Spekulationen um Zinsschritt haben sich weiter verstärkt
Fed-Vertreter geben kein eindeutiges Zinssignal

Hochrangige Fed-Vertreter haben am Mittwoch vor anhaltenden Konjunkturrisiken in den USA gewarnt, zugleich jedoch ihre Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung im 2. Halbjahr bekräftigt und damit die Finanzmärkte über eine weitere US-Zinsenkung im Unklaren gelassen.

Reuters WASHINGTON. Der Fed-Präsident von Chicago, Michael Moskow, verwies auf die schwache Konsumentennachfrage und das schlechte Geschäftsklima sowie die hohen Energiepreise in den USA, die die US-Konjunktur beeinträchtigten. Zugleich bekräftigte er jedoch, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr wieder an Fahrt gewinnen werde. Sein Kollege aus Atlanta, Jack Guynn, erklärte indes, es sei nicht Aufgabe der Fed, die Aktienmärkte zu steuern. US-Notenbankpräsident Alan Greenspan selbst äußerte sich am Nachmittag bei einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des US-Senats nicht zur Wirtschafts- und Zinsentwicklung in den USA.

Die Spekulationen um eine weitere Zinssenkung der Fed hatten sich angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten und der zuletzt starken Kursverluste an den US-Aktienbörsen wieder verstärkt. Die US-Börsen hatten am Dienstag auf breiter Front stark an Boden verloren und sich bis zum Mittwochabend nicht von ihrer Talfahrt erholt. Der Dow Jones-Index notierte am Abend kaum bewegt, nachdem er am Vortag knapp drei Prozent verloren hatte. Der technologielastige Nasdaq-Index setzte seine Talfahrt fort und lag am Abend knapp zwei Prozent im Minus, nachdem er am Dienstag über sechs Prozent eingebüßt hatte.

Guynn sagte jedoch, es sei nicht Sache der Notenbank, mit der Geldpolitik die Aktienmärkte zu beeinflussen, auch wenn diese ein Faktor bei Zinsentscheidungen sein könnten. "Die Geldpolitik ist nicht der Schwanz, der mit dem Bullen wedelt - oder in diesem Fall mit dem Bären", fügte er unter Anspielung auf die an den Finanzmärkten üblichen Begriffe für Aktienboom und Kursrutsch hinzu. Die Aktienkurse würden von den wirtschaftlichen Fundamentaldaten der gesamten Volkswirtschaft bestimmt und nicht umgekehrt. So lange die derzeitige Korrektur der Aktienkurse nicht beginne, die Aktionsfähigkeit des Finanzsystems wie im Jahr 1987 zu beeinträchtigen, erfordere sie keine Konsequenzen der Geldpolitik oder andere wirtschaftliche Anpassungen. Die Basis der amerikanischen Wirtschaft sei solide, auch wenn sie derzeit eine Schwächephase durchlaufe, sagte Guynn weiter.

Nach Einschätzung von Fed-Gouverneur Moskow hat sich die US-Wirtschaft zwar abgeschwächt, befindet sich deshalb aber nicht notwendigerweise in einer Rezession. "Wenn man sich die US-Wirtschaft zurzeit ansieht, ist das Risiko einer Konjunkturschwäche größer als das einer Inflation", sagte Moskow auf einer Unternehmerveranstaltung in Rockford nahe Chicago am Mittwoch laut vorab verbereitetem Redetext. "Doch das bedeutet nicht notwendigerweise, dass wir in einer Rezession sind. Es bedeutet aber, dass unsere Wirtschaft unter ihrem Potenzial arbeitet", fügte er hinzu. Die mögliche Abschwächung anderer Volkswirtschaften stelle eine Gefahr für die US-Wirtschaft dar. Risiken gingen auch von der schwachen Konsumentennachfrage, dem Geschäftsklima und den hohen Energiepreisen aus.

Die Konjunktur werde jedoch im zweiten Halbjahr bereits wieder an Fahrt gewinnen, bekräftigte Moskow die offizielle Einschätzung der US-Notenbank (Fed). Allerdings sei es schwierig zu sagen, ob die Wirtschaftsverlangsamung derzeit bereits ihren Boden erreicht habe. In einem solchen Umfeld müsse die Fed "besonders wachsam" sein.

Der Fed-Präsident von Dallas, Robert McTeer, äußerte sich unterdessen zurückhaltend über das US-Wachstum im ersten Quartal dieses Jahres. "Es sieht nach einem sehr, sehr langsamen Wachstum (im 1. Quartal dieses Jahres) aus", sagte McTeer auf einer Bankenveranstaltung in der texanischen Hauptstadt Austin.

Eine offizielle US-Wachstumsschätzung für das 1. Quartal liegt derzeit noch nicht vor. Im vierten Quartal vergangenen Jahres war die US-Wirtschaft mit einer Jahresrate von lediglich einem Prozent gewachsen und hatte sich damit drastisch verlangsamt.

Moskow ist derzeit stimmberechtigtes Mitglied in dem für die Zinspolitik verantwortlichen Offenmarktausschuss der Fed. Guynn und McTeer gehören als Fed-Gouverneuer zwar dem Offenmarktausschuss an, haben in diesem jedoch wegen der rotierenden Vergabe derzeit kein Stimmrecht bei Zinsentscheidungen. Der Ausschuss wird am 15. Mai wieder zusammentreffen. Der Leitzins in den USA liegt derzeit bei 5,00 Prozent.

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