Spendensaison
Die Rendite des Teilens

Martin von Tours, geboren 316 nach Christus, hätte die Bettler und Obdachlosen am Rande der großen deutschen Einkaufsmeilen bestimmt nicht ignoriert. An einem eisigen Wintertag hat er nahe Amiens einem Bettler die Hälfte seines Wintermantels geschenkt. Davon ist er auf keinen Fall arm geworden. Im Gegenteil, Spenden und Wohlstand gehören zusammen, glauben Soziologen und Psychologen.

Spätestens seit den St. Martinsumzügen am vergangenen Wochenende ist die Saison des Teilens eingeläutet. 3,4 Mrd. Euro haben Bundesbürger im vergangenen Jahr gespendet, ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Infratest. 29 Millionen Menschen stifteten hierzulande im Schnitt 119 Euro pro Person, ein neuer Rekord.

Sicher, mit den 58 Mill. Dollar, die die US-Talkmasterin Oprah Winfrey 2006 für soziale und humanitäre Projekte locker machte sind solche bescheidenen Summen nicht zu vergleichen. Winfrey gab damit rund ein Viertel ihres Jahreseinkommens her. Wer sich in schlichteren Einkommensklassen bewegt, kann sich solche Prozentsätze natürlich nicht leisten. Aber auch kleinere Summen kommen an - nicht nur bei den Wohltätigkeitsorganisationen. Sie zahlen sich auch für den Spender aus.

Mit Spenden bringt sich der Gebende schon rein psychologisch in die Gewinnzone. Das Geld rinnt nicht mehr einfach davon, der Spender lenkt sehr bewusst, wo es hingehen soll. "Wer gerne spendet, erzielt in Sachen Geld einen ungeheuren Machtzuwachs", sagt die Publizistin Gertrud Höhler, "wenn wir spenden, beteiligen wir uns an Projekten, die viel größer sind als wir." Wer spendet, werte auch sich selbst auf, sagen Psychologen. Außerdem zwinge das Teilen den Geber, sich genauer darüber Gedanken zu machen, wofür er sein Geld ausgibt.

"Menschen , die gerne spenden, haben eine andere Haltung zum Geld", sagt Höhler. Außerdem schafft Spenden auch soziales Prestige. In einem Feldversuch mit einer Gruppe von Studenten haben Gruppenmitglieder, die an Unicef spendeten, einen größeren Prestigegewinn erzielt, als andere, die nur Mitgliedern etwas schenkten.

Längst haben Banken und Vermögensverwalter eigene Abteilungen eingerichtet, die ihren wohlhabenden Kunden helfen, eine Stiftung zu gründen oder die besten Projekte für Wohltaten auszusuchen. Für Anfänger reicht auch schon eine Organisation wie das Rote Kreuz oder "Brot für die Welt". Ein paar Münzen in der Tasche für den nächsten Bettler sind auch schon eine gute Übung. Auch wenn das Geben auf der Straße besonders schwer fällt. Es wirft ganz sicher seinen Zins ab.

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