Spekulationen um Einstieg der RTL-Group
Viva sucht einen starken Partner

Die Spekulationen um einen Einstieg der RTL-Group bei der Viva Media AG reißen nicht ab. Schon innerhalb weniger Wochen sollen Entscheidungen fallen. Ein Sprecher der zum Bertelsmann-Konzern gehörenden RTL-Group in Luxemburg wollte die Spekulationen nicht kommentieren. Ein Viva-Sprecher erklärte gestern gegenüber dem Handelsblatt: "Wir haben keinen Grund mit jemanden nicht zu sprechen."

HANDELSBLATT KÖLN. In einer Pflichtmitteilung erklärte das Kölner Medienunternehmen, der TV-Sender Viva II mit seiner nun maximal technischen Reichweite "strategisch neu positioniert und auf weiteres Wachstum ausgerichtet" werde. Inhaltlich solle der Sender, der sich auf eine Zielgruppe jenseits des jugendlichen Mainstreams konzentrierte, sich stärker für den Lifestyle-Bereich öffnen. Dazu braucht Viva II entsprechende Programminhalte und führt deshalb Gespräche mit strategischen Partnern aus der Medienbranche.

Das Interesse der zu Bertelsmann gehörenden RTL-Group an Viva und dem neu auszurichtenden Sender Viva II ist naheliegend. Der ursprünglich als "strategisches Tool gegen MTV" ins Leben gerufene Kanal könnte zu einem Entertainment-Spartensender um Themen wie Sport, Reisen oder Computer weiterentwickelt werden. Damit könnte die RTL-Senderfamilie (RTL, RTL II, Super RTL und Vox) der Kirch-Gruppe Paroli bieten, die den Sender tm3 in ebendiese Richtung entwickeln will.

Nachdem Viva bereits seit Oktober 2000 über den Astra-Satelliten sendet, und auch seit wenigen Wochen nun Viva II ausgestrahlt werde, verfügten nun beide Kanäle über eine nahezu maximale technische Reichweite in Deutschland, teilte Viva gestern mit. Der Aktienkurs des am Neuen Markt notierten Unternehmens sank bis gestern Nachmittag unter 11 Euro - ein Minus von mehr als 4 %.

Dass die Meldung von Viva-Chef Dieter Gorny ausgerechnet Dienstag erfolgte, ist sicher kein Zufall. Denn seine Rivalin, die MTV-Chefin Christiane zu Salm, hatte gestern ihren letzten Auftritt bei dem Münchner Musiksender. Die Nachfolge für die Medienmanagerin, die künftig den Spartensender tm3 und einen Reisekanal der Hot Networks AG leiten wird, ist geregelt. Catherine Mühlemann wird die neue Geschäftsführerin von der MTV Networks GmbH ernannt. Die 34-Jährige tritt am 1. Mai ihre neue Stelle in München an. An Arbeit wird es der gebürtigen Schweizerin nicht fehlen. So solle sie die europäische Strategie von MTV Europe im deutschsprachigen Markt vorantreiben. In ihren Verantwortungsbereich fallen neben den Fernsehsendern MTV Central und VH-1 Deutschland auch die Internet-Aktivitäten mtvhome.de und vh-1.de. Vor allem soll sie die inhaltliche Konvergenz auf den Plattformen Fernsehen, Computer oder Handy umsetzen.

Wer tatsächlich die Marktführerschaft im deutschen Musik-TV-Business erobert hat, darüber streiten sich beiden Kontrahenten seit Jahren. Viva erklärte gestern auf der Basis einer Analyse von Infratest Burke, dass im Januar 2001 die Tagesreichweite von Viva bei den 14- bis 49-Jährigen auf rund 5,2 Mill. Zuschauer gestiegen sei; MTV erreiche jedoch nur knapp 3,7 Millionen. Laut Allensbacher Werbeträgeranalyse von vergangenen Sommer erreichte MTV 4,54 Mill. Zuschauer, Viva 4,37 Millionen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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