Spekulationen um Tathergang
Taliban töten oppositionellen Milizenführer

Die radikal- islamischen Taliban haben in Afghanistan am Freitag einen prominenten Oppositionellen gefasst und umgehend standrechtlich erschossen. Ein Sprecher des Informationsministeriums in Kabul sagte: "Die Taliban haben Abdul Hak gemeinsam mit zwei weiteren Leuten getötet." Der geistliche Führer der Taliban, Mullah Mohammad Omar, rief über die Nachrichtenagentur AIP innerhalb von 72 Stunden weltweit zu Demonstrationen auf.

Reuters KABUL/WASHINGTON. Nach Feststellungen des tschechischen Innenministeriums hatte der mutmaßliche Attentäter auf das World Trade Center, Mohammad Atta, Kontakt zu einem irakischen Agenten. Dies nährte Spekulationen, Atta könne vom Irak Milzbrand-Erreger erhalten haben. Auch beim CIA wurden Milzbrand-Erreger festgestellt.

Der Sprecher des Taliban-Informationsministeriums sagte, nach dem Urteil des Rates der Korangelehrten, der Ulema, unterliege jeder, der die USA unterstütze, der Todesstrafe. Erziehungsminister Amir Muttaki sagte, die drei Leichen würden den Angehörigen übergeben. Nach den Angaben wurde Hak am Rande Kabuls um 13.00 Uhr Ortszeit erschossen. Eine unabhängige Bestätigung hierfür gab es nicht.

Ein Taliban-Sprecher hatte zuvor zur Gefangennahme erklärt: "Wir haben zwei Tage lang heimlich den Platz umstellt, an dem sich Hak und seine Anhänger versteckt hielten." Hak, der in den Kämpfen mit dem sowjetischen Militär den rechten Fuß bei einer Minenexplosion verloren hatte, habe versucht, auf einem Pferd zu fliehen. US-Hubschrauber hätten die Taliban-Kämpfer unter Beschuss genommen, um Hak die Flucht zu ermöglichen. Er sei aber trotzdem gefasst worden.

Hak gehörte zu den Mudschahedin

Sein jüngerer Bruder Daud Abdullah sagte Reuters im pakistanischen Peshawar: "Wir glauben diesen Nachrichten noch nicht. Es ist fürchterlich." Der 43-jährige Abdul Hak gehörte zu den führenden Mudschahedin (Gotteskriegern), die von 1979 bis 1989 mit Unterstützung des Westens gegen die sowjetischen Truppen gekämpft hatten. Im September kehrte er in die Politik zurück und bemühte sich um die Unterstützung der Paschtunen, der größten afghanischen Volksgruppe, für den früheren König Mohammed Sahir Schah, der in Rom im Exil lebt.

Omar rief nach einer Meldung der in Pakistan ansässigen Nachrichtenagentur AIP weltweit zu Demonstrationen auf. Seine Sympathisanten sollten innerhalb der nächsten 72 Stunden Protestkundgebungen abhalten, zitierte AIP aus einem Tonband Omars, das von dessen Sprecher übergegeben worden sei.

Der mutmaßliche Selbstmordattentäter auf das World Trade Center, Atta, traf sich nach Aussagen des tschechischen Innenministers Stanislav Gross im April 2001 (korrekt) in Prag mit dem irakischen Agenten Ahmad Chalil Ibrahim Samir. Gross sagte vor der Presse in Prag, der Diplomat Samir sei später ausgewiesen worden. "Die Einzelheiten des Treffens werden untersucht." Die "Bild"-Zeitung hatte unter Berufung auf israelische Geheimdienstkreise berichtet, Atta habe in Prag vom irakischen Geheimdienst Milzbrand-Erreger erhalten und in die USA gebracht.

Verwicklung des Irak?

Milzbrand-Erreger wurden inzwischen auch in der Poststelle des US-Geheimdienstes CIA gefunden. Auch eine zentrale Postumschlagstelle im New Yorker Stadtteil Manhattan wurde abgeriegelt, nachdem an vier Sortiermaschinen die so genannten Anthrax-Erreger entdeckt worden waren. US-Sicherheitsminister Tom Ridge sagte, man habe es mit einem Feind im Dunkeln zu tun, dem es auf Menschenleben nicht ankomme. Vizepräsident Dick Cheney sagte, über die Absender der Erreger und Zusammenhänge mit den Anschlägen vom 11. September sei nichts bekannt.

Spekulationen richten sich auf eine Verwicklung des Irak in die Vorfälle. Allerdings erklärte etwa Senator Bob Graham, bislang gebe es keine Indizien für eine Rolle Iraks bei den Milzbrand-Fällen und den Anschlägen vom 11. September. Der Zivilschutz auf Malta erklärte am Freitag, man überprüfe einen Brief aus Irak auf Milzbrand-Spuren, der an einen Schlachthof geschickt worden sei. Der Brief enthalte eine pudrige Substanz.

US-Präsident George W. Bush unterzeichnete am Freitag ein neues "Anti-Terror-Gesetz", dass der Bundespolizei FBI erweiterte Befugnisse gewährt. Bush sagte in Washington, dies werde helfen, Terroristen zu entdecken, ehe sie zuschlagen könnten. Die Zahl der Milzbrand-Erkrankungen nahm in den USA weiter zu. "Wir haben heute im Außenministerium unseren ersten Milzbrandfall", sagte US-Außenminister Colin Powell am Donnerstagabend. Die US-Gesundheitsbehörde hatte kurz zuvor mitgeteilt, mittlerweile seien elf Fälle von Milzbrand bestätigt, bei vier weiteren Fällen bestehe der Verdacht darauf.

Bei den Luftangriffen auf Kabul in der Nacht zum Freitag sollen sieben Menschen getötet worden sein, wie die Taliban mitteilten. Nach Rot-Kreuz-Angaben wurden dabei auch erneut drei Warenlager von Bomben getroffen und in Brand gesetzt. Cheney kündigte weitere Militäroperationen an. Die Luftangriffe hätten den Weg dafür frei gemacht. "Was als Nächstes kommt, erfahren die Taliban und die El-Kaida-Terroristen erst, wenn es geschieht.

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