Spekulationen um Verkäufe der Deutschen Bank
Borussia-Aktie: Interview mit Manager Meier

Borussia Dortmund ist Deutschlands erster börsennotierten Fußballclub. Der Gewinn der Meisterschaft 2002 hat dem Aktienkurs bislang noch nicht geholfen.

Herr Meier, hat es Sie enttäuscht, dass die Börse ziemlich kühl auf den Gewinn der deutschen Meisterschaft reagiert hat?

Nun ja, immerhin befinden wir uns in guter Gesellschaft. Der Kurs von Mancherster United brach nach dem Sieg in der Champions League sogar ein. Investoren fürchteten bei den Engländern offenbar außerordentliche Prämienzahlungen an die Mannschaft oder fanden, dass nun kein höheres sportliches Ziel mehr zu erreichen war. Also stießen sie die Aktie ab. Ob das auch bei uns der Fall war, weiß ich nicht. Wir werten es als positiv, dass es bei uns immerhin sehr hohe Umsätze in der Aktie gab: von durchschnittlich 25 000 haben wir uns in den letzten 30 Tagen auf 56 000 Stück pro Tag gesteigert. Das Interesse an der Aktie ist offenbar da. Bei uns haben sich auch größere Investoren gemeldet, mit denen wir den Kontakt halten. Unsere Botschaft ist klar: Wir sind unterbewertet und liegen in der Notierung unterhalb des Eigenkapitals, ein Einstieg ist daher sinnvoll.

Mitunter kann man den Eindruck gewinnen, dass Ihr Konzept vom "Kommerz mit Herz" bei den Fans besser ankommt als auf dem Kapitalmarkt. Was unternehmen sie, um hier Gehör zu finden?

Wir versuchen, uns kapitalmarktkonform zu präsentieren, gehen natürlich auf Roadshows, besuchen Analysten und Investoren. Insgesamt trägt unsere Investor-Relations-Arbeit Früchte, Mit unserer Unternehmensstrategie haben wir immer mehr Erfolg. Vor kurzem ist zum Beispiel eine positive Studie der Hypo-Vereinsbank über uns erschienen, ohne dass das Haus mit uns in irgendeiner geschäftlichen Beziehung steht. Auch der englische Markt schaut interessiert auf die Borussia-Aktie.

Am Markt heißt es: Jede auch noch so geringe Kurserholung der Dortmund-Aktie wird von der Deutschen Bank dazu genutzt, sich von Teilen ihres rund 25-prozentigen Anteils zu trennen. Ist das richtig?

Die allgemeine Aussage des ehemaligen Vorstandschefs Breuer ist ja bekannt: Man will sich von allen Beteiligungen lösen. Letzte Pflichtmeldungen zeigen, dass die Bank ihr Paket bereits insgesamt von rund 27 Prozent auf 24,9 Prozent reduziert hat. Ob aber die deutsche Bank hinter den jüngsten Verkäufen steht, ist Spekulation. Mit uns ist das jedenfalls nicht abgesprochen. Wir sind natürlich im Kontakt mit dem Institut.

Die Kirch-Krise dürfte sich ebenfalls negativ auf die Aktie ausgewirkt haben. Wie reagieren Sie auf die Ungewissheit?

Banker würden sagen, wir sind noch nicht am Ende des Tages. Es ist noch nicht gesagt, dass die noch fehlenden 68 Millionen Euro Fernsehgelder für die erste und zweite Liga nicht fließen. Grundsätzlich muss man sagen, dass wir in der Bundesliga ein Produkt anbieten, dass absolut werthaltig ist: Kaum ein nationaler Star ist aus der Liga gewechselt, internationale Größen wie Lucio und Amoroso sind sogar im letzten Jahr zu uns gekommen, Leverkusen und Dortmund waren in internationalen Endspielen. Bei einem guten Produkt tritt jetzt neben Kirch auch noch Kloiber als Nachfrager auf, das wird sich eher positiv auf den Preis auswirken. Zudem wird es wohl noch ein drittes Angebot einer Investorengruppe geben. Dortmund trifft die Kirch-Insolvenz auf keinen Fall so hart, dass die Grundfesten des Unternehmens erschüttert sind.

Es gibt also noch keine Pläne, die Fernsehrechte selber zu vermarkten?

Dazu fehlt uns die Finanzkraft. Ich denke aber, dass sich die Liga durchaus mit einem strategischen Partner zusammentun kann, um einen Bezahl-Fernseh-Bereich aufzubauen. Fehlende Einnahmen aus der Free-TV-Vermarktung könnten so kompensiert werden.

Rechnen Sie damit, dass die Spielerbezüge sinken werden?

Ja. Als die lukrativen Verträge mit Kirch ausgehandelt wurden, haben die Spieler ihren Anteil eingefordert. Jetzt müssen sie auch Abstriche machen, wenn die Fernsehgelder geringer ausfallen. Aber dazu ist auch die Bereitschaft der Spieler da, weil die gerne bei uns in der Bundesliga Fußball spielen. Die können die Kuh natürlich nur so lange melken, wie sie auch noch Milch gibt. Und der Transfermarkt liegt wegen der Ungewissheit ohnehin brach, dies gilt übrigens auch international.

Wie verläuft die Entwicklung des Unternehmens außerhalb des Spielbetriebs?

Sehr positiv. Der Beitrag der fußballnahen Geschäftsfelder wie der des Sportausrüsters Gool oder der des Reiseveranstalter Best ist von sieben Prozent des Gesamtumsatzes auf 11,7 angestiegen. Das ist beachtlich, weil der Umsatz auch insgesamt zugelegt hat. Unser Ziel ist ein Anteil von 30 Prozent.

Bis wann?

Eine feste Zeitplanung gibt es nicht.

Analysten erwarten für das am 30. Juni endende Geschäftsjahr einen Umsatz von 115 Millionen Euro. Halten Sie diese Schätzung für realistisch?

(kurze Pause) Ja.

Das klang etwas zögerlich . . .

Das Geschäftsjahr ist noch nicht abgeschlossen, und vielleicht wirkt sich die Vermarktung der Deutschen Meisterschaft noch positiv aus, was zum Beispiel Werbeverträge angeht

Abschließend noch eine Frage zur kommenden Fußball-WM: Wie ist Ihre Prognose für die deutsche Mannschaft, und wer wird Weltmeister?

Nach den Ausfällen wird es für Deutschland nicht einfach. Die Vorrunde sollten sie schaffen. Alles, was darüber hinaus geht, ist als Erfolg zu werten. Zum WM-Tipp: Argentinien ist auf jeden Fall in einer starken Form und hat nicht zu Unrecht die Favoritenrolle.

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