Spekulationen um Austritt von weiterem Öl
Ölpest vermutlich größer als befürchtet

Das Ausmaß der Katastrophe nach der Havarie des Großtankers "Prestige" im Atlantik ist vermutlich weitaus größer als bislang befürchtet. Bevor das Schiff sank, seien mindestens 20 000 Tonnen giftigen Schweröls ins Meer gelangt, berichtete die Zeitung "El País" am Freitag unter Berufung auf das Krisenkabinett in La Coruña. Das ist doppelt so viel, wie von offiziellen Stellen bislang angegeben.

HB/dpa LA CORUNA/LISSABON. Die portugiesische Marine meldete unterdessen, zudem sei erstmals seit dem Untergang wieder Öl ausgetreten - das Wrack liegt in fast 4 000 Metern Tiefe. Die spanischen Behörden dementierten dies jedoch.

Acht Kilometer von der Untergangsstelle entfernt seien zwei große Ölteppiche gesichtet worden, hieß es. Das Öl stamme vermutlich aus dem Bug der "Prestige" und sei ausgetreten, als der Havarist auf dem Meeresgrund aufschlug, sagte der Leiter des Hydrologischen Instituts in Lissabon, Augusto Ezequiel. Dass weitere Tanks geplatzt seien, schloss er aber aus. Der Tanker war am Dienstag mit etwa 60 000 Tonnen Öl an Bord etwa 250 Kilometer vor der Küste gesunken.

Die spanischen Behörden dementierten, es sei weiteres Öl aus dem Wrack ausgetreten. Die beiden Ölteppiche hätten sich gebildet, bevor das Schiff sank, sagte der Delegierte der Zentralregierung in Galicien, Arsenio Fernández de Mesa. Ein U-Boot soll nun vor Ort den Zustand des Wracks überprüfen. Wann dies geschehen soll, sagte er aber nicht.

Es wurde aber auch gemutmaßt, die Ölteppiche könnten von anderen Schiffen stammen, die die Katastrophe ausnutzten, um altes Öl zu verklappen oder ihre Tanks zu reinigen. In jedem Fall trieb das Öl aber auf die "Todesküste" im Nordwesten Spaniens zu.

Dort behinderte ein Unwetter weiter die Säuberungsarbeiten. Die schwarze Flut erreichte mittlerweile auch die Nordküste Galiciens bei El Ferrol. In der Nacht hatte ein Sturm bereits einen weiteren Ölteppich in Richtung Land getrieben. Er befand sich zuletzt etwa 400 Meter vor der Hafenstadt La Coruña, wie die Behörden mitteilten. Auch dort war zunächst allerdings unklar, ob das Öl tatsächlich aus der "Prestige" stammte. Es wies eine andere Färbung auf, so dass ebenfalls gemutmaßt wurde, es könne von einer Verklappung durch andere Schiffe stammen.

Laut "El País" ist das aus der "Prestige" entwichene Schweröl auch giftiger als vermutet: Es habe einen Anteil von 2,58 % Schwefel, üblich sei in Europa 1,0 %. Die Helfer seien deshalb angewiesen worden, besonders vorsichtig mit dem Öl umzugehen. Mehr als 300 Kilometer Küste sind bereits verseucht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%