Spezialfonds stehen im Blickpunkt
Kosten zwingen Fonds zur Konzentration auf Stärken

Hintergrund der Entwicklung sind Margendruck und steigender Wettbwerb in der Branche. Veränderungen im Aufsichtsrecht erleichtern den Wandel.

FRANKFURT/M. Im Fondsmarkt für institutionelle Anleger bahnt sich ein Umbruch an. ln Deutschland werden die weit verbreiteten Kapitalanlagegesellschaften (KAGs) von ihren Kosten und vom Verwaltungsaufwand her immer weniger lukrativ für ihre Manager. Deshalb sehen Experten in der Zukuft eine Spezialisierung auf reine Vermögensverwaltung einerseits und Abwicklung administrativer Tätigkeiten andererseits. "Vor allem kleinere Gesellschaften machen sich Gedanken über ein Geschäftsmodell ohne KAG", beobachtet Wolfgang Hötzendorfer, Geschäftsführer von State Street Global Investment in München. Kandidaten nennt Christian Schlenger, Geschäftsführer der Consultingfirma Alpha Portfolio Advisors: "Das betrifft die KAG?s von Ausländern, von einigen Versicherern und andere kleine Adressen - vor allem Spezialfondsanbieter für institutionelle Anleger."

Schlenger sieht Publikumsfondsgesellschaften weniger in Zugzwang, weil in diesem Geschäft die Margen höher seien. Außerdem würden insbesondere ausländische Investmentfirmen den deutschen Markt über ihre Luxemburger Drehscheibe bedienen und brauchten damit keine KAG. Dass aber auch viele Publikumsfondsgesellschaften unter Handlungszwang stehen, liegt an zusätzlichen internen Managementdefiziten, behauptet eine aktuelle Studie der Unternehmensberater Context Management Consulting (Kasten rechts), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. "Zehn der mehr als 70 Mitglieder des Fondsverbandes BVI diskutieren über einen neuen Mehrheitseigner, einen Verkauf oder sogar eine Schließung", schätzt Context-Geschäftsführer Armin Schmitt.

Wer bisher hier zu Lande eigene Spezialfonds anbieten und managen will, muss eine KAG gründen. Das bürdet Asset-Managern Kosten für den Aufbau und Unterhalt des Portfoliomanagements, der Buchhaltung und des Controlling auf. Für ein Investmenthaus mit Kernkompetenz Asset-Management macht es deshalb Sinn, die teuren Verwaltungsaktivitäten an kostengünstiger arbeitende Spezialisten abzugeben.

Vertreter von Schroder Investment Management beziffern die laufenden Aufwendungen für ihre 1998 gegründete KAG "in der Startphase auf 1,5 Millionen Euro pro Jahr - ohne Gründungskosten." Ganz ähnlich Zahlen präsentiert Hans-Dieter Bauernfeind, Geschäftsführer der Swiss Re Asset Management KAG. Er taxiert die jährlichen Kosten einer Spezialfondsgesellschaft auf 2 Mrd. Euro.

Mit der allgemeineren Auslagerung von Firmensparten ("Outsourcing") erlaubt die Bankenaufsicht bereits seit Ende vergangenen Jahres auch die Vergabe von Backoffice-Aktivitäten an Dritte. Die Investmentgesellschaften haben zwar bisher auf diese Neuregelung kaum reagiert. Das aber liegt nicht nur am generellen Zeitbedarf für Strategieänderungen, sondern auch daran, dass noch eine detailliertere Formulierung der Outsourcing-Entscheidung von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) aussteht. "Im November geben wir einen Entwurf heraus", kündigt der zuständige BAFin-Mann Volckmar Bartels an.

Experten gehen davon aus, dass die Entwicklung zur Spezialisierung und damit zur Bildung von zwei Kategorien von KAGs führen wird: Auf der einen Seite KAGs, die sich auf die reine Vermögensverwaltung beschränken, auf der anderen Seite KAGs, die nur noch die Fondsbuchhaltung besorgen. Die auf Asset-Management ausgerichtete Gesellschaften werden ihre Fondsbuchhaltung an einen Vertreter der anderen Gruppe, an eine so genannte Master-KAG, abgeben. In diesem Bereich der Fondsverwaltung wollen unter anderem Helaba Invest, Universal Invest und die eigens hierfür gegründete BHW Invest tätig werden (Handelsblatt vom 22.8.).

Jens Schmitt, Geschäftsführer der J.P. Morgan Fleming KAG, die etwa 6 Mrd. Euro in Spezialfonds verwaltet, hält diese Entwicklung für gut. Sein Ausblick: "Sollten wir eine gute Master-KAG finden, würden wir uns eine Schließung der hiesigen eigenen Gesellschaft überlegen", sagt er. In Branchenkreisen gilt Merrill Lynch Investment Managers KAG mit einem Spezialfondsvermögen von 2,5 Mrd. Euro als Kandidat für eine Schließung, obwohl Geschäftsführer Wolfgang Stern sagt, dass es "keine konkreten Pläne" gebe. Er ergänzt: "Es müssen sich alle Spezialfondsmanager mit einem Vermögen von weniger als zehn Milliarden Euro das Konzept anschauen - auch wir."

Schroder Investment Management war der Zeit voraus. Die Briten verkauften ihre KAG bereits Mitte vergangenen Jahres wieder und zogen sich auf eine deutsche Repräsentanz zurück. "Wir änderten unsere Meinung auch deshalb, weil wir schon damals die gelockerten Zügel des Aufsichtsamtes bei der Genehmigung von Beratungsmandaten spürten", sagt Geschäftsführerin Edda Schröder. Schroder begnügt sich seitdem mit der schon länger erlaubten schwächeren Variante des Asset-Management-Outsourcings. Die Gesellschaft "berät" fremde KAG?s, bei denen Spezialfonds für Schroder-Kunden aufgelegt wurden.

Der Rückzug brachte Einsparungen. "Ursprünglich hatte unsere deutsche Gesellschaft 30 Mitarbeiter, diese Zahl konnten wir nach dem Verkauf der KAG und den dann verringerten Anforderungen auf rund die Hälfte senken", sagt die Expertin.

Quelle: Handelsblatt

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