Spekulationen um Zinssenkung
Sorge über europäische Konjunktur belastet Euro

Durch den Einbruch des Ifo-Indexes ausgelöste Sorgen über die konjunkturelle Entwicklung in Europa haben am Montag den Euro belastet. Die Gemeinschaftswährung tendierte schwächer und entfernte sich dabei weiter von der 0,90-$-Marke, unter die sie am Freitag gerutscht war.

rtr FRANKFURT. Händler zeigten sich erneut verwundert, dass der Euro nicht von der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit seit den Anschlägen am 11. September profitiert. Spekulationen über eine Zinssenkung bei der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Reaktion auf das schlechte Geschäftsklima unterstützten den Euro jedoch auf seinem derzeitigen Niveau, hieß es. Auch gegen andere Währungen zeigte sich die US-Währung robust. Gegen das Pfund stieg der Dollar auf ein Zwei-Monatshoch.

Gegen 11.10 Uhr MESZ kostete der Euro 0,8975/80 $ nach einer Schlussnotiz am Freitag in New York von 0,8986/91 $. Ein Dollar kostete 1,6445/51 Franken nach einem Kurs von 1,6422/26 vor dem Wochenende.

Das schlechte Geschäftsklima in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone hat nach Einschätzung von Analysten die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, dass die EZB die Konjunktur mit einer Zinssenkung ankurbeln könnte. Der Devisenmarkt spiele sogar zunehmend mit dem Gedanken einer baldigen Zinssenkung um 50 Basispunkte, hieß es. "Es gibt hier ganz klar das Gefühl, dass sich der Euro abschwächen könnte, wenn die EZB nicht diese Woche oder in zwei Wochen die Zinsen um 50 Basispunkte senkt", sagte Brendan Brown von Bank of Tokyo-Mitsubishi in London. Der Ifo-Geschäftsklima-Index für Westdeutschland war am Freitag überraschend deutlich auf 85,0 (August: 89,5) Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit knapp acht Jahren gefallen.

Dass der Dollar-Kurs die Anschläge am 11. September und deren Folgen weitgehend unbeschadet überstanden habe, stellt nach Einschätzung einiger Analysten die längerfristigen Aussichten für den Euro in Frage. "Die US-Wirtschaft steht am Rande einer Rezession, es gibt eine Riesen-Unsicherheit und der Dollar ist immer noch ziemlich widerstandsfähig ... wenn sie den Dollar nicht jetzt verkaufen, wann dann?", fragte Audrey Childe-Freeman von CIBC World Markets. Die längerfristigen Anlageperspektiven in den USA würden offenbar weiter besser eingestuft als in der Euro-Zone. Entschiedenes Vorgehen von Politik und Notenbank mache zudem eine baldige Erholung der US-Wirtschaft wahrscheinlich, hieß es.

Die Stärke des Dollar spiegelte sich auch im Kurs des britischen Pfund wider, das auf ein Zwei-Monatstief fiel. "Viele Leute, die zuvor einen Rückgang des Dollar erwartet hatten, sind auf die Geschichte von der widerstandsfähigen US-Wirtschaft aufgesprungen", sagte Bobby Jasper von der Fuji Bank in London. Ein Pfund kostete zwischenzeitlich 1,4315 $ und damit so wenig wie seit Mitte August nicht mehr. Gegen den Euro blieb das Pfund stabil. Der Dollar kostete 121,50/51 Yen nach 121,14/22 Yen am Freitagabend in New York.

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