Spekulationen um Zerschlagung der Kirch-Gruppe
Schröder schmiedet Bündnis gegen Murdoch

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich nach einem Bericht des Magazins "Spiegel" mit deutschen Medienunternehmen und der Deutschen Bank darauf verständigt, dass der Medienunternehmer Rupert Murdoch keinen publizistischen Einfluss in Deutschland erhalten soll.

dpa/rtr MÜNCHEN/BERLIN. Die Spekulationen über eine bevorstehende Aufteilung der angeschlagenen Kirch-Gruppe werden immer konkreter. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer, Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und WAZ-Miteigentümer Erich Schumann hätten sich bei einem Geheimtreffen in Hannover auf eine nationale Lösung verständigt, um einen stärkeren Einfluss des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch auf dem deutschen Markt zu verhindern, berichtete der "Spiegel" am Freitag in einer Vorabmeldung.

Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye dementierte jedoch, dass sich Bundeskanzler Gerhard Schröder bei Geheimgesprächen mit Banken für eine nationale Lösung eingesetzt habe. "Die Bundesregierung ist kein Akteur und der Bundeskanzler auch nicht", sagte Heye am Freitag vor der Bundespressekonferenz. "Wir haben keinen Einfluss, wer in dieses Spiel hereinkommt oder wer aus diesem Spiel herausgeht."

Der SPD-Fraktionsvorsitzende in Bayern, Franz Maget, versicherte hingegen, dass sich Schörder für eine nationale Lösung zur Rettung der Kirch-Gruppe ausgesprochen habe. In einem Telefonat habe Schröder ihm gegenüber auch bestätigt, telefonischen Kontakt mit Banken zum Thema Kirch gehabt zu haben, so Maget. Es sei aber Aufgabe der Banken, eine Lösung für Kirch zu finden, habe Schröder gesagt. Ein Treffen von Schröder mit Vertretern von Banken und Medienunternehmen in Hannover, über das der "Spiegel" berichtet hatte, habe es aber nicht gegeben. "Das ist eine Falschmeldung", sagte Maget.

WAZ-Gruppe könnte bei Springer einsteigen

Bei der Kirch-Gruppe war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Dem "Spiegel"-Bericht zufolge soll Leo Kirch im Rahmen einer nationalen Lösung nur noch in der Rolle eines Minderheitsgesellschafters aktiv bleiben. Murdoch könne möglicherweise das Ruder bei Premiere ganz übernehmen. Falls auch die 40-prozentige Springer-Beteiligung Kirchs zum Verkauf stehe, wolle die WAZ-Gruppe einsteigen. Geschäftsführer Schumann habe Verlagserbin Friede Springer angeboten, die WAZ-Gruppe werde sich dann um die Betriebsabläufe kümmern, die publizistische Hoheit des Verlags aber nicht antasten. Friede Springer sagte dem Magazin, eine Veränderung der Aktionärsstruktur stehe nicht zur Debatte. "Die Mehrheit am Axel Springer Verlag steht heute und auch in Zukunft unter keinen Umständen zur Verfügung. Und wenn es je Veränderungen gäbe, würde ich eher noch ein paar Prozent dazu kaufen.

Die Fernsehfamilie um Pro-Sieben-Sat.1 wird laut "Spiegel" aus kartellrechtlichen Gründen möglicherweise an verschiedene Anbieter verkauft. Der Pro-Sieben-Sat.1-Aktienkurs legte daraufhin um 19 % auf 6,65  Euro zu. Die Banken sollten dem Plan zufolge auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Baldige Entscheidung wahrscheinlich

In Bankenkreisen gilt eine baldige Entscheidung über die Zukunft der KirchGruppe als wahrscheinlich. Springer fordert rund 770 Mill. Euro Kirch für ein Pro-Sieben-Sat.1-Paket. Schon dieses Geld kann Kirch wohl nicht auftreiben. Im April läuft zudem ein Kredit der Dresdner Bank aus, der Ende 2001 kurzfristig verlängert wurde. Murdoch signalisierte zudem, dass er seine Option ziehen und im Herbst gegen eine Milliardenzahlung seinen Premiere-Anteil an Kirch zurückgeben will.

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