Spekulationen um Leitzins-Senkung
Schröder: Euro-Aufwertung dämpft deutsche Konjunktur

Der stark gestiegene Euro-Kurs hat nach Worten von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) der deutschen Wirtschaft geschadet und birgt weitere Risiken für sie. Schröder äußerte damit erstmals öffentlich Sorge über die Euro-Stärke.

Reuters BERLIN. "Bereits heute dämpft sie die konjunkturelle Entwicklung, da deutsche Produkte außerhalb der Euro-Zone teurer werden", sagte Schröder der russischen Nachrichtenagentur Interfax nach einer Mitteilung des Bundespresseamts vom Freitag. Zwar sei der Euro nach einhelliger Meinung bisher deutlich unterbewertet gewesen, und seine Aufwertung trage daher zu einer Normalisierung des Wechselkursniveaus bei. "Sollte sich die schnelle Aufwertung des Euro weiter fortsetzen, birgt sie aber für die Exportnation Deutschland auch Risiken", betonte der Kanzler. "Trotzdem ist die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft heute nicht schlechter als vor der Euro-Einführung." Zu Beginn dieser Woche war der Euro auf knapp 1,20 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit rund vier Jahren gestiegen. Am Freitagmittag lag der Kurs bei 1,1835 Dollar.

Mehrere exportorientierte deutsche Unternehmen etwa aus der Auto- oder der Pharmabranche mussten zu Beginn des Jahres wegen des starken Euro Gewinneinbußen hinnehmen. Da der starke Euro die Importe wie etwa Öl verbilligt, ist die Inflationsrate in Deutschland stark zurückgegangen. Wirtschaftsexperten erwarten daher, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bereits bei ihrer nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag den Leitzins senkt.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte noch am Mittwoch gesagt, die deutsche Exportwirtschaft sei stark genug, mit dem gestiegenen Euro-Kurs umzugehen. "Es ist kein so schlechtes Zeichen, dass der Euro seine Stärke beweist." Clement hatte auch betont, bei seiner USA-Reise Mitte des Monats habe er weder von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan noch von Finanzminister John Snow Signale erhalten, dass die USA an einem schwachen Dollar interessiert seien.

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