Spekulationen über Interesse an Applegate
Allianz will angeblich einen US-Vermögensverwalter kaufen

Der Münchner Versicherungskonzern soll an einer Übernahme von Nicholas-Applegate Capital Management interessiert sein. Der Kommentar aus München: "Kein Kommentar."

Reuters FRANKFURT. Die Münchener Allianz AG ist nach Angaben aus Branchenkreisen an einer Übernahme des US-Vermögensverwalters Nicholas-Applegate Capital Management interessiert. Die Allianz führe Gespräche mit dem in San Diago ansässigen Unternehmen, hieß es in den Kreisen am Mittwoch in Frankfurt. Es gebe allerdings noch andere namhafte Kaufinteressenten. "Der Ausgang des Bieterverfahrens ist völlig offen", hieß es. Die Allianz lehnte einen Kommentar zu den Gerüchten ab. Zuvor hatte die Allianz einen durch Verkaufserlöse um 30 % gestiegenen Überschuss für das erste Halbjahr 2000 veröffentlicht. Die Aktien des Versicherers büßten trotz der Neuigkeiten rund 1,6 % auf 376,80 Euro ein.

Im Mai hatte die Allianz bereits die Übernahme des US-Vermögensverwalters Pimco abgeschlossen und damit seine Sparte "Asset Management" erheblich gestärkt. Mit einem verwalteten Vermögen von 45 Mrd. $ (rund 38,7 Mrd. Euro) ist Applegate allerdings ungleich kleiner als Pimco, der Ende Juni 275,6 Mrd. Euro an Anlagen verwaltete. Das gesamte verwaltete Vermögen der Allianz lag zu diesem Zeitpunkt bei 647 Mrd. Euro.

Allianz setzt aufs US-Geschäft

"Applegate wäre ein guter strategischer Fit für das US-Geschäft", sagte WestLB-Panmure-Analyst Carsten Zielke. Er stufte die Allianz-Aktien auf "Neutral" von "Outperformer" herauf und nannte ein Kursziel von 383 Euro. Als Grund verwies er unter anderem auf amerikanische Presseberichte, wonach die Allianz als Favorit unter den Kaufinteressenten für Applegate gehandelt werde. Vor allem habe sich aber das US-Geschäft des Versicherers im ersten Halbjahr gut entwickelt.

"Wir kommentieren Marktgerüchte nicht", sagte ein Allianz - Sprecher zu den Spekulationen auf Anfrage. Nicholas Applegate ist offenbar schon länger auf der Suche nach einem Käufer. Die "Financial Times" hatte bereits im Juni berichtet, der Vermögensverwalter habe eine Investmentbank engagiert, um einen Käufer zu finden, der bis zu 1,5 Mrd. $ bezahlen würde. "Das wäre auch nicht zu teuer", sagte Zielke. Nach dem Verkauf des Publikumsfondsgeschäfts im vergangenen Jahr verwaltet Applegate hauptsächlich institutionelle Aktien-Fonds.

Halbjahresergebnis lag über den Erwartungen der Analysten

Über den Erwartungen der Analysten lagen die Halbjahresergebnisse, die die Allianz am Mittwoch veröffentlichte. Demnach stieg Überschuss nach Goodwill- Abschreibungen und Anteilen Dritter im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 400 Mill. Euro auf 1,6 Mrd. Euro. Allerdings sei ein Großteil der für das gesamte Jahr geplanten Veräußerungsgewinne bereits in der ersten Jahreshälfte verbucht worden, hieß es. Der Gewinn je Aktie verbesserte sich auf 6,51 Euro von 5,03 Euro. Die Experten- Schätzungen hatten zwischen 4,14 und 5,60 Euro gelegen. Unsicherheiten hatte es aber darüber gegeben, welche Verkaufsgewinne der Konzern schon im ersten Halbjahr verbuchen würde. "Der Anstieg ist hauptsächlich auf Sondereffekte zurückzuführen", sagte Zielke. Auch die Allianz führte den deutlichen Anstieg des Ergebnisses vor Steuern und Goodwill von fast 50 % auf 3,6 Mrd. Euro vor allem auf das gestiegene Ergebnis aus Kapitalanlagen zurück. Dieses habe um 36,6 % auf 11,2 Mrd. Euro zugelegt. Angaben über die Höhe der im zweiten Halbjahr verbuchten Verkaufsgewinne machte die Allianz nicht.

Die Bruttobeiträge seien um 5,5 % auf 29,1 Mrd. Euro gestiegen, hieß es. In der Sparte Schaden- und Unfallversicherung erhöhten sich die Bruttobeiträge um 5,2 % auf 20,3 Mrd. Euro, bei den Lebens- und Krankenversicherungen um 6,1 % auf 9,1 Mrd. Euro.

An ihren Prognosen für das Gesamtjahr hielt die Allianz fest. Demnach sollen die Bruttobeiträge um vier Prozent auf rund 56 Mrd. Euro und der bereinigte Jahresüberschuss um zehn Prozent auf 2,2 Mrd. Euro steigen. In dieser Prognose seien aber die positiven steuerlichen Sondereffekte, die sich aus der Steuerreform ergäben, noch nicht enthalten, hieß es.

An der Börse drehten die Aktien nach der Veröffentlichung der Zahlen ins Minus. Durch die Verbuchung der meisten Kaufgewinne im ersten Halbjahr seien für die zweite Jahreshälfte nun keine Steigerungen mehr zu erwarten, begründete Merrill-Lynch-Analyst Karlos van Endert die Marktreaktion. Außerdem sei der Gewinnanstieg hauptsächlich auf das Plus beim Ergebnis aus Kapitalanlagen zurückzuführen. "Das ist ein Finanzergebnis, das kann jeder", sagte er.

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