Spekulationen über Zinssenkungen
Euro testet Allzeithoch zum Dollar

Spekulationen über eine bevorstehende Senkung der Leitzinsen in den USA haben den Euro am Montag in die Nähe seines Allzeithochs zum Dollar befördert. Die Gemeinschaftswährung verfehlte die Marke von 1,1932 Dollar allerdings knapp und fiel dann Händlern zufolge bedingt durch Optionsgeschäfte wieder zurück.

Reuters LONDON/FRANKFURT. Ein überraschender Rückgang des US-Verbrauchervertrauens habe die Spekulationen über eine weitere Zinssenkung der US-Notenbank Fed angeheizt und die Verluste der US-Währung ausgelöst, sagten Marktteilnehmer. Ein Analyst sagte: "Die Anleger warten auf die Zinssitzung der Fed. Die schwachen Daten vom Freitag bieten derweil den Anlass zum Verkaufen." Am Nachmittag notierte der Euro mit 1,1843/46 Dollar nach 1,1868/74 Dollar zu Handelsschluss am Freitagabend in New York.

Am Vormittag hatte die Gemeinschaftswährung ein Tageshoch von 1,1931 Dollar erreicht. Seit Jahresbeginn hat der Euro zum Dollar damit rund 15 Prozent zugelegt. Im Referenzkursverfahren EuroFX der Banken wurde der Eurokurs mit 1,1872 (Freitag 1,1767) Dollar festgelegt. Die EZB ermittelte den Referenzkurs mit 1,1854 (1,1751) Dollar.

Nach der Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) von 50 Basispunkten Anfang Juni liegt der Schlüsselzins in der Euro-Zone bei 2,0 Prozent. Sollte die US-Notenbank Fed am 25. Juni den zurzeit bei 1,25 Prozent liegenden US-Leitzins ebenfalls senken, würde sich der Vorsprung der Renditen - der sich aus den Leitzinsen ableitet - in der Euro-Zone gegenüber den USA wieder vergrößern und mehr Anleger in den Euro locken. In den Monaten vor der Juni-Zinssenkung der EZB hatte die Gemeinschaftswährung von höheren Renditen profitiert. Die Finanzmärkte rechnen mehrheitlich damit, dass die Fed am 25. Juni den Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf dann 1,00 Prozent reduziert. Der US-Leitzins wäre damit so niedrig, wie seit 1958 nicht mehr.

Massive Arbeitsplatzsorgen der US-Verbraucher trübten im Juni deren Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes im Juni und dämpften damit Hoffnungen auf eine rasche Konjunkturbelebung. Nach vorläufigen Berechnungen der Universität Michigan sank der Verbrauchervertrauensindex auf 87,2 von 92,1 Punkten im Mai. Besonders deutlich trübten sich die Erwartungen der Konsumenten ein. Analysten gehen angesichts dieser Daten von einer Fed-Zinssenkung in diesem Monat aus.Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index der Universität Michigan gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Der private Konsum trägt rund zwei Drittel zum Bruttoinlandsprodukt in Übersee bei und ist damit die größte Stütze der US-Wirtschaft.

Den Anstieg des Euro stufte der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) Otmar Issing in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" als Ergebnis einer vorangegangenen Unterbewertung der Gemeinschaftswährung ein. Vor zwei Jahren habe die EZB die Meinung vertreten, dass der Euro im Vergleich zum Dollar deutlich unterbewertet sei. "Insofern ist das, was wir bisher gesehen haben, vor allem die Korrektur einer Unterbewertung", fügte er hinzu.Auch EZB-Direktoriumsmitglied Tommaso Padoa-Schioppa sieht im derzeitigen Euro-Dollar-Kurs kein ernstes Problem. "Der Wechselkurs macht keine ernsten Sorgen. Er liegt beim langfristigen Durchschnitt", hatte Padoa-Schioppa am Samstag gesagt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%