clintons soll ein Militärschlag gegen Afghanistan ernsthaft in Betracht gezogen worden sein, nachdem Geheimdienstinformationen über Bin Ladens Aufenthaltsort vorlagen. Doch aus Furcht vor zivilen Opfern und Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Informationen wurde der Plan fallen gelassen.

Berichte von afghanischen Flüchtlinge oder Gefolgsleuten der Taliban könnten dieses Mal der Schlüssel sei, um Bin Laden zu finden, sagt Geheimdienstexperte Steven Aftergood. Der Gesuchte weiß, dass die Gespräche seines Satellitentelefons abgehört werden könnten und soll seine Botschaften durch Kuriere überbringen, um den Amerikanern zu entgehen. Auch die Nordallianz ist auf der Suche nach Bin Laden, denn sie wirft ihm die Ermordung ihres Anführers vor: Ahmed Schah Massud wurde zwei Tage vor den Anschlägen in den USA bei einem Selbstmordattentat getötet.

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