Spekulationen um die Zukunft der DAB Bank
HVB schnallt den Gürtel enger

Die Hypo-Vereinsbank verschärft angesichts roter Zahlen den Sparkurs. Die neuen Einsparungen bei der HVB erfassen alle Bereiche der Bank. Verlustbringer sollen auf den Prüfstand. Betroffen sein könnte der Online-Broker DAB Bank. Experten spekulieren über eine Fusion mit der Comdirect.

cbu/ HB MÜNCHEN. Albrecht Schmidt erhöht den Druck. Der Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank (HVB) dringt auf neue deutliche Sparmaßnahmen. "Wir schleppen nach wie vor auch Fettpolster mit uns herum", heißt es in einem internen Schreiben Schmidts an die Führungskräfte der Bank. Es sei "absolute Kostendisziplin" erforderlich. Ziel sei es, die geplanten Kosten von 7,6 Mrd. Euro für das Jahr 2002 deutlich zu unterschreiten. Ein Projektteam beim Vorstand würden den Sparprozess überwachen.

Hintergrund ist die schlechte Lage der Bankbranche. So stürzte die HVB im 2. Quartal diesen Jahres operativ erstmals in die roten Zahlen. Nur ein Sonderertrag aus dem Verkauf von Allianz-Aktien brachte unter dem Strich noch ein Plus. Auch andere Banken haben schwer zu leiden. Die Allianz-Tochter Dresdner Bank legte gerade ein neues Sanierungsprogramm mit dem Abbau von 3000 Stellen auf.

Die neuen Einsparungen bei der HVB erfassen alle Bereiche der Bank. Das wird aus dem Schreiben Schmidts deutlich. So bestehe seit Mai bereits ein genereller Einstellungsstopps. Nur noch der Konzernvorstand und die erste operative Ebene darf Business-Klasse fliegen, Hotelkosten sollen begrenzt werden. Aufsichtsrat-Mandate innerhalb des Konzerns werden ab sofort nicht mehr vergütet, neue Dienstfahrzeuge nicht mehr bestellt und Mobiltelefonkosten ab 50 Euro müssen genehmigt werden. Dazu kommt eine allgemeine Haushaltssperre. Derzeit werden 9100 Stellen gestrichen, ein weiterer Abbau ist nicht ausgeschlossen.

Gleichzeitig sollen die Geschäftsmodelle ausgewählter Töchter überprüft werden, teilte Schmidt mit. Verlustbringer sollen bis Jahresende verkauft, geschlossen oder abgewickelt werden, heißt es in dem Papier, Synergien zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften überprüft werden. Vor allem der Online-Broker DAB Bank könnte betroffen sein, heißt es aus Bankkreisen. Die am Neuen Markt notierte Bank machte im 1. Quartal einen Verlust nach Steuern von rund 18 Mill. Euro.

Die Analysten von West LB Panmure schätzen bereits einen Zusammenschluss von DAB Bank und der Commerzbank-Tochter Comdirect als möglich ein. Dadurch könnten hohe Synergieeffekte entstehen, heißt es. Zudem müssten HVB und Commerzbank, würden sie unter je 50 % der Anteile fallen, die Verluste nur noch anteilig ausweisen. Auf Basis der aktuellen Börsenbewertungen wäre an einem fusionierten Institut die Commerzbank mit knapp 36 %, die HVB mit knapp 30 % und T-Online mit 13 % beteiligt. Die restlichen 21 % wären Streubesitz. Die Aktien von DAB- und Comdirect notierten am Mittwoch nahezu unverändert

Ein DAB-Sprecher sagte gestern, interne Vorgänge der Mutterbank würden nicht kommentiert. Aber die Fakten würden eine klare Sprache sprechen. So mache die DAB bei den Kostensenkungen Fortschritte. Die Zahlen im 2. Quartal, die am 14. August veröffentlicht werden sollen, hätten sich gegenüber dem Vorquartal verbessert. Für 2003 sei die Gewinnzone angepeilt. Die DAB-Aktie hat seit Jahresanfang über 70 Prozent seines Wertes verloren.

Interessant ist dabei, dass auch immer wieder Spekulationen auftauchen, die HVB könnte die Commerzbank ganz übernehmen. Die Münchener Rück, die über 25 % an der HVB hält, ist mit über 10 % auch größte Aktionärin bei der Commerzbank. Schmidt schloss Übernahmen zuletzt angesichts der schlechten Lage der Banken aber aus.

Auf der Verkaufsliste der HVB könnten auch West Hyp in Dortmund und die Württembergische Hypothekenbank in Stuttgart stehen. Zuletzt hatte sich die HVB bereits von der Westfalenbank in Essen getrennt. Die Privatbanken Bethmann und Maffei sollen fusioniert werden. Zum Konzern gehört auch die Konsumentenkredit-Banken Norisbank.

Die zweitgrößte Bank in Deutschland kündigte gestern zudem an, den freien Aktionären bei der Immobilientochter HVB Real Estate Bank ein Übernahmeangebot zu machen. Dabei werden 21 Euro je Aktie geboten - etwa 50 % über den Kurs vom Dienstag. Das Angebot wird der HVB etwa 210 Mill. Euro kosten. Die HVB Real Estate Bank ist im September 2001 aus der Fusion von Nürnberger Hypothekenbank, Süddeutscher Bodencreditbank und Bayerischer Handelsbank entstanden. Mit der vollständigen Übernahme sollen die Strukturen gestrafft werden, hieß es. Die Immobilientochter, die sich auf das Geschäft mit professionellen Immobilienvermittlern konzentriert, hatte zuletzt einen Verlust ausgewiesen. Die HVB-Aktie rutschte gestern auf unter 20 Euro ab.

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