Sperrbezirk in Verden aufgehoben
EU-Veterinäre gestatten Lockerung des MKS-Impfverbots

Reuters BRÜSSEL. Der Ständige Veterinärausschuss der Europäischen Union (EU) hat am Freitag den Niederlanden im Kampf gegen die Maul- und Klauenseuche (MKS) die Lockerung des unionsweit geltenden Impfverbots gestattet. Der Ausschuss teilte mit, in den Niederlanden dürfe im Umfeld des Seuchenherdes in Sonderfällen und im begrenzten Ausmaß geimpft werden. Allgemeine Impfungen blieben aber ausgeschlossen. Der Verdacht auf MKS im niedersächsischen Kreis Verden galt nach vorläufigen Untersuchungen am Freitag bereits als nahezu ausgeräumt. Die Behörden hoben am den am Donnerstag eingerichteten Sperrbezirk am Abend wieder auf.

Die Empfehlung der EU-Veterinäre gilt als richtungweisend für die künftige Haltung zu den Impfungen in der Europäischen Union. Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hatte zuvor angekündigt, Bund und Länder wollten gefährdete Tiere im Fall eines MKS-Ausbruchs in Deutschland auch trotz möglicher EU-Sanktionen notfalls impfen lassen.

Die Niederlande hatten nach dem Ausbruch der Tierseuche im Osten des Landes die Impfgenehmigung gefordert. Die EU- Veterinäre teilten mit, die eingeschränkten Impfungen dürften im Umkreis von zehn Kilometern um den Seuchenherd vorgenommen werden. Die Niederlande wollten zunächst nicht unverzüglich mit den Impfungen beginnen, sondern nur, wenn es unerlässlich erscheine. Bislang war die Impfung gegen MKS nach EU-Recht nicht zulässig. Bei einem Verstoß mussten Staaten mit Strafzahlungen und einem einjährigen Exportverbot für Fleisch rechnen. Nach dem Seuchenausbruch in den Niederlanden war im benachbarten Deutschland die Furcht vor einer Ausbreitung der hoch ansteckenden Krankheit gewachsen.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hatte angekündigt, den Empfehlungen der Veterinäre sofort zu folgen. Beim Stockholmer EU-Gipfel habe keiner der Staats- und Regierungschefs Massenimpfungen gefordert, sagte Schwedens Europaminister Lars Danielsson.

Künast sagte nach einer Konferenz der Agrarminister von Bund und Ländern in Cottbus: "Impfungen sind nur vorgesehen, wenn die Ausbreitung von MKS nicht durch sofortige Tötung der Tiere ohne Impfung verhindert werden kann." Wenn die Tötung und unschädliche Beseitigung etwa aus Kapazitätsgründen nicht schnell möglich sei, könne es eine Notimpfung und anschließende Tötung der betroffenen Bestände geben. Falls eine weitere Ausbreitung des Virus drohe, könnten Tiere im Radius von zehn bis 30 Kilometer erst geimpft und dann getötet werden.

Vorbeugende oder Massenimpfungen seien nicht beschlossen worden. Über Impfungen gegen die Ausbreitung von MKS wird in Deutschland seit Tagen diskutiert. Politiker aus verschiedenen Bundesländern hatten sich für vorbeugende Impfungen gefährdeter Tierbestände ausgesprochen. Impfgegner argumentieren indes, durch die Impfungen drohe großer wirtschaftlicher Schaden. Sie weisen darauf hin, dass nach der Impfung der Verbreitungsweg von MKS nicht mehr verfolgt werden könnte. Künast zufolge ist unklar, ob die EU im Falle von Impfungen gegen Deutschland Handelssanktionen verhängen würde.

Der Verdacht auf MKS im niedersächsischen Verden gilt im niedersächsischen Agrarministerium nach zwei negativen Antikörper-Tests im Bundeslabor für Viruserkrankungen in Tübingen als weitgehend ausgeräumt. "Es ist es sehr unwahrscheinlich, dass die in Verdacht stehenden Tiere an der Seuche erkrankt sind", sagte der Ministeriumssprecher des niedersächsischen Agrarministeriums. Bis Montag soll das abschließende Ergebnis aus Tübingen vorliegen, wo noch die eigens gezüchteten Zellkulturen der Tiere auf mögliche Viren geprüft werden müssen. Entgegen ersten Planungen entschieden die Behörden, den Verdachtssperrbezirk um den Mastbetrieb mit 650 jungen Schweinen in der Ortschaft Holtum-Marsch vorzeitig aufzuheben.

In Großbritannien, wo die Seuche zuerst ausgebrochen war, könnte sich die Zahl der betroffenen Betriebe nach Einschätzung von Wissenschaftlern bis Juni auf 4.000 erhöhen. Die Zahl der Fälle in den betroffenen Regionen werde stark zunehmen, hieß es in einer vom britischen Agrarministerium veröffentlichten Erklärung der Wissenschaftler. Der für die britische Regierung tätige Wissenschaftler David King sagte im Rundfunk, schlimmstenfalls werde das Land durch MKS etwa die Hälfte seiner 62 Millionen Klauentiere verlieren. Bislang sind rund 500 britische Betriebe von der Seuche betroffen, die sich auch nach Frankreich und Irland ausgebreitet hat.

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