Spezial-Firmen wetteifern um mögliche Aufträge zur Ölbrand-Bekämpfung: Red Adairs Erben trainieren für Einsatz im Irak

Spezial-Firmen wetteifern um mögliche Aufträge zur Ölbrand-Bekämpfung
Red Adairs Erben trainieren für Einsatz im Irak

Die neue Generation von Experten für die Bekämpfung von Ölbränden steht bereit. Ihr mögliches Einsatzgebiet: der Irak. Doch ob es im Fall eines Golfkriegs überhaupt zu Ölbränden kommt, ist völlig unklar. Offen ist auch, wer für den Einsatz der teuren Brandexperten überhaupt gerade steht.

NEW YORK. So lange ist es noch nicht her, dass den Namen Red Adair fast jedes Kind kannte. Heute ist der Mann, der im ersten Golfkrieg die brennenden Ölquellen in Kuwait löschte, alt und krank. Seine gleichnamige Firma, die in spektakulären Aktionen die Ölfeuer löschte, die die irakischen Truppen bei ihrem Rückzug gelegt hatten, bekam 1993 einen neuen Eigentümer: das im Öl-Service-Geschäft aktive US Global Industries Ltd. -Unternehmen

Bald darauf hat Global Industries die Löschgeschäft aufgegeben; dabei ist der Job, den Adair einst machte, heute so begehrt wie noch nie. Die neuen Feuerwehrmänner für den möglichen zweiten Golfkrieg stehen bereits in den Startlöchern. "Es wird diesmal viel mehr Wettbewerb geben als damals in Kuwait", prophezeit Marshall Adkins, Analyst beim Investmenthaus Raymond James & Associates.

In den USA sind es drei große Unternehmen, die als führend in der Ölfeuer-Bekämpfung gelten: Cudd Pressure Control, Boots & Coots International Well Control und Wild Well Control, eine Tochter von Superior Energy Services Inc. Die Regierung hat bereits Kontakt mit ihnen aufgenommen, heißt es in Washington. Auch beim kanadischen Spezial-Unternehmen Safety Boss habe das Militär angeklopft.

"Wir planen intensiv und haben uns bereits mit Vertretern der Regierung zusammengesetzt", sagt Pat Campbell, Chef von Wild Well Control. Einige Fragen zur Sicherheit der Mitarbeiter und dem Zugang zu den kritischen Orten seien jedoch noch offen. Vor Ort stünden daher noch keine Mitarbeiter. Aber sie seien auf Abruf bereit und könnten jederzeit eingeflogen werden. Details über die Technik werden nicht verraten.

Auch über die verschiedenen Einsatzszenarien gibt es keine Auskunft. Beim ersten Golfkrieg hatten die irakischen Truppen auf ihrem Rückzug aus Kuwait fast 700 der 1 000 kuwaitischen Ölquellen in Brand gesteckt, wochenlang war der Himmel über der Wüste schwarz. Die Löscharbeiten dauerten 9 Monate und kosteten 2,5 Mrd. $, bei einem Gesamtschaden von 18 Mrd. $. US-Regierung und Militärs befürchten, dass die Irakis diesmal ihre eigenen Quellen in Brand stecken könnten - die Auswirkungen wären verheerender als im ersten Irakkrieg. Denn das Reich Saddam Husseins hat 1500 Ölquellen - 500 mehr als Kuwait. Überdies sind die irakischen Vorkommen über das Land verstreut. Doch nicht nur das: "Die irakischen Ölquellen sind in einem viel schlechteren Zustand als damals die kuwaitischen", erzählt Campbell. So seien die Förderrohre mitunter so porös, dass es fatal sein könne, sie allein mit Druck von außen zu schließen. Dann nämlich bestehe die Gefahr, dass Öl ins Grundwasser sickere.

Unklar ist auch, wer für mögliche Einsätze zahlt: "Uns hat man gesagt, wir sollen so planen, wie wir es für einen zahlenden Kunden tun würden." Im ersten Golfkrieg hat das reiche Kuwait die Kosten übernommen. Ob im Fall der Fälle das US-Militär zahlt? "Ich schätze, dass sie das später aus der Ölproduktion bezahlen werden", meint Analyst Adkins.

Aber ob die Irakis wirklich ihre eigenen Ölquellen in Brand stecken, will auch er nicht prophezeien. "Mein Gefühl sagt mir, dass es keine riesigen Schäden geben wird", sagt Adkins. Sollte es flächendeckend zu Ölbränden kommen, gäbe es jedenfalls genug zu tun. Boots & Coors könnte das sogar aus den derzeitigen finanziellen Schwierigkeiten helfen. Als jüngst die Widerstandsappelle Osama Bin Ladens im Fernsehen liefen, schoss die angeschlagene Boots & Coots-Aktie um das Doppelte nach oben.

Auch Wild Well-Chef Campbell bezweifelt, dass es zu schlimmen Bränden kommt: "Persönlich kann ich mir nicht vorstellen, dass die Jungs ihre eigenen Quellen anzünden. Wenn Saddam Hussein so weit geht, dann hat er aufgegeben. Und dann wollen die Soldaten einfach wieder nach Hause zu ihren Eltern, ohne das ganze Land zu zerstören", schätzt er. Recht gib ihm dabei Manouchehr Takin, Analyst beim Centre for Global Energy Studies in London: "Diese Quellen sind die natürlichen Resourcen des Landes."

Aber dass die Brände in einzelnen Fällen doch als Taktik im Verteidigungskampf eingesetzt werden, das halten viele für wahrscheinlich - nicht nur die US-Regierung.

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