Spekulationen über mögliche Verbote für brutale Computerspiele
Bei Computerspielfans liegen die Nerven blank

In den Chatforen des Internets ist nach dem Amoklauf in Erfurt eine heftige Diskussion über einen Zusammenhang von Computerspielen und Gewalt entbrannt. Viele Fans so genannter Killerspiele fühlen sich an den Pranger gestellt und wehren sich dagegen, dass Spielsituationen und das reale Leben von vielen gleichgesetzt werden.

Reuters BERLIN. Viele Fans so genannter Killerspiele fühlen sich an den Pranger gestellt und wehren sich dagegen, dass Spielsituationen und das reale Leben von vielen gleichgesetzt werden. "Wahrscheinlich müsste man mich einsperren, ich bin ein potenzieller Attentäter", schreibt ein Computerspielefan unter dem Namen GPAC-Hotzenplotz auf der Website www.das-grosse-beben.de.

"Auch ich spiele derartige Spiele; trotzdem käme ich nicht auf die Idee, mir im Supermarkt den Weg zur nächsten Coladose per abgesägter Schrotflinte freizuschießen", stellt Gonzo-the-Brain im Internet-Forum von www.heise.de/ct/foren klar.

Zwar könnten charakterschwache Jugendliche und "minderbemittelte Erwachsene" ihr Gewaltpotenzial durch so genannte Killerspiele wohl steigern. Aber es gebe eine natürlich Sperre, die Massenmorde wie am Erfurter Gutenberg-Gymnasium normalerweise verhindere. Am Freitag hatte ein 19-Jähriger an seiner früheren Schule 16 Menschen erschossen und dann sich selbst getötet. Er soll ein Fan von gewaltverherrlichenden Computerspielen gewesen sein.

Computerspiele-Party in Erfurt abgesagt

Auch wenn viele in den Chats betonen, das Schießen auf Gegner in der virtuellen Bildschirm-Welt animiere nicht zu realer Gewalt, sehen sich die Fans derzeit in der Defensive. Eine für das kommende Wochenende geplante Computerspiele-Party in der Erfurter Messehalle ist ersatzlos abgesagt worden. Die Veranstalter, von denen einige Schüler des Gutenberg-Gymnasiums waren und die ermordeten Lehrer kannten, sprachen auf ihrer Website www.das-grosse-beben.de den Trauernden ihr Mitgefühl aus. Für die Party hatten sich rund 1500 Fans angemeldet, um ihre Computer direkt miteinander zu vernetzen und gegeneinander zu spielen.

Die Spieler wären "Futter" für die Sensationspresse geworden, vermutet Johannes Jordan im Forum www.lanparty.de. "Die gesamte Lanparty-Szene würde dadurch in der öffentlichen Meinung und bei der Sponsorensuche stark zurückgeworfen." Als Kommentar zu Jordan schreibt ein Spielefan unter dem Namen Azmandius: "Wir können derzeit einfach nichts tun, was uns helfen würde. Wir haben keine große Lobby."

Nur einige Stunden nach dem Massenmord in Erfurt kursierten im Netz erste Spekulationen über mögliche Verbote für brutale Computerspiele. "Ich befürchte, das wird ernste Folgen (Indizierungen und so weiter) haben. Vor allem, weil jetzt gerade auch Wahlkampf ist", schreibt Jarno Radde bei www.google.de unter de.rec.spiele.computer.action. Andere stimmen ihm zu. "Es wird sicherlich kein generelles Verbot von Shootern geben, aber ein Verkaufsverbot an unter 18-Jährige kann ich mir als Konsequenz durchaus vorstellen", schreibt Steffen Ehrt im selben Diskussionsforum.

Bei den Shooter genannten Kampfspielen geht es darum, Gegner zu erschießen. Um sie wird es wohl auch gehen, wenn im Rahmen einer geplanten Neuregelung des Jugendschutzgesetzes über die Eindämmung von Gewalt verherrlichenden Video- und Computerspiele in den nächsten Wochen im Bundestag debattiert wird.

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